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Thomas de Maizière im Gespräch : „Das Strafrecht gilt auch für Sportverbände“

Spitzensport ist wichtig für einen unverfälschten Leistungsbegriff unabhängig von Einkommen und Herkunft. Er ist sehr wichtig für das Schaffen von Vorbildern mit all den Gefährdungen, die damit verbunden sind. Sport schafft Gemeinschaftserlebnisse, wie auch eine nüchterne, arbeitsteilige Demokratie sie braucht. Und man lernt gleichermaßen mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen, das hilft enorm auch in anderen Lebensbereichen. Das alles findet in Vereinen und im Breitensport statt. Allein die Zahl der Mitglieder in Vereinen und im DOSB zeigt, wie verbunden die Menschen dem Sport sind.

Der Staat etwa nicht?

Das Engagement, etwas für sich und andere zu machen, nicht nur Sport zu treiben, sondern um eine Halle zu kämpfen, darum zu ringen, dass die Nutzungsgebühren nicht zu hoch sind, Nachwuchs zu finden, Übungsleiter zu rekrutieren, Eltern zu finden, die früh aufstehen und Brötchen schmieren, damit in der Pause alle etwas zu essen haben - all das sind großartige Leistungen, die der Gesellschaft zugutekommen. Das soll man nicht monetarisieren. Viele würden das empört zurückweisen, wenn sie dafür Geld bekommen sollten. Wenn wir untersuchen würden, woher die ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingshilfe kommen, würde mich nicht überraschen, wenn auch aus dem Ehrenamt im Sport viele kommen.

Trotz Skandalen, wie im von Sebastian Coe geführten, Leichtathletikverband, glaubt der Innenminister nicht an einem Mangel an Sportbegeisterung.

Brauchen Sportvereine nicht Hilfe?

Alle gesellschaftlichen Bereiche haben ein Reichweitenproblem, die Politik, die Medien, die Kirche, auch der Sport erreicht nicht mehr so viele Menschen, und er gefährdet seine Reichweite durch Skandale. Aber immerhin: Der Sport hat sicher eine der größten Reichweiten in die Gesellschaft hinein. Das ist ein Schatz. Deswegen hat in der Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts - gegen Rassismus, gegen Gewalt, gegen Verrohung der Sprache, dafür, dass man Dinge miteinander tut und nicht gegeneinander - der Sport eine ungeheuer positive Wirkung.

Dem Sport und seinen Vereinen wachsen immer mehr Aufgaben zu, von der Erziehung über Gesundheitsbewusstsein bis zur Integration. Die Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth fordert deshalb ein Sport-Ministerium, das all dies fördert.

Sie sagt, man solle den Föderalismus Föderalismus sein lassen. Ich teile die Auffassung nicht. Dazu brauchten wir im Übrigen eine Grundgesetzänderung. Ich verstehe mich als Sportminister, wie viele Minister in den Ländern auch. Wir fördern dies alles, was Frau Nasse-Meyfarth fordert. Aber der Sport darf nicht gesellschaftspolitische Hausaufgaben bekommen, im Sinne: Ihr sollt dafür sorgen, dass es nicht so viele Diabeteskranke gibt, nicht so viele Menschen mit hohem Blutdruck, dass alle sich sozial verhalten und die Sportanlagen sauber sind - sozusagen eine moraline Zeigefinger-Mentalität. In der Geschichte auch unseres Landes gab es genug gesellschaftspolitische Aufträge für den Sport. Der Sport und seine Vereine erfüllen das, was die Gesellschaft an Aufträgen vergeben könnte, aber nur und gerade deshalb, weil sie keine Aufträge bekommen.

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