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José Sulaimán : Gott macht Fehler

  • -Aktualisiert am

José Sulaimán Bild: F.A.Z.

          2 Min.

          Die neueste Werbefigur Mexikos trägt eine Tätowierung im Gesicht, hat demnächst eine eigene Comedy-Show am New Yorker Broadway und ernährt sich streng vegan. Der frühere Boxer Mike Tyson soll seinen Landsleuten in den Vereinigten Staaten die Vorzüge des südlichen Nachbarlandes schmackhaft machen.

          Eingefädelt hat den Deal José Sulaimán. Die alten Seilschaften funktionieren eben noch. Der Greis ist einer der einflussreichsten Menschen Mexikos und einer der mächtigsten Akteure im weltweiten Boxgeschäft. Wer um den Titel des World Boxing Council (WBC) kämpfen will, kommt am 81 Jahre alten Don José nicht vorbei - seit 1975.

          „Meine Regeln sind flexibel“

          So lassen sich der WBC-Präsident und dessen Generalsekretär, Sulaimáns Sohn Mauricio, schon mal von einem deutschen Box-Promoter zur Fußball-WM in ein fernes Land fliegen und mit VIP-Karten ausgestattet auf die Tribüne setzen. Die Sulaimáns zahlen mit WM-Kämpfen zurück. Hiebe für Tore.

          Denn wer um den WM-Titel kämpfen darf, wer in der Weltrangliste klettert oder fällt, entscheidet der Verband im Alleingang - hinter verschlossenen Türen. Ohne Kontrolle, ohne Transparenz und manchmal auch ohne Sinn. „Meine Regeln sind flexibel“, gibt Sulaimán zu.

          Sorry, vertan - „ich bin nicht perfekt“

          Äußerst flexibel präsentierte sich der Präsident 1998, als er auf die Absichtsbekundung des Amerikaners Roy Jones Jr. hin, die Gewichtsklasse wechseln zu wollen, den WM-Titel im Halbschwergewicht für vakant erklärte und in Berlin ausboxen ließ. Als Jones seine Meinung wenig später änderte, nahm Sulaimán dem Sieger Graciano Rocchigiani den grünen Gürtel am grünen Tisch wieder ab.

          Sorry, vertan. „Ich bin nicht perfekt. Sogar Gott macht Fehler“, sagte Sulaimán. Der Berliner klagte und bekam 31 Millionen Dollar zugesprochen. Sulaimán meldete prompt Konkurs an. Rocchigiani stimmte schließlich einem Vergleich zu.

          Angespuckt und mit dem Tode bedroht

          So können die Sulaimáns weiter gut leben von ihrem Verband. Jeder Promoter, der einen WM-Kampf ausrichtet, muss 5000 Dollar Gebühr an den WBC bezahlen, jeder Boxer muss drei Prozent seiner Börse abtreten. Einmal im Jahr lädt der Verband zum Kongress nach Las Vegas oder auf Hawaii. Wer etwas auf sich hält im Box-Business, der muss dabei sein. Denn dort werden Titelkämpfe arrangiert, Allianzen geschmiedet und Weltranglisten erstellt.

          Vor zehn Jahren ging Sulaimán bei einem Tumult auf einer Pressekonferenz k.o. Einen der beiden Boxer verklagte er daraufhin auf Schmerzensgeld - er soll ihn angespuckt und mit dem Tode bedroht haben. Der Typ war muskelbepackt und aggressiv, er hieß Mike Tyson. Viva México!

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