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IOC-Chef Bach in Tokio : Allein im Olympiastadion

Einzelkämpfer für Olympia: Thomas Bach in Tokio. Bild: Patrick Welter

Wie einst Beckenbauer in Rom wandelt Bach in Tokio sinnierend durchs Olympiastadion. Im Unterschied zum Kaiser hat der IOC-Chef das Ziel aber noch vor sich – und spontan war der Gang auch nicht.

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          Als Deutschland 1990 Fußballweltmeister geworden war, wanderte Teamchef Franz Beckenbauer über den Rasen des Olympiastadions in Rom, sinnierend über das Leben und die Welt. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, nahm sich am Dienstag eine ähnliche Auszeit. Im neuen Nationalen Stadion in Tokio wanderte Bach alleine die Laufbahn entlang, blickte die Ränge hoch, staunte.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im Unterschied zu Beckenbauer hat Bach das Ziel indes noch vor sich. Die Olympischen Spiele in Tokio sind auf 2021 verschoben, trotz aller Zuversicht bleibt ein Restrisiko, dass Corona auch dann einen Strich durch die Rechnung macht. Anders als Beckenbauers Nachdenkminuten war Bachs Auftritt auch nicht spontan, sondern als Fotogelegenheit straff durchorganisiert. „Es ist sehr emotional“, sagte Bach anschließend. „Stellen Sie sich vor, in neun Monaten kommen sie durch dieses Tor, und es wird dann ein echtes Olympiastadion sein.“

          Bach lobte die „sehr authentische japanische Architektur des Stadions“, das Stararchitekt Kengo Kuma entworfen hat, das japanische Kritiker aber als „Hamburger“ verspotten. „Ich bin froh, dass dieses Stadion gebaut wurde und nicht das weniger japanische“, sagte Bach. „Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen des Designs.“ Das war ein sehr un-japanisches verbales Foul gegen die verstorbene irakisch-britische Architektin Zaha Hadid, deren bombastischen Stadionneubau Japans Regierung wegen drastischer Kostensteigerungen kurzfristig zugunsten Kumas gekippt hatte. Kumas einfache Architektur, die Bach so lobte, besteht in der Kunst des Weglassens. Japaner beherrschen diese Kunst auch verbal.

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