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IOC-Wahl in Buenos Aires : Thomas Bach ist der neue Herr der Ringe

  • -Aktualisiert am

Ring-Kampf gewonnen: Thomas Bach führt das IOC Bild: AFP

Das IOC wählt Thomas Bach in Buenos Aires als ersten Deutschen zu ihrem Präsidenten. Auf ihn wartet ein schweres Programm: Die Sponsoren murren wegen der diskriminierenden Homo-Gesetzgebung in Russland.

          Thomas Bach ist auf dem Gipfel des Olymp angekommen. Schon in der zweiten Runde wählte ihn die 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires am Dienstag mit einem deutlichen Votum zu ihrem neuen Präsidenten. Der 59 Jahre alte Mannschafts-Olympiasieger im Fechten ist als neunter IOC-Präsident Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge, dessen Amtszeit nach zwölf Jahren endete.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bei der Verkündung des Ergebnisses vor den versammelten Olympiern blieb Bach zunächst ruhig und gefasst. Als der Applaus ihn emotional zu überwältigen drohte, entfuhr ihm erst einmal ein erleichterndes „Uff“. In seiner Rede dankte er allen Mitgliedern, auch denen, die ihn nicht gewählt hatten. „Meine Tür, meine Ohren und mein Herz sind immer offen für sie.“ Er sei überwältigt gewesen, sagte Bach hinterher: „Ich habe diesen Moment sehr genossen.“

          Bach steht am Ende und am Anfang eines langen Weges. Seit 23 Jahren ist der Jurist aus Tauberbischofsheim, der als Athletensprecher seine Funktionärskarriere begann, Mitglied des IOC. Der deutsche Sportführer Willi Daume, 1980 als Präsidentenkandidat gescheitert, räumte 1991 seinen Platz für ihn. Bach entwickelte sich zu einem der wichtigsten Juristen Olympias, stieg nach fünf Jahren in die Exekutive auf, wurde 2000 in Sydney zum Vizepräsidenten gewählt und zweimal spektakulär bestätigt, zuletzt 2010 in Vancouver.

          Im entscheidenden Wahlgang erhielt er 49 von 93 Stimmen - der scheidende Präsident Rogge nahm der Tradition gemäß nicht an der Wahl teil. Das zweitbeste Ergebnis erreichte der puertoricanische Bankier Richard Carrión mit 29 Stimmen.

          Der aussichtsreichere asiatische Kandidat, Ng Ser Miang aus Singapur, musste sich mit sechs Stimmen abfinden, er war nur durch eine Stichwahl gegen den Taiwaner Wu in den zweiten Durchgang gekommen. Ng hatte unter anderem damit geworben, dass die europäische Dominanz an der IOC-Spitze gebrochen werden müsste. Möglicherweise hat die Vergabe der Sommerspiele 2020 am Samstag an Tokio dieses Argument entkräftet. Bach ist der achte Präsident aus Europa, nur einer, Avery Brundage, war Amerikaner.

          Thomas Bach brauchte einen Moment, bis er seine erste Rede als IOC-Präsident hielt Bilderstrecke

          Schon am Tag vor der Wahl hatte sich die Stimmung im weitläufigen Tagungshotel in Buenos Aires verändert, Bachs Mehrheit schien für alle Beteiligten greifbar zu werden. Noch einmal versuchten seine fünf Gegenkandidaten, sich zu sammeln. Das selbstgefällige Auftreten des unverhohlenen Bach-Förderers Scheich Ahmad al Sabah aus Kuweit wurde als letztes Kampf-Argument ins Feld geführt. Dass Bach unmittelbar nach seiner Wahl mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin telefonierte, deutet allerdings auf noch viel mächtigere Förderer hin.

          Dagegen wirkte der Vorstoß von Denis Oswald geradezu harmlos. Bachs Mitbewerber entpuppte sich als schlechter Verlierer. Er diskreditierte Bach gegenüber einem Schweizer Radiosender, wurde von der IOC-Ethik-Kommission an den Verhaltenskodex erinnert und musste sich entschuldigen.

          Bach quittierte die Nachricht mit einem Schulterzucken. Wie in den Tagen zuvor schien nichts mehr seine Zuversicht erschüttern zu können. Dass Finanzchef Carrión sein gefährlichster Verfolger sein würde, war ihm bewusst. Wie erwartet spielten auch Oswald (fünf Stimmen) und der einstige Stabhochsprung-Star Sergej Bubka (Ukraine/vier) im zweiten Durchgang keine Rolle.

          Bach wird sein Leben nun dramatisch verändern müssen. Aus seiner Heimat Tauberbischofsheim wird er an den IOC-Sitz nach Lausanne umziehen. Auf der Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 16. und 17. September in Frankfurt wird er als Vorsitzender zurücktreten.

          Auch seine Aufsichtsratsposten und die Präsidentschaft der deutsch-arabischen Handelskammer wird Bach niederlegen. Nur den Aufsichtsratsvorsitz bei der Weinig AG in Tauberbischofsheim, einem Weltmarktführer für holzverarbeitende Maschinen, will er aus alter Verbundenheit behalten.

          Gravierende Schwierigkeiten vor Spielen

          Bach übernimmt ein IOC, das finanziell auf soliden Füßen steht. Die Reserven belaufen sich auf mehr als 900 Millionen Dollar (681 Millionen Euro). Bei diesem Kontostand könnte die Organisation es sogar verkraften, wenn während einer Olympiade die Spiele ausfielen. Er übernimmt aber auch ein IOC, das vor erheblichen Problemen steht.

          Die kommenden Spiele sind - bis jetzt mit Ausnahme von Pyeongchang 2018 - mit gravierenden Schwierigkeiten behaftet. Die Diskussion um die Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung in Russland hat in der Session von Buenos Aires eine wichtige Rolle gespielt. Vor allem die amerikanischen Sponsoren machen sich Sorgen um ihr Image und befürchten finanzielle Einbußen.

          Bach und die Herausforderung Sotschi

          „Jetzt gilt es, die Herausforderung Sotschi zu meistern“, sagte Bach: „Wir müssen sicherstellen, dass es erfolgreiche Spiele werden.“ Doch das ist nur der Anfang. Die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro befinden sich bereits jetzt in dramatischem Verzug. Rogge hatte vor wenigen Tagen sogar erwogen, dem Organisationskomitee eine Verwarnung zu erteilen.

          Und der Zuschlag für Tokio als Ausrichter der Sommerspiele 2020 wird vielerorts kritisch gesehen, weil das IOC bereitwillig falsche Angaben vom japanischen Premierministers Shinzo Abe über die Verhältnisse rings um die Reaktorruine Fukushima akzeptierte - wohl aus wirtschaftlichen Erwägungen.

          „Daran muss ich mich erst gewöhnen“

          Bachs erste Amtshandlung aber war weniger dramatisch. Er überreichte seinem Vorgänger Jacques Rogge den Olympischen Orden in Gold, dessen Verschluss er zunächst nicht öffnen konnte: „Daran muss ich mich erst gewöhnen“, murmelte Bach, während er an der schimmernden Riesenkette herumnestelte.

          Das Abstimmungsergebnis der IOC-Wahl

          Thomas Bach - 43 Stimmen (1. Runde) - 49 Stimmen (2. Runde)
          Richard Carrion - 23 - 29
          Sergej Bubka - 8 - 4
          Denis Oswald - 7 - 5
          Ser Miang Ng - 6 (56*) - 6
          Wu Ching-Kuo - 6 (36*)

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