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Sportpolitik-Kommentar : Kasse machen mit der Jugend

Auf der Suche nach einem Zukunftsmodell für die Formel 1: FIA-Präsident Jean Todt. Bild: dpa

Wie lassen sich jungen Leute noch für den Motorsport oder Olympia begeistern? Beim IOC und in der Formel 1 sucht man händeringend nach Antworten. Nun könnten sie fündig geworden sein. Zumindest wenn es nach den Verantwortlichen geht.

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          Es ist nicht so leicht mit der Jugend. Erst kommt sie nicht schnell genug, dann rast sie vorbei. Auf Nimmerwiedersehen. Und fortan sitzt man da, zum Beispiel als Sportfunktionär, starrt aus dem Fenster, auf den Fernseher oder auf leere Tribünen und fragt sich, wie sie zurück zu holen ist. Jean Todt ist so ein Fall. Der Franzose war als junger Mann in Feld, Wald und Wiesen unterwegs, sehr erfolgreich als Rallye-Beifahrer. Inzwischen geht er auf die 80 zu und sorgt sich als Präsident des Internationalen Automobilverbandes (Fia) um den Nachwuchs. Wie lassen sich die jungen Leute von heute noch für den Motorsport begeistern?

          Nicht nur in Deutschland – aber nicht zuletzt hier – ist es ja eher so: Selbst die Automobilhersteller haben erkannt, dass die erfolgreichen Mobilitätskonzepte der Zukunft nicht unbedingt jenen aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entsprechen. In den Marketingabteilungen haben sie nachgezählt und festgestellt, dass der Traum vom eigenen Auto in der Adoleszenz heute weit seltener vorfährt als in Todts Jugendjahren. Kein Wunder, dass nicht zuletzt die Formel 1 händeringend nach Wegen fahndet, Jugendliche für das eigene Produkt zu begeistern.

          Parallelen zur Formel 1 im olympischen Programm

          Thomas Bach ist auch so ein Fall: Den Olympiern und ihrem Chef aus Deutschland geht es grundsätzlich wie den Automobilisten. Das eigene Produkt muss der Jugend als maßgeblicher Zielgruppe schmackhaft gemacht werden, schon weil ansonsten die Werbeindustrie und Fernsehchefs anfangen könnten, unangenehme Fragen nach dem Gegenwert der eigenen Investitionen zu stellen. Olympia muss jugend- und damit werberelevant bleiben. Und da finden sich im olympischen Programm durchaus Parallelen zur Formel 1. Deshalb lässt das Internationale Olympische Komitee seit 2010 Olympische Jugendspiele austragen, bei denen neue Sportarten und Disziplinen unter anderem auf ihre Zielgruppentauglichkeit getestet werden.

          Im Oktober ist es wieder so weit, die dritte Sommerausgabe der Jugendspiele wird in Buenos Aires stattfinden. Und dann wird es heißen: Jugend rast zu Olympia. Denn Todt und Bach, die sich in den vergangenen Jahren des Öfteren trafen, haben das passende Vehikel gefunden, um endlich einmal die Fia auf olympischer Bühne vorfahren zu lassen.

          Es wird bei den Jugendspielen Rennen in Elektrokarts geben. Bei der Fia sind sie erkennbar glücklich über die neue Bühne. Schon ist von „nachhaltigem“ Motorsport die Rede, den die Welt kennenlernen dürfe. Todt hielt die anwesenden Motorsportfunktionäre auf der Sport-Konferenz der Fia in Manila am Montag an, mit dem olympischen Auftritt bei den Nationalen Olympischen Komitees um Unterstützung zu werben. Der Auftritt der E-Karts bei den Jugendspielen soll sich schließlich auszahlen in den Verbandskassen. Und das ist ein ganz alter Hut.

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