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Schwimmunterricht für Kinder: Nach Corona wieder in Bewegung Bild: dpa

Sport als Gesellschaftspolitik : 25 Millionen Euro für den Neustart

Das Innenministerium will dem pandemiebedingten Bewegungsmangel begegnen und verspricht finanzielle Unterstützung für die Stärkung des Vereins- und Breitensports.

          3 Min.

          Obwohl sie in ihrer Zuständigkeit auf die Förderung des Spitzensports festgelegt ist, stellt die Bundesregierung für den Neustart des Vereins- und Breitensports nach den ersten zwei Jahren Corona-Pandemie 25 Millionen Euro zur Verfügung. Am Mittwoch gab der Haushaltsausschuss das Geld frei. Es liege im gesamtstaatlichen Interesse, die durch die Pandemie entstandenen Strukturschäden im Breitensport zu beseitigen, schreibt der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium Florian Toncar im Maßgabenbeschluss.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          So solle es gelingen, dem pandemiebedingten Bewegungsmangel zu begegnen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zurück in die Vereine zu bringen, das Ehrenamt im Sport zu stärken und Integration zu unterstützen. Das Innenministerium, in dessen Etat die Summe eingestellt ist, wird diese dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zur Verfügung stellen. Mit diesem gemeinsam hat es das Konzept erstellt. Staat und Verband wollten das Land wieder in Bewegung bringen, kommentierte DOSB-Vizepräsidentin Kerstin Holze, eine Kinderärztin. Sportvereine werden in dem Konzept als soziale Tankstellen beschrieben.

          Für die Aus- und Fortbildung von ehrenamtlichen Trainern und Übungsleitern werden demnach bis Ende 2023 fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen, für die Unterstützung der Vereine bei der Mitgliedergewinnung 10,7 Millionen Euro. Zu den letzten Maßnahmen gehört die Bereitstellung von 150.000 Schecks für drei Monate Vereinsmitgliedschaft. Eine weitere Säule soll ein niedrigschwelliges Sportangebot außerhalb der Vereine, nämlich im öffentlich zugänglichen Raum sein. Für das Konzept frei zugänglicher Sportboxen, welche Vereine betreiben sollen, stehen 2,85 Millionen Euro zur Verfügung. Eine begleitende Werbekampagne wird mit fünf Millionen Euro, die Verwaltung mit 1,45 Millionen Euro unterstützt.

          Die zunächst erwogene Beteiligung der Länder – in der Sportförderung durch die öffentliche Hand sind sie zuständig für Vereins-, Breiten- und Nachwuchssport – ist nicht mehr vorgesehen. „Selten hat eine Ministerin persönlich so leidenschaftlich für einen finanziellen Aufwuchs für den Sport gekämpft wie Nancy Faeser“, sagt der Abgeordnete Martin Gerster, ihr Parteifreund in der SPD: „Die Freigabe der 25 Millionen Euro war kein Selbstläufer, aber am Ende haben wir ein starkes Paket beschlossen, das dem Sport sehr helfen wird.“

          „Ich freue mich, dass wir das Konzept ‚Restart – Sport bewegt Deutschland‘ jetzt an den Start bringen“, erklärte die Grünen-Abgeordnete Jamila Schäfer: „Die Vereine sind das Rückgrat für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie wirken gleichzeitig Bewegungsmangel entgegen, der durch die Pandemie noch größer geworden ist.“ Der Sportausschuss war mit dem Thema nicht befasst. Der Grünen-Abgeordnete Philip Krämer kritisierte zudem: „Ich hätte die fünf Millionen, die für Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen sind, lieber bei den Vereinen gesehen.“

          Der Haushaltsausschuss hat in seiner Bereinigungssitzung im Mai dem Etat des Bauministeriums 450 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur zugewiesen; 80 Prozent davon fließe erfahrungsgemäß in Sportanlagen, heißt es beim DOSB. Über die Anträge auf Förderung entscheiden die Mitglieder des Haushaltsausschusses. Statt 50 Millionen aus dem ausgelaufenen Corona-Hilfspaket für den Profisport außerhalb des Fußballs gewährte er der Wiederbelebung des Vereins- und Breitensports 25 Millionen Euro, versah diese aber mit einer Sperre bis zur Vorlage eines Konzeptes. Noch am Mittwochmorgen war unsicher, ob das Geld freigegeben werden würde; die Grünen drohten, es im Streit um Unterstützung von Flüchtlingen aus Afghanistan von der Tagesordnung zu streichen.

          Der DOSB wird an diesem Donnerstag Gelegenheit haben zu feiern. Zunächst tagt sein Präsidium in Berlin, am Abend lädt er zum Parlamentarischen Abend ins Olympiastadion. Die Entscheidung des Ausschusses und das Engagement von Innenministerin Faeser sind mehr als die nun gewährten 25 Millionen Euro wert. Politik und Sport belegen damit ihre Einigkeit, Sport als Gesellschaftspolitik zu verstehen. Der DOSB verlangt vom Bund, Zuständigkeit für den Sport in allen Ressorts zu verankern und als Querschnittsaufgabe anzunehmen. Noch in diesem Jahr soll nach dem Wunsch der Sportorganisation Bundeskanzler Olaf Scholz alle relevanten Ressorts zu einem Bewegungsgipfel zusammenbringen. Familien-, Gesundheits- und Außenministerium sowie die Integrationsbeauftragte unterstützen, wie das Innenministerium auch, längst eine Vielzahl von Programmen, die nichts mit Spitzensportförderung zu tun haben.

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