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IOC-Präsidentschaftskandidat Bach : „Eine Vision wäre ein olympischer Fernsehkanal“

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„Wir müssen deutlicher machen, dass mehr als 90 Prozent unserer Einnahmen wieder in die Entwicklung des Sports fließen“: Thomas Bach Bild: dpa

IOC-Präsidentschaftskandidat Thomas Bach startet mit der Idee eines eigenen olympischen Fernsehsenders in die konkrete Wahlkampf-Phase. Er plant für den Fall seiner Wahl, die Sportarten nicht nur besser zu promoten, wie er im F.A.Z.-Interview verrät.

          Mit der Idee, einen eigenen olympischen Fernsehsender zu schaffen, startet IOC-Präsidentschaftskandidat Thomas Bach in die konkrete Wahlkampf-Phase. Ziel wäre es, die Präsenz der olympischen Sportarten auch in der vierjährigen Pause zwischen den Spielen zu verstärken. „Eine Vision wäre ein digitaler olympischer Fernsehkanal, der das weltweite Sportprogramm bündelt und dann ständig auf Sendung wäre“, sagte er in einem Interview, das an diesem Freitag (7. Juni) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erscheint.

          Dieses Vorhaben ist auch Teil von Bachs Wahlkampfprogramm unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“, das er kurz vor Meldeschluss am Donnerstag den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geschickt hat. Der 59 Jahre alte Anwalt aus Tauberbischofsheim, der bisher schon für das IOC die Vermarktung der europäischen Fernsehrechte an den Olympischen Spielen in der Hand hat, ist der Überzeugung, dass die Verbreitung des Sports wichtiger ist als die Optimierung des Gewinns.

          „Es ist nicht das einzige Ziel, viel Geld zu erlösen“, sagte er der F.A.Z., „sondern sie müssen darauf achten, dass die Spiele an möglichst viele Menschen herangebracht werden.“ Man könne die Spiele nicht reduzieren auf den finanziellen Erfolg. „Das ist für mich nur Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck“, sagte Bach. Angesichts der hohen Einnahmen des IOC – der Erlös wuchs in der abgeschlossenen Vier-Jahres-Periode auf 7,5 Milliarden Dollar – erklärte Bach: „Wir müssen deutlicher machen, dass mehr als 90 Prozent unserer Einnahmen wieder in die Entwicklung des Sports fließen.“

          Bach betonte, dass er nicht nur für Europa stehen möchte – bisher gab es unter den acht IOC-Präsidenten nur einen Nicht-Europäer. „Ich würde es gerne werden, weil ich ein IOC-Präsident für alle werden möchte.“ Auch bei der künftigen Vergabe Olympischer Spiele hofft er auf weitere Öffnung, auch in Richtung des olympisch noch unerschlossenen Kontinents: „Ich finde es prima, wenn Organisatoren aus allen Weltgegenden, hoffentlich auch bald aus Afrika, ihre Vorstellung von Sport, ihre Kultur weltweit präsentieren können.“

          „Die Jugendspiele müssen weiterentwickelt werden“

          Bach plant für den Fall seiner Wahl, die Sportarten nicht nur besser zu promoten. Er will mit Hilfe der Olympischen Jugendspiele mehr Experimente zulassen. „Die Jugendspiele müssen weiterentwickelt werden“, sagte der ehemalige Fechter. „Sie bieten ein gutes Potential, um neue Disziplinen, neue Sportarten, die durchaus mehr zeitgeistig sein können als bei Olympischen Spielen, einzuführen.“ In Frage kämen Klettern, Karate oder Rollschuhsport, also Sportarten, die es im letzten Versuch nicht ins Programm geschafft haben. Trotz aller Diskussionen rings um die Ringer, die sich um ihren eigenen Platz im Programm der Spiele bewerben dürfen, hält er die Programmreform des scheidenden Präsidenten Jacques Rogge für einen Erfolg.

          „Das Ziel war, überhaupt einmal in die Lage einer Abwägung zu kommen“, sagte Bach. „Eine Sportart heraus- und eine andere hereinzunehmen kann kein Selbstzweck sein.“ Auch die abgelehnten Sportarten hätten davon profitiert. „Wie sich die entwickeln, wie sie sich jugendgerechter und zeitgemäßer gemacht haben – das ist das Verdienst von Jacques Rogge.“ Jetzt müsse das Programm weiterentwickelt werden. „Mehr Flexibilität ergibt sich, wenn man den Blick von der Begrenzung der 28 Sportarten etwas weiter richtet, auf Disziplinen. Wichtig ist, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Das ist wie ein Puzzle. Sie müssen ein harmonisches Bild behalten zwischen Individual- und Mannschaftssportarten, zwischen Spiel- und Kampfsportarten.“

          Fünf Mitbewerber für Bach bei der Wahl im September

          Am 10. September wird Bach auf der 125. IOC-Vollversammlung in Buenos Aires gegen seine Mitbewerber Richard Carrión (Puerto Rico), Ng Ser Miang (Singapur), Denis Oswald (Schweiz), Wu Ching Kuo (Taiwan) und Sergej Bubka zur Wahl antreten. Dass der kuweitische Scheich Ahmad al Sabah, Präsident der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (Anoc) ihn unterstützt, wollte Bach nicht bestätigen. „Erstens dürfen nach den Regeln IOC-Mitglieder nicht öffentlich darlegen, für wen sie eintreten. Umgekehrt gilt das auch für die Kandidaten.“

          Bach bestritt, dass Scheich Ahmad, dessen Organisation in den vergangenen vier Jahren im Rahmen des IOC-Entwicklungshilfeprogramms Olympic Solidarity 435 Millionen Dollar an seine NOK verteilt hat, damit Einfluss ausüben könne. „Die Olympic Solidarity hat feste Regeln. Da wird kein Geld nach bloßem Gutdünken verteilt. Insoweit ist es sicherlich eine der Erfolgsgeschichten von Olympic Solidarity, dass – zumindest mir – nie ein Fall bekannt geworden ist, der Anlass zu irgendwelchen Zweifeln in Bezug auf Good Governance gegeben hätte.“

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