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Interview mit Peter Danckert : „Ein Antidoping-Gesetz ist absolut notwendig“

  • Aktualisiert am

Warnt vor Scheitern der Sport-Fusion: Peter Danckert Bild: picture-alliance / dpa

Peter Danckert (SPD) ist am Mittwoch zum Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag gewählt worden. Mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht der 65jährige über die Sport-Fusion und die Hoffnung auf bessere Umgangsformen.

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          Peter Danckert (SPD) ist am Mittwoch zum Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag gewählt worden. Der 65 Jahre alte promovierte Jurist arbeitet seit 1968 als Anwalt in Berlin. Das Gremium wurde von 15 auf 13 Mitglieder reduziert. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warnt er unter anderem vor dem Scheitern der Fusion zwischen Deutschen Sport Bund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) und hofft auf bessere Umgangsformen in der Zusammenarbeit unter dem neuen Sportminister Schäuble.

          Was erwarten Sie vom Sport?

          Der Sport muß sich erst mal sehr schnell auf die Fusion einigen. Es darf keine weiteren Störungen geben. Wenn das nicht gelingt, wäre das ein Schritt zurück ins letzte Jahrhundert. Dann müßte das Parlament neu nachdenken.

          Was meinen Sie damit?

          Dazu will ich mich jetzt nicht äußern. Ich kann dem organisierten Sport nur dringend empfehlen, sich zu verständigen. Der Sport muß die Zeichen der Zeit erkennen. Da bin ich mit dem neuen Sportminister und auch mit dem alten einig: Da darf nichts schiefgehen. Alles andere (als eine Fusion) kann das Parlament nicht akzeptieren.

          In den vergangenen Jahren stimmten SPD-Politiker im Sportausschuß für ein Antidoping-Gesetz, das unter anderem schon den Besitz von Dopingmitteln unter Strafe stellt. Parteifreund und Minister Schily lehnte im Schulterschluß mit dem Sport ein solches Gesetz erfolgreich ab. Wie ist Ihre Haltung?

          Ich persönlich bin der Meinung, daß ein Antidoping-Gesetz absolut notwendig ist. Die Ereignisse der letzten Monate und Jahre haben bewiesen, daß es (mit den bisher möglichen Maßnahmen) nicht gelingt, die Sündenfälle im Interesse eines fairen Sports einzudämmen.

          Das sagt ein Jurist, der um das Selbstverstümmelungsrecht der Bürger weiß?

          Das gilt nicht, wenn er an einem Wettbewerb teilnimmt, an ausgeschriebenen Veranstaltungen wie Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften. Jeder Mensch hat das Recht, sich zu schädigen, von mir aus bis zum Selbstmord. Aber nicht in diesem Rahmen. Darüber hinaus bin ich der Ansicht, daß wir auf diesem Gebiet noch mehr arbeiten, mehr forschen müssen, um zum Beispiel die Defizite in der Analysetechnik zu beseitigen.

          Soll ein Antidopinggesetz in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden?

          Dafür werbe ich. Aber ich will das mit dem Sport machen, ich will Überzeugungsarbeit leisten und den Sport mit ins Boot nehmen.

          Sie glauben, der Sport, der sich am liebsten selbst kontrolliert, wird einer Kontrolle durch Staatsanwälte zustimmen?

          Ich unterstelle, daß er sehr stark daran interessiert sein muß. Allerdings sind einzelne Sportarten sehr zögerlich. Offensichtlich bestehen da Bündnisse, die nicht richtig transparent gemacht worden sind.

          Zur Zeit klagt ein Dopingopfer der DDR gegen das bundesdeutsche NOK als Erbe der entsprechenden DDR-Organisation auf Schadensersatz. Halten Sie die Klage für berechtigt?

          Ich glaube, daß die Klage von Dopingopfern neben dem, was wir als Gesetzgeber gemacht haben, ihre Berechtigung hat. Ich wünsche mir, daß sich alle Beteiligten möglichst rasch einigen. Der finanzielle Rahmen ist überschaubar, es geht um ein bis zwei Millionen Euro. Die Beteiligten sollten sich an einen Tisch setzen. Das Parlament würde die Moderation übernehmen, wenn dies gewünscht würde.

          Im Schatten der großen Ereignisse in Deutschland 2006 mit der Fußball-WM entwickeln sich massive Probleme. Was kann der Sportausschuß gegen den zunehmenden Verfall der Sportstätten tun?

          Ich bin froh, daß in der Koalitionsvereinbarung der Goldene Plan Ost (Sanierungsprogramm für Sportstätten) festgeschrieben ist, und zwar nicht nur für 2006, sondern für die gesamte Legislaturperiode. Ich werde mit meinen Kollegen aber auch prüfen, ob es ein gesamtdeutsches Sportstätten-Förderprogramm geben kann. Das gäbe den Vereinen die Chance zu einer Entwicklung. Das Geld darf nicht nur für eine Sportstätte ausgegeben werden, sondern muß in Zehntausende von kleinen Einrichtungen investiert werden.

          Werden Sie den Bürgern auch erklären, daß der Sport für alle zweimal die Woche in einer geheizten Halle seinen Preis hat, und zwar einen weit höheren als bisher?

          Ich denke, daß es eine wie auch immer geartete Beteiligung, sei es über den Vereinsbeitrag oder über eine konkrete Nutzungsabgabe, geben wird. Alles andere ist angesichts der Heizkosten, der Erneuerungs- oder Instandhaltungskosten nicht mehr anders darzustellen.

          Sie sehen den Sportausschuß als Mitgestalter der Sportlandschaft?

          Es geht das Gerücht um, der neue Sportminister (Wolfgang Schäuble/CDU) werde bei der Zusammenarbeit mit dem Parlament über das hinausgehen, was wir gewohnt sind. Er saß als junger Abgeordneter selbst drei Wahlperioden lang im Sportausschuß. Er hat das Verständnis für die Anliegen der Parlamentarier und wird wohl auch mit uns darüber diskutieren, wie und wo die Mittel für den Sport ausgegeben werden.

          Sie meinen, unter Schäuble könnte es mehr Demokratie geben als unter seinem Amtsvorgänger Otto Schily?

          Ja, einen gesunden Parlamentarismus. Wir sind für eine Übergangszeit die Vertreter der Bürger, die uns gewählt haben, ihre Interessen zu vertreten. Schily war in gewisser Weise auch ein Glücksfall. Der Kontakt des Sportausschusses zu den Sportführern Manfred von Richthofen (DSB) und Klaus Steinbach (NOK) war ausgezeichnet. Aber bei der Unterstützung des Parlaments erwarte ich eine Verbesserung.

          Also mehr Einfluß für den Sportausschuß?

          Ja, mehr Einfluß, den man sich allerdings auch durch Öffentlichkeitsarbeit erwerben muß.

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