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Thomas de Maizière im Gespräch : „Das Strafrecht gilt auch für Sportverbände“

Nein. Sie können mit Renten nicht im Nachhinein Gerechtigkeit herstellen in der Aufarbeitung von Diktatur. Wir haben Diskussionen über Haftzeiten gehabt, mangelndes berufliches Fortkommen, wir hatten Debatten über Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus. Sie können es nicht vollständig gerecht machen. Dazu kommen Kausalitätsfragen. Ist der gesundheitliche Schaden wirklich im Zusammenhang mit Doping entstanden? Wenn Sie das, wie das bei Renten- und Gesundheitsfragen üblich ist, mit tausend Gutachten hin und her wägen wollen, lösen Sie mehr Frust aus, als dass sie die Hand reichen und sagen: Wir wissen um Ihre schwierige Situation. Diese Wunde muss geschlossen werden. Wir sind dem Doping-Opfer-Hilfe-Verein dankbar für die Hartnäckigkeit, mit der er sein Anliegen vertreten hat. Aber eine vollständige Gerechtigkeit erreicht man mit diesem Gesetz nicht. Es kann sie auch nicht geben.

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Sie haben den DOSB auf dessen Vollversammlung in Hannover aufgefordert, sich an dieser Geste zu beteiligen. Jedes Doping-Opfer bekäme einmalig rund 10.500 Euro. Warum weigert sich der Sport, etwas draufzulegen, um die größte Not zu lindern?

Ich hätte mich gefreut, wenn der DOSB sich an dem Fonds beteiligt hätte, und zwar nicht aus den Mitteln, die ohnehin aus dem Etat des Innenministeriums kommen und auch nicht zu Lasten der Spitzensportförderung. Vielleicht wäre eine Umlage möglich gewesen. Das hat nicht zum Erfolg geführt. Ich bedaure das, aber darunter soll nicht das Anliegen leiden.

Der DOSB wollte helfen, konnte es aber nicht?

Ich habe gelernt, dass eine Steuerungsmöglichkeit des DOSB gegenüber Fachverbänden nicht stark ausgeprägt ist. Wenn aber der DOSB bei der Spitzensportförderung eine stärkere Lenkungsfunktion beansprucht, geht das nur, wenn er es auch kann. Das meine ich nicht sportfachlich, sondern rechtlich. Das Thema wird uns noch beschäftigen.

Die große Enttäuschung für den DOSB war das Scheitern der Olympiabewerbung in Hamburg. War die Bürgerbefragung an sich ein Fehler?

Ich persönlich bin kein Anhänger der plebiszitären Demokratie. Die allermeisten Fragen lassen sich nicht in eine Ja-Nein-Alternative bringen. Dies ist aber unvermeidlich bei einem Referendum. Zudem privilegieren Referenden Negativ-Haltungen, sie begünstigen diejenigen, die nein sagen. Wir haben ziemlich viele Neinsager in unserer Republik. Ich möchte gern, dass wir die ermutigen, die ja sagen. Ich bin ein großer Anhänger der parlamentarischen Demokratie. Wenn man aber schon eine Abstimmung macht, ist die, ob man Olympia will oder nicht, eher eine, die man machen kann.

Würden Sie bei einer künftigen Bewerbung zum Verzicht auf eine Bürgerabstimmung raten?

Auf die Schlagzeile „de Maizière erwägt neue Olympia-Bewerbung“ will ich erst einmal verzichten. Das Thema ist vorerst erledigt. Wir wollen uns um die Fußball-Europameisterschaft bewerben und vielleicht um einige andere Veranstaltungen.

Wenn jemand für positive, konstruktive Haltung steht, dann doch Sportler. Wie sehen Sie die Rolle der Vereine in der Gesellschaft?

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