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Rassismus in Italiens Fußball : „Dinge, die nie passieren dürften“

  • Aktualisiert am

Romelu Lukaku: „Ich glaube, dass wir Spieler uns zusammenschließen und eine Erklärung zu diesem Thema machen sollten.“ Bild: EPA

Inter Mailands Stürmer Romelu Lukaku ist Opfer einer rassistischen Attacke geworden. Die Ausfälle der Fans von Cagliari Calcio sind kein Einzelfall. Nicht zuletzt, weil Fremdenhass zuletzt offen propagiert wurde.

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          Romelu Lukaku starrte mit finsterem Blick in die gegnerische Fankurve, versteinert für einen Moment des Zorns, bevor ihn seine Mitspieler in ihrer Jubeltraube begruben. Unmittelbar vor seinem Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer bei Cagliari Calcio war der belgische Starstürmer von Inter Mailand Opfer einer rassistischen Attacke geworden. Fans der Gastgeber hatten den dunkelhäutigen Angreifer mit Affenlauten bedacht - kein Einzelfall in der Serie A.

          Denn der italienische Fußball wird immer wieder von rassistischen Vorfällen erschüttert. Und gerade Cagliaris Anhänger sind dabei bereits mehrfach negativ aufgefallen. Im April hatten Fans der Sarden an gleicher Stelle den damals für Juventus Turin spielenden dunkelhäutigen Stürmer Moise Kean nach einem Tor ebenfalls mit Affenlauten belegt. Auch der Franzose Blaise Matuidi war in Sardiniens Hauptstadt schon Opfer von rassistischen Aktionen geworden.

          Lukaku veröffentlichte am Montag in den sozialen Netzwerken einen Appell gegen Diskriminierung in jeder Form. „Fußball ist ein Spiel, das jedem Freude machen soll“, schrieb er: „Wir leben im Jahr 2019. Doch statt in die Zukunft zu blicken, machen wir Schritte zurück. Ich glaube, dass wir Spieler uns zusammenschließen und eine Erklärung zu diesem Thema machen sollten.“

          Sein Teamkollege Milan Skriniar, der auf dem Platz der Kurve der Cagliari-Fans entgegen getreten war, hatte bereits am Vortag geäußert: „Ich habe Dinge gehört, die man im Fußball nie hören sollte. Dinge dieser Art dürften nie passieren“, sagte der Slowake. Inter-Coach Antonio Conte gab zwar an, die Affenlaute nicht gehört zu haben, forderte aber: „In Italien muss es mehr Respekt für die Gegner geben.“

          In der Vorwoche hatte bereits der frühere Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, inzwischen in Diensten des SSC Neapel, die mangelnden Umgangsformen in der italienischen Liga kritisiert und sich über permanente Beleidigungen von der Tribüne beschwert. „Im Ausland ist es nicht so“, klagte nun auch Conte: „Die Fans feuern ihre Mannschaft an, damit sie das Beste gibt, die Gegner werden nicht beschimpft. In Italien muss es zu einem Mentalitätswechsel kommen.“

          Lukaku im Kreise seiner Mitspieler nach dem Siegtor: „Statt in die Zukunft zu blicken, machen wir Schritte zurück.“

          Die rassistischen Anfeindungen nehmen dabei allerdings noch einmal eine Sonderrolle ein. So hatten in der Vergangenheit auch andere dunkelhäutige Stars wie der frühere Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng oder Mario Balotelli den in den Kurven oft tief verwurzelten Fremdenhass scharf kritisiert. Ein Fremdenhass, der zuletzt auch in der Politik - besonders von der ultrarechten Partei Lega Nord um den scheidenden Innenminister Matteo Salvini - offen propagiert wurde.

          Immerhin: Der italienische Fußballverband (FIGC) erließ im vergangenen April eine neue Anti-Rassismus-Regelung. Ein Polizeifunktionär, der für die öffentliche Sicherheit der Partien zuständig ist, muss seither entscheiden, ob bei rassistischen Chören das Match vorübergehend unter- oder sogar ganz abgebrochen wird. Zur Anwendung kam diese Regelung bislang allerdings noch nicht. Auch nicht bei den Affenlauten am Sonntag.

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