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Im Gespräch: Mark Pieth : „Herr Blatter ist uns relativ gleichgültig“

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„Es würde mich erstaunen, wenn es ohne weitere Skandale abliefe“: Mark Pieth Bild: REUTERS

Mark Pieth, Professor für Strafrecht und Kriminologie, über sein persönliches Risiko und die Herausforderungen als Fifa-Aufklärer. Der Schweizer will mit seinem Governance-Komittee das Innerste des Fußball-Weltverbands angreifen.

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          Mark Pieth ist seit vielen Jahren renommierter Kämpfer gegen Korruption. Als Vorsitzender des unabhängigen Governance-Komitees soll er den Reformprozess beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) überwachen. Der 58 Jahre alte Schweizer war von 1989 bis 1993 Chef der Sektion Wirtschaftskriminalität, Geldwäscherei und organisierte Kriminalität im Bundesamt für Justiz. Seither ist er Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Basel. Pieth war bei den Vereinten Nationen an der Aufklärung des Korruptionsskandals um das Programm „Öl für Lebensmittel“ beteiligt. Dabei hatten Firmen aus aller Welt über viele Jahre die Wirtschaftssanktionen gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein unterlaufen. Pieth leitet das Basel Institute of Governance und zugleich die Arbeitsgruppe gegen Korruption in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

          Mit Ihrer Arbeit sind Erwartungen verbunden: dass die dunklen Machenschaften bei der Fifa ans Licht kommen, bestechliche Funktionäre dingfest gemacht werden und das korrupte Selbstbedienungssystem in dem Verband zerschlagen wird. Plötzlich stehen Sie selbst in der öffentlichen Kritik, und es kommen Zweifel auf an der Durchschlagskraft Ihres Konzeptes und sogar an Ihrer Unabhängigkeit. Haben Sie Ihre Mitarbeit schon bereut?

          Man stellt sich den Start natürlich leichter vor. Ich bin schon überrascht, dass man uns nicht mehr Zeit lässt und schon so schnell urteilt. Aber ich glaube, dass die Öffentlichkeit zu Recht ärgerlich ist. Als Strafrechtler kann ich das gut nachvollziehen. Es stehen handfeste Vorwürfe im Raum, die allerdings nie aufgearbeitet wurden. Das ist frustrierend und nicht zu ertragen.

          Was ist bei der Fifa anders im Vergleich zu den anderen Fällen, die Sie zu lösen hatten?

          Die Elemente der Arbeit kenne ich natürlich. Ich habe zwei Jahre meines Lebens damit zugebracht, bei den Vereinten Nationen den Korruptionsskandal „Öl für Lebensmittel" zu untersuchen. Ich habe da im Rampenlicht gestanden, 70 Aufklärer geführt und eine ganze Institution auseinandergenommen. Es gab ähnliche Herausforderungen bei größeren Unternehmen. Beim Fußball ist für mich neu, alles derart unter den Augen der Öffentlichkeit machen zu müssen - dazu in einer hochemotionalisierten Welt, die nicht die meine ist. Inzwischen habe ich mich an das rauhe Klima gewöhnt. Es ist für mich genauso spannend wie für die Fifa, was da am Ende herauskommt.

          Viele enttäuscht, dass Sie zu Beginn Ihrer Arbeit betont haben, vor allem in die Zukunft und nicht die Vergangenheit schauen zu wollen.

          Ich sage Ihnen, warum ich nicht aufgestanden bin und gesagt habe, dass ich der große Aufräumer bin und mit mir alle Probleme enden: Es geht um den Umgang mit Hoffnungen. Ich kann nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Das ist ein Rezept zum Scheitern. Vielleicht war ich am Anfang ein bisschen zu bescheiden. Okay. Die Hauptaufgabe sehe ich aber weiterhin in der Governance-Reform. Die muss langfristig angelegt sein und gleichzeitig schnell dafür sorgen, dass sich die mangelnde Seriosität nicht ständig erneuert. Sonst verlieren wir wichtige Zeit. Es braucht eine Verbandsjustiz, die ihren Namen verdient, und eine Überprüfung der Funktionäre auf ihre Integrität, wie das schon in der Wirtschaft beim Auswahlprozess für Manager geschieht. Wer eine merkwürdige Vergangenheit hat, kommt nicht mehr herein. Wir wollen eine Amtszeitbeschränkung, damit keine langjährigen Seilschaften entstehen. Das ist das Programm für die Zukunft.

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