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Volleyball in Iran : Die Hälfte der Freiheit

Frei zum Jubeln: Iranische Volleyball-Fans bei der WM in Polen in 2014 Bild: Picture-Alliance

Frauen dürfen in Iran keine Volleyball-Spiele besuchen. Nun lässt der Welt-Verband dort ein internationales Beachvolleyball-Turnier austragen. Ein historisches Ereignis, sagen die einen. Ein Skandal, sagen andere.

          Mohammad Reza Schah Pahlewi hatte Großes vor auf der kleinen Insel Kisch im Persischen Golf. Großes lag in der Natur des Schahanschah, des Königs der Könige, und die kleine Insel Kisch, so hatte Aryamehr, das „Licht der Arier“, der Herrscher Persiens entschieden, sollte das Monte Carlo des Orients werden, das Las Vegas des Morgenlands. Bauarbeiter gossen eine Landebahn auf die Insel, die kleiner ist als Sylt, eine Landebahn, auf der fortan die Concorde landen sollte, gefüllt mit den Reichen und Schönen des Jetsets aus Paris, London, New York City.

          Statt der Concorde kam 1979 die Islamische Revolution, am 16. Januar vor 37 Jahren floh der Schah aus dem Land. Nicht in einer Concorde, sondern in einer kaiserlichen Boeing, fortgejagt im Jet; woraufhin Kisch aus dem Familienbesitz der Pahlewis zurück kehrte ins Eigentum Irans, das nun eine Theokratie wurde; die Islamische Republik Iran. Eine weiterentwickelte Version des Pahlewischen Traums entstand nur am arabischen Ufer des Persischen Golfs, in Qatar, Dubai, Abu Dhabi: exzessiv, luxuriös, teuer. Kisch wurde zu einer Ferieninsel für Iraner, auf der die Sitten ein bisschen weniger streng sind als auf dem Festland. Aber wenn Männer und Frauen baden gehen wollen, dann müssen sie das auch auf Kisch getrennt tun. Zwischen den Stränden liegen ein paar Kilometer Küste. Aber es lassen sich Boote mieten, zum gemeinsamen Schwimmen vor der Korallenbank.

          Historisches Ereignis? Oder ein Skandal?

          Am 15. Februar, wird iranische Sportgeschichte geschrieben. Die World Tour der Beachvolleyballspieler kommt in die Islamische Republik Iran, nach Kisch, zu den Kish Island Open. Beachvolleyball? In der Islamischen Republik? Im Januar 2015 hat der iranische Volleyball-Verband darum geworben, im Herbst bekam er den Zuschlag vom Internationalen Volleyball-Verband (FIVB). Ein historisches Ereignis, sagen die einen. Ein Skandal, sagen andere.

          In Teheran, knapp zwei Flugstunden entfernt, macht sich eine Frau in diesen Tagen Gedanken, wie sie im Februar nach Kisch kommt. Die Frau soll in dieser Geschichte Sara heißen, ihren tatsächlichen Namen will sie nicht nennen, das würde sie gefährden. Sara ist Mitglied der Gruppe Open Stadiums, sie kämpft gegen die Diskriminierung von Frauen, vor allem im Sport. Sara will auf Kisch den Volleyballspielern zuschauen, doch das darf sie nicht, jedenfalls nicht nach den geltenden Gesetzen Irans.

          Ein iranischer Fan bei einem Volleyballmatch in Teheran

          Dabei hat Sara schon Volleyballspiele gesehen in Iran. „Vor zehn Jahren haben wir unsere Stadionkampagne begonnen“, schreibt sie. „Unser Ziel war es, die Fußballstadien für Frauen zu öffnen, und wir nannten Volleyball und Basketball immer als Beispiele: Wie viel besser die Atmosphäre dort ist, weil Männer und Frauen gemeinsam hingehen, während es vom Fußball immer hieß, wir dürften dort nicht hin, weil die Männer so fluchten. Aber als unsere Volleyball-Nationalmannschaft erfolgreich und Asienmeister wurde - es waren so viele Reporter und Fotografen in der Halle, die glückliche Frauen sahen! -, hieß es von den Behörden plötzlich, im September 2012 nach einem Spiel gegen Japan, dass Frauen nicht mehr kommen dürften.“

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