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Ärger um Olympische Spiele : Tokio 2020 am Pranger: Gekaufte Spiele?

IOC-Präsident Thomas Bach (links) und Japans NOK-Präsident Tsunekazu Takeda. Bild: AP

Der Korruptionsverdacht gegen Tokio ist wieder da. Was hatte es mit den Geldern rund um die Vergabe von Olympia 2020 auf sich? Frankreich ermittelt wegen aktiver Bestechung.

          Der Korruptionsverdacht gegen Tokio ist wieder da. Laut einem Bericht der Tageszeitung „Le Monde“ hat die französische Justiz im Zuge ihrer Ermittlungen gegen den einstigen Leichtathletik-Präsidenten Lamine Diack und dessen Sohn Papa Massata Diack im Dezember ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen aktiver Bestechung gegen Tsunekazu Takeda eingeleitet, den Kopf der Olympischen Sommerspiele des nächsten Jahres in Tokio. Der Jurist und Reiter Takeda gehört einem Zweig der kaiserlichen Familie an, ist Präsident des japanischen Olympischen Komitees und, dank einer Ausnahme von der Altersgrenze, mit 71 Jahren immer noch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Seine Bedeutung dort zeigt sich auch in der Berufung zum Vorsitzenden der Marketing-Kommission 2014. Takeda war Präsident des Bewerbungskomitees für die Spiele 2020 und ist Vizepräsident des Organisationskomitees.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In zwei Tranchen soll Tokio umgerechnet 1,8 Millionen Euro dafür gezahlt haben, dass afrikanische Mitglieder des IOC bei der Vergabe der Sommerspiele 2020 auf der IOC-Session 2013 in Buenos Aires für Tokio stimmten. Das Geld soll über einen Mittelsmann an Papa Massata Diack gegangen sein. Die Zahlungen an den Mann aus Senegal, für den ein internationaler Haftbefehl ausgestellt ist, sind unstrittig. Takeda sagt, er habe sie auf Drängen des Generalsekretärs der Bewerbungsgesellschaft veranlasst und dafür Dossiers mit konkreten und wertvollen Hinweisen erhalten, die auch bei künftigen Bewerbungen dienlich sein könnten.

          Bestechung sei undenkbar, sagte Takeda laut der Nachrichtenagentur Kyodo News zu den Vorwürfen. Er bestreitet, nicht allein die Korruption, sondern auch die Tatsache, dass gegen ihn ermittelt werde. Er unterliege keinerlei Restriktionen und habe von den Ermittlern, mit denen er zusammenarbeite, nichts gehört. Der Jurist Takeda ist väterlicherseits ein Urenkel von Kaiser Meiji, der 45 Jahre lang bis 1912 regierte. Bei den Olympischen Spielen von München 1972 und von Montreal 1976 nahm er am Springreiten teil, bei fünf weiteren Spielen war er entweder Trainer oder Chef de Mission des japanischen Teams. Er gehörte dem Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele von Nagano 1998 an und war Vizepräsident des Reiter-Weltverbandes. Laut „Le Monde“ wurde er zum ersten Mal im Februar 2017 von französischen Ermittlern in Tokio vernommen. Die jüngste Befragung „einer japanischen Persönlichkeit ersten Ranges“ soll demnach am 10. Dezember erfolgt sein.

          Das IOC teilte am Freitag mit, dass seine Ethik-Kommission einen Fall in dieser Sache eröffnet habe und noch am selben Tag zusammentreten werde. Es wies darauf hin, dass es als „partie civile“ an dem Verfahren in Frankreich beteiligt sei. Für Takeda gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Das IOC wies auch darauf hin, dass die Vorwürfe sich auf Vorgänge bezögen, die vor den jüngsten Reformen liegen und Herr Diack keine Position mehr im IOC halte. Die Agenda 2020 habe den Ethik-Code des IOC verstärkt und eine Liste eingeführt, von der allein Städte, die Olympia-Kandidaten sind, Berater wählen dürfen.

          Lamine Diack, 85 Jahre alt, steht seit drei Jahren in Frankreich unter Hausarrest. Am 1. November 2015 war er am Sitz des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) in Monaco verhaftet worden, wenige Tage nachdem seine vierte Amtszeit als Präsident des Verbandes zu Ende gegangen und Sebastian Coe zu seinem Nachfolger gewählt worden war. Seitdem ermittelt der Pariser Ermittlungsrichter Arnaud Van Ruymbeke in der Sache. Anklage ist immer noch nicht erhoben. Diack, ehemaliger Bürgermeister von Dakar und Präsidentschaftskandidat in Senegal, beherrschte die IAAF wie ein Autokrat. Sechzehn Jahre lang war er in Nachfolge des Italiener Primo Nebiolo IAAF-Präsident und IOC-Mitglied. In dieser Zeit soll er gedopte Athleten erpresst, Geld gewaschen und Stimmenkauf in seinem Verband und im IOC organisiert haben. Am Verbandssitz Monaco waren ständig ein Appartement in einem Luxushotel sowie ein Auto mit Chauffeur für ihn reserviert.

          Das im Zuge der Ermittlungen bekannt gewordene Konto eines Strohmannes in Singapur unter dem Namen Black Tidings wurde auch für die Zahlungen von erpressten russischen Athleten genutzt. Papa Massata Diack hält sich in Senegal auf und ist für die Justiz nicht zu erreichen. IOC-Präsident Thomas Bach habe, ließ das IOC am Freitag wissen, an den Präsidenten des Landes, Macky Sall, geschrieben und die Zusage zur Zusammenarbeit erhalten.

          Auch vor der Wahl von Rio de Janeiro als Olympiastadt 2016 soll ein Millionenbetrag an Diack geflossen sein. 2017 wurde bekannt, dass IOC-Mitglied Frankie Fredericks, ehemaliger Sprinter aus Namibia, von der Marketingagentur, Papa Massata Diack, Pamozdi in Dakar, nach der für Rio siegreichen Abstimmung über eine Briefkastenfirma 300.000 Dollar erhielt. Fredericks macht geltend, er habe dafür Beratungsleistung erbracht.

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