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Streit in der DOG : „Darauf gehe ich jetzt gar nicht mehr ein“

An ihm scheiden sich die Geister: DOG-Präsident Peter von Löbbecke Bild: Kien Hoang Le

Rücktritte, fristlose Kündigungen, ein umstrittener Präsident. Interne Konflikte gefährden die Zukunft der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Wie konnte es dazu kommen?

          Gegen Ende des Gesprächs blickt Peter von Löbbecke schräg zur Seite und murmelt einen kurzen Reim in die Luft: „Lassen wir die Vergangenheit ruh’n, um in der Zukunft Gutes zu tun.“ Von Löbbecke, 76 Jahre alt, ist in seinem Leben viel herumgekommen. Einst war er Chef der Dortmunder Westfalenhalle und Marketingchef der Frankfurter Messe. Zuletzt arbeitete er als Geschäftsführer des Berliner Olympiastadions. Seit mehr als vier Jahren aber steht er einer Organisation vor, die so gut wie niemand kennt und die Übrigen für tot erklären; der Deutschen Olympischen Gesellschaft, DOG e.V. Sie hat in den vergangenen Monaten heftige interne Konflikte ausgetragen und steckt in einem großen Umbruch. Ein Umbruch, der nicht scheitern darf, falls der Verein überleben will. Zumal der Sport es dringend nötig hat, aus den eigenen Reihen den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Die Verantwortung dafür trägt von Löbbecke. Doch ist er der richtige Präsident für diese Aufgabe? Seine Gegner sagen: Nein.

          Selbst wer die Deutsche Olympische Gesellschaft nicht kennt, könnte von ihr profitiert haben. Mit dem sogenannten Goldenen Plan trug sie maßgeblich zum Sportstättenbau in der Bundesrepublik der sechziger Jahre bei. Unter anderem entstanden Tausende Sporthallen und Hunderte Hallen- und Freibäder. Deutschland sah sich als Weltmeister im Sportstättenbau. Die 1951 in Frankfurt gegründete Organisation hatte auch dazu beigetragen, Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf Olympianiveau zu heben. Mit einer Spendenkampagne ermöglichte sie es einer deutschen Auswahl, 1952 zu den Olympischen Spielen nach Helsinki zu reisen. Doch schon Ende der sechziger Jahre nahm sich die Stiftung Deutsche Sporthilfe an ihrer Stelle der Förderung des Spitzensports an. Die DOG verlor an Bedeutung. Zu ihrer Blütezeit gehörten ihr mehr als 7000 Mitglieder in mehr als 100 Zweigstellen an. Heute existieren nach Angaben der DOG noch 37 Zweigstellen mit etwa 3000 Mitgliedern. Tendenz fallend. Aber noch immer sieht sie sich als „gutes Gewissen des Sports“. Sie will den olympischen Gedanken, Werte wie Fair Play verbreiten. Aber was tut sie dafür, wer hört sie noch? Falls die Deutsche Olympische Gesellschaft jemals ein Elefant war, dann ist sie jetzt nicht mal mehr eine Mücke.

          Es hat dreimal gekracht

          In den vergangenen anderthalb Jahren hat es in der geschrumpften Gesellschaft dreimal gekracht. „Schnee von gestern“, behauptet der Präsident. Aber die drei Konflikte haben die Gesellschaft gespalten. Den ersten Knall gab es auf einer Mitgliederversammlung im Herbst 2017. Damals kam es zum Bruch zwischen dem Präsidium und den Herausgebern sowie dem Chefredakteur der vereinseigenen Zeitschrift, dem angesehenen „Olympischen Feuer“. Das Magazin setzte sich differenziert mit den Problemen des Sports auseinander, scheute sich nicht vor harter Kritik auch am Deutschen Olympischen Sportbund. „Peter von Löbbecke hat nie begriffen, dass das ,Olympische Feuer‘ das einzige Medium ist, das die DOG ins Gespräch gebracht hat“, sagt der 78 Jahre alte Harald Pieper, bis zum Eklat auf der Mitgliederversammlung Chefredakteur. Seine Forderung, das Magazin möge weiter viermal im Jahr erscheinen, wurde abgelehnt, aus finanziellen Gründen, wie es hieß. Daraufhin traten die Herausgeber zurück. Und Harald Pieper? „Ich habe die fristlose Kündigung vor den Latz geknallt bekommen.“

          Der zweite Konflikt folgte im September des vergangenen Jahres – per Mail. In einem Schreiben an die Zweigstellen erklärte Christian Tröger seinen Rücktritt, dazu den des Kollegen Christoph Meyer. Damit zogen sich zwei von fünf Vizepräsidenten zurück. „Ein Präsident, der weder für seine Mitglieder noch für sein Präsidium da ist – mit dem ist kein Staat zu machen“, heißt es in dem Papier. Nach dem Rücktritt des Olympia-Teilnehmers von 1992 in Barcelona und Atlanta 1996 im Schwimmen fehlt es im Präsidium an früheren Olympia-Teilnehmern. „Es gab zu viele Alleingänge des Präsidenten“, sagte der neunundvierzigjährige Tröger dieser Zeitung: „Peter von Löbbecke empfindet es so, dass man entweder für oder gegen ihn ist. Dazwischen scheint in seiner Wahrnehmung wenig Raum.“ Mit dieser Sicht stehe er nicht allein da: „Im Präsidium sagen einige hinter vorgehaltener Hand über den Präsidenten: Damit die DOG nicht auseinanderbricht, schluck ich die Kröte.“

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