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Anderes Olympia 2021 : Japan will vereinfachte Sommerspiele

Die Form wahren: Die japanischen Organisatoren mit Toshiro Muto (rechts) und Yoshiro Mori wollen vereinfachte Spiele. Bild: EPA

Kein Protz, kein Glamour, sondern Olympische Spiele in einer etwas gedrosselten Form. Das ist die neue Formel, mit der die Veranstalter der wegen der Corona-Krise auf 2021 verschobenen Sommerspiele in Tokio das Sportereignis retten wollen.

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          Die auf das kommende Jahr verschobenen Olympischen Spiele in Tokio werden nicht mit großer Pracht, sondern in einer vereinfachten Form stattfinden. Das hat der Organisationschef des nationalen Vorbereitungskomitees, Toshiro Muto, am Mittwoch vor Journalisten in Tokio gesagt. Die japanische Seite hatte zuvor in einer Online-Konferenz mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Stand der Vorbereitung beraten und einen groben Zeitplan für die 13 Monate bis zum geplanten Beginn der Olympischen Spiele im Juli 2021 vereinbart.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Kurz darauf bestätigte IOC-Präsident Thomas Bach bei einer Online-Pressekonferenz diese Pläne. Er lobte die „Entschlossenheit und Effizienz“ der japanischen Seite.

          Priorität habe die Gesundheit und Sicherheit der Beteiligten, hieß es in Tokio. Eine vereinfachte Form der Olympischen Spiele bedeutet nach den vorgestellten Prinzipien, dass die Zahl der Anwesenden reduziert werden soll. Ausgenommen davon sind nach den Worten Mutos die Athleten und die Zuschauer. Über die Streichung einzelner Wettkämpfe sei nicht gesprochen worden, sagte Muto.

          Drop-Offs statt Parkplätze

          Nach den Grundprinzipien, auf die sich das Organisationskomitee mit dem IOC geeinigt habe, sollten die entscheidenden sportlichen Wettkämpfe soweit möglich beibehalten werden. Über eine Reduzierung des Programms dürfte das IOC auch nur schwerlich mit sich reden lassen. In Lausanne sprach der für die operative Ausführung der Spiele zuständige IOC-Direktor Christophe Dubi genau wie Muto in Tokio über bis zu 200 Details, die auf der Liste der gemeinsamen Task Force stünden. Man werde keinen Stein auf dem anderen lassen.

          Als Beispiel für Einsparungen im Service-Bereich nannte er die Umwandlung von Parklätzen in Drop-offs. Das Hinterfragen, ob wirklich so viel Fläche gebraucht werde wie vorher veranschlagt. Es habe in der Vergangenheit schon Planungen gegeben, die den Bedarf überstiegen hätten. Auch die Frage, ob Testwettbewerbe, die wegen der Corona-Krise ausgefallen seien, nachgeholt werden müssten, stehe im Raum.

          Fackellauf steht in Frage

          Überdacht werden nach Mutos Worten aber alle Bereiche der Olympischen Spiele, einschließlich des Fackellaufs. Kulturelle Elemente, die nicht zum Kern gehörten, werden überprüft. Generell sprach Muto davon, dass das Dienstleistungsangebot angepasst werden solle. Er nannte keine Zielvorgabe, welche Kostensenkung mit dem Schwenk zu vereinfachten Spielen erreicht werden soll.

           „Wir wollen, dass die Olympischen Spiele von der Welt während der Coronakrise akzeptiert werden“, begründete Yoshiro Mori, der Präsident des japanischen Organisationskomitees, die Vereinfachung des Sportfestes. Mori betonte, dass über eine Absage der Spiele nicht gesprochen worden sei.

          Die Olympischen Spiele Tokio 2020, die eigentlich im Juli beginnen sollten, waren im März nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben worden. Doch die Unsicherheit, ob die Spiele mit einer andauernden Pandemie eventuell abgesagt werden müssen, bleibt. Thomas Bach, hat schon erklärt, dass eine abermalige Verschiebung der Spiele in Tokio auf einen noch späteren Zeitpunkt nicht infrage käme.

          Wie die Athleten, die Besucher an die Organisationen gegen eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Coronavirus geschützt werden könnten, wollen die lokalen Veranstalter nach dem vorgelegten Zeitplan erst von Herbst an beraten und diskutieren. Dann werde es größere Klarheit geben, wie die Pandemie-Lage aussehe, erklärte Muto.

          Japan bewegt sich

          Viele organisatorischen Probleme der Verschiebung der Spiele sind noch nicht gelöst. Eine der großen Schwierigkeiten ist das Olympische Dorf, in das im kommenden Sommer eigentlich schon lange die neuen Besitzer der Eigentumswohnungen eingezogen sein sollten. Doch die Verhandlungen zwischen der Metropolregierung von Tokio und dem Baukonsortium über eine olympische Nutzung der Neubauanlage auch im kommenden Sommer liefen noch, sagte Muto. Auch die Sportstätten und sonstigen Anlagen wie etwa Messehallen sind für den Sommer 2021 noch nicht alle gesichert. Eine „beträchtliche Zahl“ der Besitzer der Anlage zeige Verständnis für die Wünsche des Organisationskomitees, sagte Muto. Doch in bestimmten Bereichen seien die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.

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          Mit dem Wechsel hin zu einer vereinfachten Form der Olympischen Spiele haben die japanischen Organisatoren sich deutlich bewegt. Als Ministerpräsident Shinzo Abe im Februar/März mit dem IOC eine Verschiebung statt einer möglichen coronabedingten Absage aushandelte, hatte er in Japan die Losung ausgegeben, dass die Spiele in einer „kompletten Form“ stattfinden sollten. Noch Ende Mai hatte Abe sich darauf festgelegt. Doch das gilt jetzt nur noch bedingt.

          Mori, der frühere Ministerpräsident, legte sich nicht fest, was genau eine „komplette Form“ bedeute und was nicht gestrichen werden dürfe. Der gesunde Menschenverstand sage einem, dass eine Anomalie wie die Olympischen Spiele 1980 in Moskau keine kompletten Spiele gewesen seien, sagte er. Damals hatten die meisten westlichen Staaten das Sportfest wegen des Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan boykottiert. Mori soll nach japanischen Medienberichten Abe zur Flexibilität geraten und davon abgeraten haben, auf einer kompletten Form zu bestehen. Die Priorität müsse darauf liegen, dass die Spiele überhaupt stattfinden könnten, soll Mori dem jetzigen Regierungschef klargemacht haben.

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