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Thomas Bach im Gespräch : „Boykotte sind auch Diskriminierung“

IOC-Präsident Bach: „Das IOC und die olympischen Fachverbände haben auch eine Verantwortung gegenüber den Gastgebern“ Bild: AFP

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, trifft viele Staatsoberhäupter - darunter umstrittene. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Begegnungen mit Putin und Poroschenko sowie die Olympische Agenda 2020.

          7 Min.

          So wie Sie in der vergangenen Woche in Sotschi ist noch nie ein IOC-Präsident von einem Sportpolitiker angegangen worden. Marius Vizer, der Präsident der Vereinigung der Sport-Weltverbände Sportaccord, ließ in seiner Begrüßungsrede als Gastgeber der sportpolitischen Konferenzwoche kein gutes Haar in Ihrer Amtsführung. Was war denn da los?

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat, seine Willkommensansprache in dieser Form zu halten. Da ist alle Motivforschung aber auch überflüssig, weil schon sehr bald erkennbar geworden ist, dass er mit seiner Meinung ziemlich alleine dasteht.

          Was wird jetzt aus Herrn Vizer?

          Das ist kein Thema, das mich beschäftigt. Das IOC wird seine Politik fortsetzen, direkt mit den von uns anerkannten Verbänden zu sprechen, wenn es olympische Themen zu erörtern gibt. Da brauchen wir keine Zwischenstation, die sich hier einschalten will.

          Das heißt, Vizer wird nicht mehr gebraucht?

          Wir sprechen mit den Verbänden direkt.

          Sie haben in Sotschi auch den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin wiedergesehen und mit ihm ein Gespräch geführt. Worum ging es denn da?

          Es ging unter anderem um die Nachnutzung der Sportstätten in Sotschi nach den Winterspielen. Wir haben uns ausgetauscht, was an Positivem da ist und was noch gemacht werden kann.

          Sie haben in Ihrer Rede in Sotschi ja nicht nur Vizers Angriffe pariert. Sie haben auch bei den Verbänden dafür geworben, Veranstaltungen nach Sotschi zu vergeben. Wieso diese Parteinahme?

          Wir wollen die Nachhaltigkeit der Sportstätten sichern. Gerade im Bezug auf Sotschi ist hier viel Kritik geübt geworden, weil durch die politischen Umstände die Nachnutzung nach den Spielen nicht gerade erleichtert wurde. Als ich dort war, habe ich gesehen, wie gut es funktionieren kann. Ich war beim Federation Cup im Tennis und kurz danach auch bei der gleichzeitig stattfindenden Mixed-Weltmeisterschaft im Curling. Ich wollte eine Anregung geben, von diesen Sportstätten entsprechend Gebrauch zu machen.

          Ist das nicht eher der Versuch, ein olympisches Vermächtnis der 50-Milliarden-Dollar-Spiele nachzuliefern, das es auf natürliche Weise nicht gegeben hätte?

          Nein. Die Sportstätten sind ja zum Teil schon umgebaut worden im Zuge der vorher bestehenden Nachnutzungsplanung. In einer der Sportstätten, die jetzt als Veranstaltungshalle dient, findet zum Beispiel im Moment eine Eisshow statt, in anderen werden Konzerte gegeben, in einer dritten befindet sich nun ein Tennis-Leistungszentrum. Hier wird eine Planung umgesetzt, die dazu geführt hat, dass im Winter in Sotschi und in den Bergen kein Hotelzimmer frei war.

          Wobei die Wintersportverbände sehr zurückhaltend waren mit der Vergabe von hochklassigen Wettkämpfen.

          Es ist ein gemischtes Bild. Es hat Weltcups im Bob und Rodeln und jetzt eine WM im Curling gegeben. Was fehlt, ist Biathlon beispielsweise oder Eisschnelllauf, auch die wollte ich ermutigen.

          Sie helfen halt ein bisschen nach, um Ihr eigenes Reformwerk „Olympische Agenda 2020“ mit Leben zu erfüllen?

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