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Kommentar zum IOC : Reform im Schatten der Fifa

  • -Aktualisiert am

Nur ein Anfang: Thomas Bach spricht zu „seinen“ Sportlern Bild: Reuters

Thomas Bach muss ein Puzzle zusammenfügen: Der IOC-Präsident präsentiert seine Reformen, muss aber auch gegen das grundsätzliche Misstrauen gegenüber Sportverbänden ankämpfen. Das hat er Fifa-Chef Blatter zu verdanken.

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          Von Joseph Blatter war nicht die Rede. Thomas Bach verweigerte am Dienstag in Lausanne jeden Kommentar zum Welt-Sumpfverband Fifa und seinem bloßgestellten Präsidenten, der durch sein Amt auch Mitglied im von Bach angeführten Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist.

          Es ist aber auch fatal: Während in Zürich gerade Blatters verfilztes Gebilde die Reputation der internationalen Sportfunktionäre auf neue Tiefpunkte führt, präsentiert Bach in Lausanne einen Maßnahmenkatalog für die Olympischen Spiele, der sie rundum erneuern und fit für die Zukunft machen könnte. Die Blatter-Bande tritt, losgelöst von ihrem größten Schatz, dem weltweit geliebten Fußball, lieber die Prinzipien jeden Anstands mit Füßen. Bach hingegen, obwohl begleitet von tiefer Skepsis der freien Länder, tritt eine umfassende und tiefgehende Reform los. Olympische Winterspiele, die zuletzt an Bewerberschwund litten, sollen wieder machbar werden. Sommerspiele sollen auch von Ländern ausgerichtet werden können, denen bisher die Mittel fehlten. Die Bewerber sollen gestärkt, die Athleten besser geschützt werden - vor sich selbst und vor dem Missbrauch durch allerlei Interessengruppen. Und die wirtschaftliche Unabhängigkeit ist gesichert durch die Milliardenverträge, die Bach in den ersten Monaten seiner Amtszeit abgeschlossen hat.

          Die von Bach „Agenda 2020“ genannten Reformen sollen dem IOC so viel Stabilität geben, dass es für die politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten gewappnet ist. Die Bedrohungen sind groß, auch jenseits der eigenen Korruptionsgeschichte, des Erfolgsfetischismus und des nicht zu gewinnenden Kampfs gegen Doping. Wie soll der Sport reagieren etwa auf die finanzstarken Angebote aus Russland, den ehemaligen Sowjetstaaten und der Golf-Region? Die Erfahrung lehrt: Er lässt sich vom Meistbietenden umarmen. Die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 an das unersättliche Qatar hat da fast schon unheimliche Züge - bedenkt man, dass die Handball- und die Schwimm-WM im Wüstenreich von Bahrein, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten boykottiert werden oder werden sollten. Sie verdächtigen das Land, die IS-Dschihadisten finanziell zu unterstützen.

          Die Konflikte sind überall. Bach aber ist im vergangenen Jahr zur Wahl angetreten mit dem Vorsatz, die Olympischen Spiele den Athleten wiederzugeben. Dass er seine Empfehlungen mit Wortmeldungen in der Session im Februar und im Internet untermauerte und sie zuerst einer Auswahl von Spitzenathleten präsentierte, sollte diese Absichten lebendig machen. Dass er im Dezember in Monte Carlo, wo die Vollversammlung über seine Vorschläge abstimmen wird, viele Einzelteile aus seinem Reform-Puzzle herausbrechen wird, ist kaum zu erwarten. Der Applaus der Mitglieder ist ihm schon so gut wie gewiss. Doch viele rufen trotzdem Buh, wenn sie an die Welt-Sportpolitiker denken. Bach braucht einen Grund dafür nicht auszusprechen: Blatter heißt der Spielverderber.

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