https://www.faz.net/-gtl-8vdrw

IOC zweifelt an McLaren : Russland freigespielt

Russische und Olympische Fahnen: Von beiden Seiten gab es nun Kritik am Mc-Laren-Report. Bild: AFP

Wie gut war der McLaren-Report tatsächlich? Das IOC bemängelt die Dopingberichte des kanadischen Wissenschaftlers. Russland reagiert darauf wie erwartet.

          Wenn das keine Steilvorlage ist: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beklagt Widersprüche, schlechte Übersetzungen und vor allem den Mangel an Beweisen für Doping und Manipulationen im russischen Sport. In einem offenen Brief diskreditiert der Generaldirektor der Organisation, Christophe de Kepper, den McLaren-Report. Dieser belegt systematisches Doping von bis zu tausend Athleten in nahezu allen Sportverbänden Russlands und obendrein den Austausch von Doping-Proben russischer Teilnehmer bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014.

          Den Ball nimmt das offizielle Russland gern auf. Endlich hätten die Bürokraten des Sports zugegeben, sagt die Sprecherin des Außenministeriums, dass es für den Ausschluss Russlands von den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Spiele in Rio sowie von den Paralympischen Spielen keinen Grund gab. Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses der Duma, Alexej Puschkow, lässt wissen, nun sei klar, dass der McLaren-Report eine politische Auftragsarbeit gewesen sei. Volltreffer: Alle Verschwörungstheorien bestätigt.

          Man muss de Kepper und IOC-Präsident Thomas Bach nicht für diese abstrusen Schlussfolgerungen verantwortlich machen. Doch sie erwecken den Eindruck, dass auch ihnen nicht passt, was der kanadische Anwalt belegt. Schließlich hatte Bach, obwohl der Betrug von Sotschi aufgeflogen war, darauf bestanden, dass die russische Olympiamannschaft mit Flagge und Hymne an Rio 2016 teilnimmt. Das IOC könne nicht unschuldige russische Sportler aussperren, argumentierte er, und dem Nationalen Olympischen Komitee Russlands sei schon gar nichts nachzuweisen.

          Richard McLaren: Sein Report steht in der Kritik.

          Seitdem hat das IOC Kommissionen ein- und Untersuchungen angesetzt. Sie alle sind auf ein Ziel ausgerichtet, welches Richard McLaren bei seinen Recherchen nicht einmal erreicht hätte, wenn er das gewollt hätte: individuelle Schuld zuzuweisen. Erst im Nachgang zu seinem zweiten Bericht gab er den internationalen Fachverbänden die Namen einiger hundert Athleten, die er in den russischen Unterlagen gefunden hat. Worum es ihm aber wirklich ging, war, ein Netz offenzulegen, in dem Athleten und Trainer, Verbände und Nationale Anti-Doping-Agentur sowie Geheimdienst und Ministerium im nationalen Interesse zusammenarbeiteten, um Medaillengewinne zu organisieren. Das ist ihm gelungen. Ein „staatlich unterstütztes System“ nannte McLaren es im ersten, eine „institutionelle Verschwörung“ im zweiten Bericht.

          Gedopte Sportlerinnen und Sportler sind nicht nur Profiteure, sondern auch Opfer einer solchen Struktur. Darauf zu beharren, sie einzeln zu überführen, heißt nicht nur, die Dimension des Betruges zu verkennen. Sondern auch, das System zu schützen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Keine Mammut-WM in Katar Video-Seite öffnen

          Nur 32 statt 48 Teams : Keine Mammut-WM in Katar

          Wie die Fifa bekannt gab werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar genau so viele Teams wie in den letzten Jahren antreten. Zuvor hieß es, die Anzahl an teilnehmenden Nation sollte auf 48 Mannschaften aufgestockt werden.

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Tod einer Formel-1-Legende : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Topmeldungen

          „Spiegel“-Verlagschef Thomas Hass (links), Chefredakteur Steffen Klusmann und Brigitte Fehrle stellen den Bericht vor.

          Der Fall Relotius : Über den Reporter, der immer Glück zu haben schien

          Fünf Monate, nachdem der frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius als Fälscher enttarnt wurde, legt das Magazin nun seine Untersuchung des Falls vor. Dabei geht es mit sich und einigen Mitarbeitern hart ins Gericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.