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Winterspiele in Pyeongchang : Spielt Nordkorea mit?

  • -Aktualisiert am

IOC-Präsident Thomas Bach nach einer Pressekonferenz in der Schweiz Bild: AP

Die Spannungen um Nordkorea sind ein brisantes Problem für das IOC vor Olympia 2018 in Pyeongchang. Kann IOC-Präsident Bach auf seiner Vermittlungsreise die praktische Umsetzung klären?

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          Was Thomas Bach vergangenen Donnerstag in einem etwa halbstündigen Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump besprochen hat, will er nicht sagen. Er wiederholte immer nur denselben Satz. „Er hat seine Unterstützung für die Olympiabewerbung von Los Angeles zum Ausdruck gebracht“, erklärte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Montagabend in Mannheim mehrmals. Und sonst? Kein Kommentar. Möglichen Gesprächsstoff gab es genug.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Zum Beispiel Trumps immer drohender werdende Reaktionen auf die Provokationen Nordkoreas. Jede neue Meldung über die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea muss den Sport zutiefst beunruhigen. Schließlich will das IOC nächstes Jahr im Februar in Pyeongchang, 80 Kilometer von der entmilitarisierten Zone entfernt, die Nord- und Südkorea trennt, seine Winterspiele abhalten. Und tatsächlich: „Es wäre schlichtweg fahrlässig, die politische Situation auf der koreanischen Halbinsel zu ignorieren“, antwortete Bach auf eine Frage der F.A.Z.

          Die Korea-Situation dürfte das brisanteste Problem sein, mit dem sich das IOC derzeit auseinandersetzen muss. An diesem Mittwoch wird Bach ins Flugzeug nach Korea steigen. Zweck der Reise ist es, den neuen, erst im Mai gewählten Präsidenten Moon Jae-in kennenzulernen, und mit ihm die politische Lage und die Rolle der Winterspiele darin zu erörtern. „Ich werde mir die Vorstellungen des Präsidenten anhören, der ja stark auf einen innerkoreanischen Dialog setzt.“ Sprich: Die Beteiligung Nordkoreas an den Winterspielen. Bach betont, dass dies als Beitrag verstanden werden solle, Athleten in aller Welt zu fördern.

          Mehr Beteiligung bedeutet weniger Aggression

          Der IOC-Präsident spricht es nicht aus, aber jedem leuchtet es ein: Je mehr Nordkorea an den Spielen beteiligt werden kann, desto geringer ist die Gefahr, dass eine Aggression die Olympischen Spiele treffen könnte. Bis dato ist allerdings noch nicht einmal klar, ob überhaupt eine nordkoreanische Abordnung zu den Winterspielen in Südkorea erscheinen wird.

          „Wir sprechen mit allen beteiligten Regierungen und Ländern, um ein vollständiges Bild zu bekommen“, sagte Bach. Vor zwei Wochen hat er deshalb in Lausanne eine nordkoreanische Delegation empfangen. Unter anderem ging es in den Gesprächen darum, eine nordkoreanische Wintersport-Mannschaft auf die Beine zu stellen.

          Noch hat sich kein Sportler aus der Volksrepublik für Pyeongchang qualifiziert. Wintersport hat dort keine Bedeutung. In Sotschi 2014 war kein Nordkoreaner am Start. Für 2018 liegt die letzte Hoffnung auf einem Eislauf-Paar, Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik, die im März in Helsinki an der Qualifikation scheiterten und im September bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf eine letzte Chance haben. Sie laufen unter anderem zu „A day in the life“ der Beatles.

          „Wir fördern eine Reihe von Athleten Nordkoreas“

          Das sportliche Problem ließe sich lösen. „Wir fördern eine Reihe vom Athleten Nordkoreas“, sagte Bach, der in Mannheim an einer Veranstaltung der „Wirtschaftsjunioren“ teilnahm, „auch um ihnen die Qualifikation zu erleichtern.

          Sollte das nicht der Fall sein, haben wir in der einen oder anderen Sportart die Möglichkeit, eine Einladung auszusprechen.“ Er sieht eine Reihe von Optionen für ein „Zeichen der Verständigung“. „Wir hatten ja schon einmal, 2000 in Sydney, den gemeinsamen Einmarsch der beiden koreanischen Mannschaften.“ Um das auszuhandeln, war Bach zum ersten und bisher letzten Mal nach Nordkorea gereist. Eine Wiederholung des gemeinsamen Auftritts, wie vom südkoreanischen Präsidenten angestrebt, hält Bach für denkbar.

          In Korea werden weitere Möglichkeiten erörtert. Etwa die Bildung eines gemeinsamen Teams im Frauen-Eishockey. Der Initiator, der südkoreanische Sportminister Do Jong-hwan, brachte außerdem die Idee ins Gespräch, Ski-Events nach Masikryong zu verlegen.

          Nordkorea weist alle Ideen zurück

          Der britische „Telegraph“ berichtete, in diesem, einer Eingebung des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un entsprungenen Resort, befänden sich zehn Pisten, eine Eisfläche, ein Schwimmbad und ein Luxushotel. Allerdings weist die nordkoreanische Seite bisher alle Ideen zurück. Chang Ung, das einzige nordkoreanische IOC- Mitglied, sagte am Rande der laufenden Taekwondo-WM in der südkoreanischen Stadt Muju, erst müssten die politischen Spannungen gelöst werden.

          „Es ist ein bisschen spät, um über eine gemeinsame Gastgeber-Rolle nachzudenken“, sagte der 78 Jahre alte Funktionär südkoreanischen Medien. „Es ist leicht, davon zu reden, aber es ist nicht leicht, die praktischen Probleme zu lösen.“ Was die Bildung eines gemeinsamen Eishockey-Teams angeht, griff er auf das Beispiel einer kombinierten Tischtennis-Mannschaft bei der WM 1991 zurück. „Wir haben 22 Gesprächsrunden gebraucht, es dauerte fünf Monate. Das ist die Realität.“ Die Olympischen Spiele, sagte Chang, sollten nicht für ein politisches Ziel benutzt werden.

          Die Trainerin des südkoreanischen Frauen-Teams ist Kanadierin, mehrere Spielerinnen aus Nordamerika wurden dafür aktiviert. Für eine Mannschafts-aufstellung nach politischem Proporz-Denken dürfte dort nicht viel Verständnis herrschen. Gut sieben Monate sind es noch bis Pyeongchang 2018. Der politische Druck dürfte noch zunehmen. Bach ist dabei, Gespräche im „konstruktiven Sinne“ zu führen. „Mit Südkorea. Und dann gegebenenfalls auch mit Nordkorea.“

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