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Fußball-Kommentar : Durchschaubare Drohung

Fifa-Präsident Gianni Infantino ist derzeit um eine klare Meinung bemüht. Bild: dpa

Kommt die Superliga oder kommt sie nicht? Der Fifa-Präsident überlegt nun, die Spieler der daran möglicherweise beteiligten Vereine für Welt- und Europameisterschaften auszuschließen. Das ist aus mehreren Gründen nicht plausibel.

          So war sie zu erwarten, die Antwort aus Zürich: als Drohgebärde. „Entweder“, sagt Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa, „bist du drin oder du bist draußen. Das beinhaltet alles“. Soll heißen: Gründen die besten, also: reichsten Fußballvereine der Welt tatsächlich eine Superliga, in der nicht wie bislang die Fifa oder die Uefa, die Europäische Fußball-Union, das Sagen haben, dürften sich die Spieler dieser Klubs mit der Aussicht anfreunden, nicht mehr alle zwei Jahre bei Welt- und Europameisterschaften auflaufen zu dürfen. Tatsächlich?

          Man kann sich fragen, wie es wohl die diversen Fifa-Sponsoren finden, Geld in eine WM zu pumpen, bei der, die Qualifikationsspiele eingeschlossen, ein paar Hundert der besten Spieler der Welt fehlen, falls man annimmt, das eine solche Liga 18 Mannschaften zu je 25 Spielern von besonderer Qualität umfasst. Naheliegende Vermutung: Eher nicht so klasse.

          Aber auch aus anderen Gründen kommt Infantinos Drohung reichlich durchschaubar daher. Spätestens seit dem vergangenen Dezember, als die Europäische Kommission in Brüssel den niederländischen Eisschnellläufern Mark Tuitert und Niels Kerstholt Recht gab in ihrem Streit mit dem Internationalen Eisschnellauf-Verband ISU, sind die Tage allumfassender Verbandsmacht gegenüber dem einzelnen Sportler gezählt.

          Tuitert und Kerstholt hatten bei einem nicht von der ISU organisierten, aber gut bezahlten Wettbewerb in Dubai starten wollen. Die ISU sah in ihrem Regelwerk vor, dass Eisschnellläufer einzig und allein bei ISU-Wettbewerben starten durften, ansonsten würden Sportler bestraft. Die EU-Kommission entschied, die ISU verletze die unternehmerische Freiheit der Sportler und auf den Markt drängender Veranstalter. Restriktive Regeln bedürften eines legitimen Zwecks, müssten also etwa dem Gesundheitsschutz der Sportler dienen oder die Integrität des Sports schützen.

          Infantino argumentiert damit, dass ein von der Fifa organisierter, überreich ausgestatteter Klub-Wettbewerb den Mitgliedsverbänden der Fifa zu Gute kommen würde. Mag sein – ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Platzhirsch auf dem Markt der Fußball-Wettbewerbe das Monopol aus finanziellen Erwägungen verteidigt. Und das ist, wohlwollend gegenüber Infantino ausgedrückt, seit der Entscheidung der EU-Kommission eine recht wacklige Position gegenüber den Spielern.

          Allerdings ist das Machtgefüge unter Verbänden, Vereinen, Beratern, Sponsoren und Spielern im beliebtesten Sport der Welt weit komplexer als in der überschaubaren Welt der Eisschnellläufer. Wer sich durchsetzt, ist längst nicht ausgemacht. Die Spieler aber haben sich längst verabschiedet aus der Welt, aus der Infantinos Drohung wie ein fernes Echo herüber schallt. Dass die Sportler nicht nur von der EU-Kommission ermutigt werden, ihre Rechte wahrzunehmen, hat viel mit dem desolaten, gierigen Eindruck zu tun, den Verbände wie die Fifa seit Jahrzehnten abgeben.

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