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Der DFB und die Steuern : Ein bewusster Akt?

Die Polizei fährt vor: die DFB-Zentrale in Frankfurt Bild: dpa

Wieder steht der Deutsche Fußball-Bund im Visier der Justiz. Einige seiner Honoratioren sollen sich als Steuertrickser betätigt und dem Staat Millionen entzogen haben. Eine Serie von Hausdurchsuchungen betrifft auch aktuelle Verantwortliche.

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          Polizei vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Das scheint ein vertrautes Bild. Und doch überraschten die Fotos und Nachrichten von diesem Mittwoch. Hatte der größte Sportverband der Welt nicht feierlich versprochen, die Altlasten über Bord zu werfen und den Stall ein für allemal auszumisten? Das war schon der Anspruch von Reinhard Grindel gewesen, 2016. Der Schatzmeister folgte dem damaligen Präsidenten Wolfgang Niersbach, der mit seinem Krisenmanagement zum Skandal um das Sommermärchen 2006 grandios gescheitert war. Grindel wiederum griff als DFB-Boss mitten in einer als Aufarbeitungsphase stilisierten Selbstreinigung zum teuren Uhrengeschenk eines Oligarchen. Beim ungetrübten Blick auf die glänzenden Zeiger begriff er nicht, dass seine Zeit im gleichen Moment abgelaufen war.

          Anno Hecker

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          Aber selbst die zweite Erneuerung mit dem unbelasteten, erst im Herbst 2019 aus Freiburg zum DFB gewechselten Fritz Keller an der Spitze entkommt nicht dem Bild einer in Zeiten von Glanz und Gloria geschaffenen Parallelwelt mit Folgen: Rund 200 Beamte der Steuerfahndung, des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch „Geschäftsräume“ des DFB sowie Privatwohnungen in fünf Bundesländern. Zum Schrecken von DFB-Mitarbeitern stehen nicht nur „ehemalige Verantwortliche“, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, im Verdacht der „schweren Steuerhinterziehung“, sondern auch „gegenwärtige“. Der DFB steckt wieder mittendrin.

          Auslöser ist das Geld

          Auslöser ist wieder das Geld. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen hat der DFB versucht, 4,7 Millionen Euro einer Besteuerung zu entziehen. Kein Zufall, kein Versehen, sondern, darauf legt die Anklagebehörde offenbar Wert, ein bewusster Akt. „Nach den bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft, „dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten, sie aber bewusst wählten, um dem DFB hierdurch einen Steuervorteil von großem Ausmaß zu ermöglichen.“ Frei übersetzt: Hier sollen Steuertrickser am Werk gewesen sein. Honoratioren des DFB. Oder wären sie noch in Amt, falls sie an der Sommermärchenaffäre mitgedreht hätten?

          Fritz Keller, aktueller DFB-Präsident
          Fritz Keller, aktueller DFB-Präsident : Bild: dpa

          Im Kern geht es um die Steuererklärungen der Jahre 2014 und 2015. Einnahmen aus der Bandenwerbung von Länderspielen des Männer-Teams in Deutschland sind nach Angaben der Ermittler „unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt“ worden. Gewinne aus der Vermögensverwaltung müssen nicht versteuert werden. Ein schöner Vorteil für gemeinnützige Verbände – falls die Definition eingehalten wird. Eine Vermögensverwaltung liegt nach § 14 Abgabenordnung „in der Regel vor, wenn Vermögen genutzt, zum Beispiel Kapitalvermögen verzinslich angelegt oder unbewegliches Vermögen vermietet oder verpachtet wird“.

          Gewinne, etwa aus der Vermietung von Sportplätzen, Wertpapiererträge oder Einnahmen aus der Übertragung von Werberechten bleiben für eine gemeinnützige Organisation wie den DFB steuerfrei. Wenn er denn nicht selbst Hand anlegte. Denn Einnahmen aus einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sind steuerpflichtig. Und das wirft die Staatsanwaltschaft dem Dachverband des deutschen Fußballs vor: Er habe zwar 2013 die Rechte zur Vergabe der Werbeflächen in den Spielstätten von Länderspielen zwischen 2014 und 2018 an eine schweizerische Gesellschaft verpachtet. Aber diesem Unternehmen soll bei der Auswahl der Werbepartner kein Handlungsspielraum geblieben sein.

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