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Thomas de Maizière im Gespräch : „Das Strafrecht gilt auch für Sportverbände“

Spielen Sie darauf an, dass womöglich andere Einflüsse als die Höhenluft für die Ausdauer mancher Läufer sorgen? Natürlich ist es auch schön, deutscher Meister zu werden. Aber schöner ist es, Europameister oder Weltmeister zu werden. Und natürlich ist es ein Unterschied, ob ein deutscher Sportler ein Medaillenziel hat im Einsitzer-Rodeln oder im Hundert-Meter-Endlauf. Da ist die Finalteilnahme vielleicht ein Riesenziel. Da ist mein Satz von den Medaillen vielleicht ein wenig zu relativieren. Das ist von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Aber es ist doch auffällig, dass die Leistungen unserer Junioren besser sind als bei den Erwachsenen. Wir müssen uns fragen: Woran liegt das eigentlich? Wir sind sicher, dass das mehr an uns liegt als an den Äthiopiern. Wie kann man diese Leistung eigentlich übersetzen von den Junioren zu den Erwachsenen?

Medaillen im Visier: Der Bundesinnenminister hält an seinen Zielvorgaben fest

Am vergangenen Mittwoch ist das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz ins Kabinett gegangen. Was hat Sie dazu bewogen?

Das erste Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz war richtig und nötig und über das eigentliche Thema hinaus auch ein gutes Zeichen im Verhältnis des Zusammenwachsens des deutsch-deutschen Sports. Man kann 25 Jahre nach der deutschen Einheit sagen, dass dieses Zusammenwachsen nicht eine reine Erfolgsgeschichte war. Da sind auch Wunden geschlagen worden, beiderseits. Nun hat sich herausgestellt, dass es viele Opfer gibt, bei denen die Schäden erst später aufgetaucht sind, dass der Personenkreis vielleicht zu klein war, dass die Regeln, was die Rente angeht, vielleicht nicht richtig greifen. Eine Änderung dieses Gesetzes mit Blick auf andere Gerechtigkeitsfragen ist nicht angemessen und nicht durchsetzbar. Deswegen ist es richtig zu sagen: Wir machen es noch einmal und ein letztes Mal. Unser Angebot ist, dass wir etwa tausend Anspruchsberechtigte mit einem Einmalbetrag bescheiden können. Das ist, glaube ich, ein richtiges Zeichen, auch in den Sport hinein. Sicher haben auch schlimme Krankheits- und Todesfälle einen Beitrag dazu geleistet. Darüber ist nun jahrelang diskutiert worden. Deshalb sagen wir jetzt: Wir machen es.

Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein hat ohne Erfolg die Opfer-Rente von 300 Euro im Monat gefordert. Was ist der Unterschied zwischen einem Stasi-Opfer und einem Doping-Opfer?

Ein Teil der Doping-Opfer hatte große Erfolge in DDR-Zeiten. Andere in der DDR haben vielleicht eifersüchtig auf diese Erfolge geschaut. Ein Stasi-Opfer, das im Gefängnis war, hatte nie Erfolg in der DDR. Leider wird zwischen Opfern von Diktaturen sehr genau darauf geachtet, wie es mit der Gerechtigkeit ist. Deswegen ist das, was wir leisten, ein Einmalbetrag. Das ist eine Geste, keine Entschädigung, kein Schadensersatz, keine volle Gerechtigkeit, sondern eine Hilfe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es liegt an den Stasi- und anderen Opfern der DDR, dass für - alte und neue Antragsteller addiert - zweitausend Doping-Opfer nicht sieben Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen?

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