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IOC-Präsident : Bach für Olympia-Reformen

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„Prinzipiell macht es keinen Unterschied, ob wir bei den Sommerspielen 302 oder 305 Entscheidungen haben“: IOC-Präsident Thomas Bach Bild: dpa

Thomas Bach hat Großes vor. Der neue IOC-Präsident will Olympia reformieren und kämpft um Unterstützung. Das Programm soll modernisiert und der Kreis möglicher Olympia-Ausrichter deutlich erweitert werden.

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          IOC-Präsident Thomas Bach will die Olympischen Spiele reformieren. Dem 59 Jahre alten Juristen schwebt vor, das Programm der Sommerspiele zu modernisieren, potenziellen Olympia-Gastgebern mehr Mitbestimmungsrecht einzuräumen und den gesamten Bewerbungsprozess zu überholen.

          „Das wird nicht einfach, aber es lohnt sich, da sich die Welt verändert hat und wir dem Rechnung tragen müssen“, sagte der neue Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der Zeitung „L’Équipe“ (Dienstag). Bach kämpft derzeit um größtmögliche Unterstützung für seine Pläne. Ziel sei es, Olympia auf allen Kontinenten austragen zu können. Zudem sei mehr Flexibilität im olympischen Programm nötig.

          „Prinzipiell macht es keinen Unterschied, ob wir bei den Sommerspielen 302 oder 305 Entscheidungen haben. Wir könnten neue Disziplinen oder neue Sportarten addieren“, sagte der Ober-Olympier aus Tauberbischofsheim, „wir brauchen mehr Flexibilität im olympischen Programm, um anderen Sportarten die Möglichkeit zu geben, sich zu integrieren.“ Die groß angekündigte Programm-Modernisierung seines Vorgängers Jacques Rogge war krachend gescheitert. Nur die Sportarten Rugby und Golf hatten es in der zwölfjährigen Amtszeit des Belgiers neu ins Programm der Sommerspiele geschafft.

          „Das Programm muss im Gleichgewicht zwischen Tradition und Fortschritt sein. Vielleicht ist momentan die Zeit des Fortschritts gekommen. Für die Winterspiele haben wir dies schon geschafft, für die Sommerspiele noch nicht“, räumte Bach ein. Durch ein Streichen gewisser Disziplinen könnte Raum für die Aufnahme neuer Sportarten entstehen. Nur die Grenze von maximal 10 500 Athleten bei Olympia dürfe nicht überschritten werden. Bei seinem Besuch in Tokio, dem Gastgeber der Spiele 2020, hatte er vor ein paar Wochen den Japanern eine Olympia-Rückkehr des dortigen Volkssports Baseball in Aussicht gestellt.

          „Wir sind eine globale Organisation“

          Völlig verändern will Bach auch die Bewerbungsprozedur um Olympische Spiele. „Der Prozess muss offener sein. Wir verlangen zu viel und wir verlangen zu viel zu früh“, sagte er der „L’Équipe“. Sämtliche Kandidatenstädte sollen deutlich stärker eingebunden werden. Interessierte Bewerber müssten gefragt werden, „wie sie sich denn die Spiele in ihrem Umfeld vorstellen. Wie die Spiele bei der Entwicklung ihrer Stadt, ihrer Region und ihres Landes weiterhelfen könnten.“

          Derzeit ist der Kreis möglicher Ausrichter seiner Meinung nach zu klein. „Wir sind eine globale Organisation. Wir wollen nicht nur Athleten aus allen Ländern, sondern auch die Spiele - wenn möglich - auf allen Kontinenten austragen und nicht nur in knapp 30 Ländern“, meinte Bach und machte sich in dem Interview gleich für eine erneute Olympia-Kandidatur von Paris - diesmal um die Spiele 2024 - stark. Frankreichs Hauptstadt, beim Rennen um die Spiele 2012 knapp an London gescheitert, habe alle Chancen.

          Am kommenden Dienstag wird in Lausanne die IOC-Exekutive erstmals unter Bachs Leitung tagen. Im Anschluss will der IOC-Chef mit den Spitzenfunktionären der Ringe-Organisation in eine dreitägige Klausur gehen und in Montreux sein Reformvorhaben weiter vorantreiben.

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