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Innsbruck sagt Nein : Olympia vereist

Eisbahn der Max Aicher Arena: In Inzell und Garmisch sind enttäuscht nach Tiroler Nein zu Olympia-Bewerbung Bild: dpa

53 Prozent der Tiroler stimmten gegen eine Rückkehr von Olympia 2026. Das IOC zieht daraus die falschen Schlüsse – und zeigt sich erstaunlich beschränkt. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Die Wintersportler können es vor Spannung kaum noch aushalten nach einem Sommer harten Trainings. Sie wollen endlich im Wettkampf zeigen, was sie drauf haben vier Monate vor den Winterspielen in Südkorea. Aber just in diesem Moment der Vorfreude werden sie und mit ihnen der ganze Spitzensport auf Eis und Schnee von einer Lawine erfasst: Die Olympische Idee verschüttet nach einem Beben im Schoß des Wintersports. 53 Prozent der Tiroler Wähler haben die Olympiabewerbung für 2026 abgelehnt.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dabei lag das Epizentrum unter dem symbolischen Berg der Spiele, dem Bergisel, der Basis für die ganz großen Sprünge von Innsbruck ins kollektive Gedächtnis: In dieser Hauptstadt des Alpen-Wintersports fanden schon zweimal wunderbare Winterspiele statt, die den neidischen Nachbarn Deutschland 1976 versöhnten, weil „Gold-Rosi“ eine Brücke baute. Am Sonntag stimmten 67,41 Prozent der Innsbrucker Wähler gegen eine Rückkehr von Olympia. Die Winterspiele haben kein Zuhause mehr.

          Die Zweifel in der Bevölkerung wachsen

          Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) muss sich diese Zurückweisung anfühlen wie ein Stich ins Herz. Aber aus der Schweizer Zentrale erreichte am Montag allenfalls der Versuch von Empathie die Öffentlichkeit. Das IOC fühle mit, hieß es in einer Erklärung zur gescheiterten Kampagne: „Daraus hätte sich eine exzellente Kandidatur für nachhaltige Winterspiele entwickeln können.“

          Zweifellos, wenn nur diese Menschen nicht wären, zumindest die 53 Prozent, die offenbar von Exzellenz und Nachhaltigkeit nichts mitbekommen haben. Deshalb wollen die Herren der Ringe ihr „neues partnerschaftliches und kostenbewusstes Bewerbungsverfahren“ nun „noch besser kommunizieren“. Das ist drei Jahre nach der Verkündung des Reformprogramms „Agenda 2020“ durch IOC-Präsident Thomas Bach eine bemerkenswerte Beschränktheitserklärung des Milliardenunternehmens: Das IOC glaubt zwar, vieles besser zu machen, kann dies aber nach eigener Darstellung nicht vermitteln angesichts der konkurrierenden, ungefilterten Nachrichten rund um den Olymp.

          Denn die Bürger nehmen gleichzeitig die Korruptionsaffären des Spitzensports nun auch um die Olympiamacher von Rio ernst und sie registrieren mit feinem Gespür, dass Bach selbst auf existenzbedrohende Probleme wie das russische Staats-Doping nur pragmatisch reagiert. Als führe er einen Konzern, als diene er allein der Gewinnmaximierung und nicht mehr den Idealen, die der olympischen Bewegung zugrunde liegen sollten.

          In Zeiten gefühlter Wertverluste müsste Bach besonders auf der Hut sein. Aber das einzige, was im Zusammenhang mit den Nachhaltigkeits-Apologeten des IOC bislang erschütternd nachhaltig wirkt, ist der Vertrauensverlust. Er bildet eine wachsende Eisdecke über dem Spitzensport, nicht nur in Europa. Es müsste einer kommen mit dem Herz in der Hand.

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