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F.A.Z. exklusiv : Faeser versetzt Beate Lohmann in den Ruhestand

Innenministerin Nancy Faeser Bild: dpa

Nach F.A.Z.-Informationen versetzt Nancy Faeser Ministerialdirektorin Beate Lohmann in den vorzeitigen Ruhestand. Die Leitung der Abteilung Sport im Innenministerium entwickelt sich zum Schleudersitz.

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          Die Leitung der Abteilung Sport im Bundesinnenministerium entwickelt sich zum Schleudersitz. Am Dienstag hat Innenministerin Nancy Faeser die Ministerialdirektorin Beate Lohmann in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dies wurde der F.A.Z. aus sicherer Quelle bestätigt. Lohmann hatte vor vier Jahren die Nachfolge von Gerhard Böhm angetreten; zuvor leitete sie die Abteilung für Verwaltungsmodernisierung und Verwaltungsorganisation.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Böhm war in offenen Streit mit der Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) geraten. Während Innenminister Thomas de Maiziere seinem Abteilungsleiter den Rücken gestärkt hatte, gab Horst Seehofer kurz nach Amtsantritt dem Drängen des von seinem CSU-Parteifreund Alfons Hörmann geführten Sport nach und schickte den Mann, der die Potentialanalyse und die Spitzensportreform auf den Weg gebracht hatte, im April 2018 in den vorzeitigen Ruhestand. Dies geschah so eilig, dass der Betroffene im Urlaub davon überrascht wurde – durch die Notiz in einem Mitarbeiterbrief. In der Folge erneuerte sich nahezu die gesamte Abteilung personell.

          Von der 61 Jahre alten Rheinländerin Lohmann ist kein offener Zwist mit den Organisationen des Sports bekannt. Gleichwohl besagen Gerüchte, dass auch diesmal Verbandsvertreter gegenüber Faeser und ihrem Parlamentarischen Staatssekretär Mahmut Özdemir unüberbrückbare Differenzen zwischen Sport und Abteilung Sport beklagten. Lohmann vertrat, wie auch Özdemir, die Überzeugung, dass eine unabhängige Spitzensport-GmbH die gut dreihundert Millionen Euro Spitzensportförderung des Bundes nach strengen Erfolgskriterien verteilen oder verweigern sollte.

          Auffällig war, dass der Haushaltsausschuss in der vergangenen Woche in seiner Bereinigungssitzung für den Neustart des Vereins- und Breitensport nicht wie erwartet die fünfzig Millionen Euro, die aus der Corona-Hilfe für Profi-Vereine übriggeblieben sind, in das Budget des Innenministeriums einstellte, sondern die Hälfte, 25 Millionen. Der Beschluss ist mit keinerlei konkreten Maßnahmen unterlegt, das Geld ist vorerst gesperrt.

          Für die Freigabe fordern die Haushälter vom Innenministerium ein Konzept. Dies ist ein erstaunlicher Vorgang; vermutet werden Auseinandersetzungen über die Art der Unterstützungsleistungen. Hilfe für den Breitensport nach der Corona-Pandemie wird im Koalitionsvertrag versprochen. Am Dienstag forderte der DOSB einen Paradigmenwechsel  in der Sportpolitik des Bundes. Er solle nicht mehr allein für Spitzensport zuständig sein, sondern für den Sport in seiner Breite. Vereins-, Breiten- und Nachwuchssport zu fördern ist bislang Aufgabe der Länder.

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