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IOC-Chef Thomas Bach : Sportler vor Lukaschenka schützen

Vorbereitungen auf die „Post-Corona-Welt“: Thomas Bach schaut mit Zuversicht auf die Spiele in Tokio. Bild: AP

Die IOC-Exekutive spendiert Thomas Bach eine glanzvolle Wahlsession. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass niemand den Präsidenten um dessen Aufgaben beneidet.

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          Prachtentfaltung muss sein, auch in Zeiten der Pandemie: Wenn die Virus-Lage es erlaubt, wird Thomas Bach im März nächsten Jahres bei einer eigenen Vollversammlung am historischen Ort für vier weitere Jahre zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt. So beschloss es die Exekutive am Mittwoch, Bach verließ während dieser Abstimmung den Raum. Die 137. Session in Athen vom 7. bis 9. März ist diesem Akt gewidmet – im Juli, vor den Olympischen Sommerspielen in Tokio, werden auf einer weiteren Session zum Beispiel die Wahlen der neuen Exekutivmitglieder abgehalten.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Sollte jemand es wider Erwarten wagen, eine Gegenkandidatur anzumelden, so müsste er es bereits bis zum 30. November und nicht wie sonst üblich drei Monate vor der Wahl tun. Aber damit rechnet niemand. Dazu sitzt Bach zu fest im Sattel. Einmal davon abgesehen, dass ihn um die aktuellen Probleme niemand beneidet. Neu hinzugekommen ist die massive Sorge um Sportler in Belarus, die gegen die Wahlmanipulation durch Präsident Alexander Lukaschenka protestieren. Ein der Autonomie des Sports zuwiderlaufender und trotzdem geduldeter Missstand rächt sich jetzt: Lukaschenka ist gleichzeitig Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK).

          Bereit für eine Zeit nach Corona

          Vielleicht war es der Gedanke an den in Aussicht stehenden Akt des Personenkults, der Bach bei der virtuellen Pressekonferenz am Mittwochabend trotzdem so viel gute Laune ausstrahlen ließ. Auch sind die Zweifel, dass die auf 2021 verschobenen Spiele in Tokio stattfinden können, kleiner geworden. Bach sprach von großer Zuversicht. „Wir arbeiten auf der Grundlage, dass auch internationale Zuschauer vor Ort sein können“, sagte er: „Wir wissen nur nicht, ob wir die Stadien ganz werden füllen können.“ Man könne nicht spekulieren, was in zehn Monaten sei. Aber andere Großereignisse und Ligen, die inzwischen auch in Japan wieder mit Zuschauern spielten, gäben Anlass zu Optimismus. Bach betonte mehrmals, das IOC sei zuversichtlich, dass Schnelltests und Impfstoffe nächsten Sommer zu den Instrumenten im „Werkzeugkasten“ gehören würden, aus dem man sich bedienen werde, um sichere Spiele auszutragen. Es habe große Fortschritte im Bemühen gegeben, die Spiele „fit zu machen für die Post-Corona-Welt“.

          Insgesamt, so erklärte Bach übereinstimmend mit dem japanischen Organisationskomitee, brächten die mehr als 50 Maßnahmen zur Abmilderung der finanziellen Folgen wegen der Verschiebung Einsparungen von 280 Millionen Dollar (240 Millionen Euro). Man spare an den „Nice-to-Haves“ und konzentriere sich aufs Wesentliche. Auch der japanische Selbstdarstellungs-Teil bei der Eröffnungsfeier könnte vereinfacht werden. Wie viel die Verlegung der Spiele kostet, ist noch nicht bekannt.

          „Ein essentieller Wert der olympischen Bewegung“

          Ein Brief belarussischer Athleten hat das IOC so sehr alarmiert, dass Bach am Mittwoch Konsequenzen androhte, sollte eine IOC-Untersuchung ergeben, dass Sportler aufgrund ihrer politischen Äußerungen diskriminiert würden. In der vergangenen Woche soll die Basketballspielerin Jelena Leutschanka wegen Protesten gegen Lukaschenka für 15 Tage inhaftiert worden sein. Die Sportler beklagen massiven psychischen und physischen Druck auf unliebsame Athleten, Ausschluss von Wettkämpfen und Mannschaften, Verhaftung und Folter. „Nicht-Diskriminierung ist ein essentieller Wert der olympischen Bewegung“, sagte Bach.

          Das IOC habe das Mandat, die Sportler zu beschützen. „Ich denke, die olympische Charta ist sehr klar: Ein NOK muss regelkonform sein. Im Falle einer Verletzung der Charta wird das IOC die Maßnahmen und Sanktionen ergreifen, die in der Charta vorgesehen sind.“ Damit steht sogar die Drohung im Raum, Belarus von den Olympischen Spielen auszuschließen und die Athleten unter neutraler Flagge starten zu lassen. „Athleten Deutschland“, die Interessenvertretung der deutschen Sportler, begrüßte die Untersuchung des IOC in einer Mitteilung.

          Harsche Worte fand Bach auch für die Weltverbände im Gewichtheben und im Boxen , die beide wegen katastrophaler Amtsführung unter Druck stehen. Sollten die Gewichtheber keine Fortschritte auf dem Weg zur Neuorganisation machen, werde man ihren Platz im olympischen Programm überprüfen. Dem Box-Weltverband ist die Aufsicht über die Wettkämpfe in Tokio bereits entzogen worden.

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