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IOC-Transparenz : Ein Vorbild für Blatter und Co.

  • -Aktualisiert am

Der nächste große Deal: IOC-Präsident Thomas Bach (rechts) mit Toyota-Präsident Akio Toyoda Bild: Reuters

Das IOC legt offen, wie viel Geld es an seine Top-Funktionäre zahlt. Nun weiß jeder, wie viel Thomas Bach für seine präsidialen Aktivitäten bekommt. Die Offenheit ist eine Premiere. Nun sollten andere Verbände nachziehen.

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          Thomas Bach muss zwar nicht so viele Autogramme geben wie der Fußballstar Wayne Rooney. Aber seine Unterschrift ist um einiges wertvoller. Im ersten Jahr seiner Präsidentschaft des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat er Fernseh- und Sponsorenverträge im Wert von etwa 10 Milliarden Dollar unterzeichnet.

          Und erst am Freitag, dem 13. März, kam ein weiterer Mega-Deal hinzu: Der Automobilhersteller Toyota wird von 2017 an bis 2024 weltweiter „Mobilitätspartner“ der olympischen Bewegung. Der Wert des Geschäfts wird von japanischen Medien auf 835 Millionen Dollar geschätzt, die Nachrichtenagentur AP spricht von nahezu einer Milliarde.

          Der Ringe-Chef dreht große Räder. Vom IOC aber erhält er dafür nur Spesen und eine Aufwandsentschädigung – damit ihn die präsidialen Aktivitäten nicht eigenes Geld kosten. Seit Donnerstag wissen wir, wie hoch diese Vergütung ist: 225.000 Euro jährlich. Das sind am Tag 616,44 Euro. Womit wir wieder bei Wayne Rooney wären. Der bekommt von Manchester United 51.428 Euro pro Tag. Das ist mehr als 83 Mal so viel. Aber natürlich ist Kicken auch kein Ehrenamt.

          Dass das IOC sich – im Zuge von Bachs Reformwerk „Agenda 2020“– dazu durchgerungen hat, die Aufwandsentschädigung seiner Mitglieder offenzulegen, müsste eigentlich befreiende Wirkung haben. Das Image einer reinen olympischen Geld-Scheffelmaschine lässt sich vor diesem Hintergrund nicht mehr so einfach aufrecht erhalten. Es stimmt ja: Es werden Milliarden bewegt, und viele Beteiligte wollen vom olympischen Sport profitieren, ob finanziell wie Sponsoren und Fernsehanstalten, oder ideell wie Gastgeberländer oder der IOC-Zirkel selbst.

          Joseph Blatter schämt sich nicht für eine Million Dollar

          Dass aber ein Großteil der Einnahmen – das IOC spricht von 90 Prozent – in den Sport zurückfließen, betonen die Olympier so regelmäßig wie vergeblich. Irgendwie kann sich keiner vorstellen, dass das stimmen soll. Schuld daran sind zahllose korrupte internationale Sportfunktionäre, die das System ausbeuten und sein Renommee in den Schmutz ziehen. Und auch die intransparente Finanzierung der Verbände.

          In diesem Zusammenhang drängt sich natürlich sofort der Fußball ins Bild. Weltverbands-Präsident Joseph Blatter hat vor vier Jahren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwar einmal gesagt, er erhalte eine Aufwandsentschädigung von einer Million Dollar. „Vielleicht ein bisschen mehr. Ich schäme mich auch nicht dafür.“ Aber offizielle Zahlen, wie er und die anderen Ehrenamtler in der Exekutive bezahlt werden, gibt es nicht. Die Ethik-Kommission des IOC hat in einem Brief an die Mitglieder, zu denen auch Weltverbands-Präsidenten gehören, alle Sport-Organisationen aufgefordert, die neue Praxis zu übernehmen. Sogar Hilfe wurde angeboten. Konkrete Beispiele mussten dabei nicht genannt werden. Das IOC-Vorgehen ist eine Premiere, betroffen sind also alle.

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