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IOC-Session um Thomas Bach : Parteitag mit Hokuspokus

Olympias Dirigent: Thomas Bach und die IOC-Mitglieder nach seiner überwältigenden Bestätigung im Amt. Bild: AFP

Der chinesische Elefant steht im Raum. Ob Menschenrechte, Impfen oder E-Games: IOC-Präsident Bach übt sich bei der Session in durchsichtiger Dialektik.

          4 Min.

          Nach drei Tagen Session bemühte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erneut seinen Draht ins Übersinnliche. Am Morgen, sagte Thomas Bach am Freitagabend in Lausanne, habe er noch mal Kontakt aufgenommen mit Pierre de Coubertin, dem 1937 verstorbenen Gründer des IOC: „Er lächelte noch.“ Im Garten des IOC-Baus in Lausanne hat sich das IOC seinen Gründer auf einen Schemel gesetzt und neben das Denkmal einen Baum gepflanzt. Bereits am Mittwoch hatte Bach behauptet, die Meinung des französischen Barons zur neuesten Idee des Präsidenten eingeholt zu haben – Bach möchte das olympische Motto „schneller, höher, stärker“ durch das Wort „gemeinsam“ ergänzen, um seinem mantraartig vorgetragenen Faible für den Begriff der Solidarität Ausdruck zu verleihen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Das ist einigermaßen anspruchsvolle Dialektik angesichts der in jeder Goldmedaille ausgedrückten individuellen Einzigartigkeit. Aber Bach konnte sich das leisten wie den Coubertin-Hokuspokus nach den drei Tagen der 137. Session, die mit seiner Wiederwahl begonnen hatte. Die IOC-Mitglieder huldigten ihm bis weit über bislang bekannte Schamgrenzen hinaus. Ernsthafte Kritik? Keine. Über weite Strecken erinnerte die Veranstaltung an Parteitage in Einparteienstaaten, was angesichts der vor der Tür stehenden Winterspiele in Peking besonders auffällt.

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