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Thomas de Maizière im Gespräch : „Das Strafrecht gilt auch für Sportverbände“

Deshalb sind Sie dem Sport in Deutschland mit dem Anti-Doping-Gesetz zur Seite gesprungen?

Zur Wahrheit gehört, dass weder die staatliche noch die sportliche Seite allein größere Veränderungen vornehmen könnten. Wir schaffen das nur zusammen.

Den Kern des Anti-Doping-Gesetzes hat die Politik gegen den Willen der großen Mehrheit des DOSB durchgesetzt.

Es gab zwei zentrale Punkte in der Diskussion mit dem DOSB: die Strafbarkeit des Selbstdopings und die uneingeschränkte Besitzstrafbarkeit für Sportler. Der Gesetzgeber hat das entschieden. Seitdem habe ich keine Kritik mehr gehört. Wie wirksam das Gesetz ist, sehen wir am ersten Fall im Ringen.

Geht das bei der Reform der Spitzensportförderung so weiter: Man ringt, und dann setzt sich der Minister durch?

Da ist die Konstellation ganz anders. Den Weg haben wir gemeinsam begonnen und werden ihn gemeinsam zu Ende gehen. Die Widerstände sind dabei ganz woanders. Wenn es darum geht, Stützpunkte zu verändern, wenn es darum geht, Kaderzahlen zu verändern, wenn es darum geht, Strukturen in Fachverbänden zu verändern, werden wir uns unterhaken müssen, damit das Erfolg hat. Der Sport und das Spitzensportministerium wollen gemeinsam Reformen anstoßen. Die Veränderungen werden auf Proteste stoßen.

Weil es weniger Stützpunkte geben wird und weniger Kaderathleten?

Ich habe nicht von weniger gesprochen, sondern von einer Veränderung der Zahlen. Wir wollen das Konzept nach den Olympischen Spielen in Rio vorstellen. Wir werden noch zwei entscheidende Sitzungen haben. Da geht es um viele Themen, und natürlich ist die Zahl der Athleten und das Verhältnis von A-, B- und C-Kader ein wichtiges Thema.

Wir rechnen nicht ernsthaft damit, dass es mehr werden. Muss die eine oder andere Sportart befürchten, keine Förderung mehr zu erhalten?

Wenn wir jetzt über Einzelteile der Reform öffentlich sprechen, dann würde sich der Protest gegen dieses Einzelteil richten. Aber wir werden Veränderungen nur bewirken, wenn die Betroffenen sagen, das Gesamtkonzept ist vernünftig, auch wenn es im Einzelnen zu negativen Veränderungen führt. Aber Veränderungen, ohne dass eine Veränderung eintritt: Das gibt es nicht. Das klingt banal, aber genau damit werden wir uns auseinandersetzen.

Die Konsequenz wird sein, dass der deutsche Spitzensport ein Drittel mehr Medaillen produziert?

Sie wollen, dass ich wiederhole, was ich in Ihrer Zeitung gesagt habe: dass Medaillen die Währung sind und ein Drittel mehr Medaillen ein Ziel ist? Ich habe nichts zurückzunehmen, auch wenn das kritisiert wurde - übrigens mehr von außerhalb des Sports als innerhalb des Spitzensports. Einer der Beteiligten in unserer Runde, ein Spitzensportler, hat dies mit herbeigeführt. Er hat nämlich gefragt: Was ist eigentlich unser Ziel? Veränderung als Selbstzweck? Mehr Spitzensport? Gesundheit der Jugend? Ziel dieser Reform ist: mehr Spitzensport. Dies zählt man nun mal in Medaillen. Dass man Ziele verfehlt oder Ziele übertrifft, gehört zum Spitzensport. Aber ohne Ziele wird’s nichts.

Freuen Sie sich mit, wenn ein junger Mensch sich für den Marathon bei Olympia qualifiziert, oder wollen Sie ihm sagen: Ist ja ganz nett, aber gegen Äthiopier und Kenianer hast du keine Chance, bleib mal schön zu Hause?

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