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IOC-Exekutivmitglied Oswald : „Wir sind keine politische Organisation“

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Kompetenzzentrum des IOC: Oswald und Präsident Rogge Bild: dapd

IOC-Exekutivmitglied Denis Oswald betont im Gespräch mit der F.A.Z. die Selbstbestimmung des Sports, nicht dessen Unabhängigkeit: „Man kann keine Olympischen Spiele veranstalten ohne Unterstützung des Staates.“

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          Der Schweizer Denis Oswald ist eines der Schwergewichte der Sportpolitik. Zusammen mit Thomas Bach bildet er seit Jahren das juristische Kompetenzzentrum des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Als Ruderer hat der Neuchateller an drei Olympischen Spielen teilgenommen, die Hausmacht des Rechtsanwalts ist der Internationale Ruderverband, dessen Präsident er seit 1989 ist.

          Der 65 Jahre alte Jurist baut in letzter Zeit seine sportpolitischen Tätigkeiten sukzessive ab. Viele meinen, damit er nächstes Jahr unbelastet für das Amt des IOC-Präsidenten kandidieren kann. Im Interview mit der F.A.Z. (Samstagausgabe) deutet er Ambitionen an. Bis zum Ende der Olympischen Spiele in London, die er als Koordinator des IOC eng begleitet, will er sich jedoch nicht konkreter äußern. „Es wird der Tag kommen, an dem ich mir überlegen muss, ob ja oder nein, aber es ist noch ein bisschen zu früh. (…) Vorläufig kommen die Spiele in London, danach kann ich daran denken. Ich brauche nur einen Tag zum Nachdenken.

          Thomas Bach sieht er als „guten Kandidaten“ an. „Er hat sehr viel Erfahrung in verschiedenen Rollen. Sein juristischer Hintergrund ist ein Vorteil. Er versteht sehr viel von Sport, hat Erfahrungen als Sportler.“

          Ausführlich nimmt Oswald Stellung zur vom IOC propagierten Trennung zwischen Sport und Politik. „Wir sind keine politische Organisation. Wir möchten, dass die Regierungen unsere Autonomie akzeptieren, und umgekehrt mischen wir uns auch nicht ein. Man sollte das trennen, so viel wie möglich.“ Aber er schränkt ein: „Man kann keine Olympischen Spiele veranstalten ohne Unterstützung des Staates. Darum kann man auch nicht sagen, Herr Obama, Herr Blair, Sie dürfen nicht kommen, aber helfen Sie uns, die Spiele zu veranstalten. Lassen Sie mich noch einmal betonen: Wir sprechen stets von Autonomie im Sinne von Selbstbestimmung, nicht von Unabhängigkeit. Viele NOK bekommen Geld vom Staat, und sie brauchen dieses Geld. Sie können also nicht wirklich unabhängig sein. Immer wieder taucht aber das Problem auf, dass Regierungen entscheiden wollen, wer Präsident eines Verbandes wird. Da bestehen wir auf unserem Selbstbestimmungsrecht.“

          Viele Städte brauchen zwei Versuche

          Den Menschenrechtsstandard eines Landes in die technische Beurteilung einer Olympia-Bewerbung aufzunehmen, etwa so wie Finanzen oder Sportstätten, hält Oswald für „eine Möglichkeit“. Aber man laufe bei solchen Überlegungen Gefahr, „sofort in politische Bereiche zu geraten. Wenn wir die Spiele nach China vergeben, heißt das ja nicht, dass wir mit allem einverstanden sind, was China macht“.

          Klar spricht sich Oswald dafür aus, dass München sich ein weiteres Mal Olympische Winterspiele bewirbt, trotz des Scheiterns für 2018. „Die Erfahrung zeigt, dass viele Städte zwei Versuche brauchen, bis sie gewinnen. Vielleicht war es nicht das richtige Jahr für München. Die Koreaner hatten es bereits zweimal probiert, man hatte immer wieder neue Dinge von ihnen verlangt und sie haben alles gemacht. Danach kann man nicht mehr nein sagen - was hätten sie denn noch alles tun sollen? Die Umstände waren ungünstig, darum würde ich sagen: Ja, München sollte es noch einmal versuchen.“

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