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WM-2006-Affäre : Beckenbauers Rolle

  • -Aktualisiert am

Die Freude über ihren Erfolg, die populärste Sportveranstaltung nach Deutschland geholt zu haben, dürfte für Schmidt, Zwanziger, Beckenbauer und Niersbach eingetrübt sein. Bild: dpa

Die Schweizer Behörden haben an acht Orten gleichzeitig Durchsuchungen angeordnet. Im Fokus der Ermittlungen steht nunmehr Deutschlands Fußball-Ikone. Ob die Schweizer Bemühungen alle Fragen um die Rolle Beckenbauers beantworten werden, ist sehr fraglich.

          Die Tränen eines rührenden Fußball-Abschieds von der Weltmeistergeneration 2006 sind kaum getrocknet, da wird der deutsche Fußballfan schon wieder ernüchtert: Die Schweizer Bundesanwaltschaft teilte am Donnerstag nicht nur mit, dass sie schon seit November 2015 gegen Franz Beckenbauer und andere deutsche WM-Organisatoren ermittelt.

          Im Zuge eines Strafverfahrens haben die Schweizer Fahnder am Donnerstag Häuser durchsucht und Personen einvernommen. Der Albtraum des geneigten Fußballfans ist eben doch noch nicht zu Ende. Da mochten der „Kaiser“ und Kollegen noch so sehr auf den Abschlussbericht der vom Deutschen Fußball-Bund beauftragten Kanzlei Freshfields im März hingewiesen haben. Die hatte zwar erklärt, keine Hinweise für einen Kauf von Stimmen für die Wahl Deutschlands als Austragungsort der WM 2006 gefunden zu haben. Ausschließen wollten die privaten Ermittler diese im Weltsport allzu übliche Variante aber auch nicht.

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          Ob die Schweizer Bemühungen zu einer unverstellten Sicht auf den unter falschem Vorwand organisierten Geldtransfer des DFB zur Fifa führen sowie alle Fragen um die Rolle Beckenbauers beantworten werden, ist sehr fraglich. Aber offenbar ist wieder Bewegung ins Spiel gekommen. Andernfalls hätten die Schweizer Behörden kaum ein Dreivierteljahr nach der Eröffnung des Verfahrens wegen des Verdachtes unter anderem des Betrugs und der Geldwäscherei an acht Orten gleichzeitig Durchsuchungen angeordnet. Im Fokus der Ermittlungen steht nunmehr Deutschlands Fußball-Ikone. Im Zuge der Freshfields-Ermittlungen war bekannt geworden, dass ein ominöser Geldtransfer nach Qatar über das Konto eines Schweizer Beckenbauer-Anwalts abgewickelt worden war.

          Allein aus diesen Fakten schon das Ergebnis der Ermittlungen zu folgern, wäre ungerecht. Aber die jüngste Entwicklung belegt, dass die Freude der hiesigen Fußball-Gemeinde, mit dem Freshfields-Bericht sei das Thema endlich begraben, einem sehnlichen Wunsch entsprach und nicht der Realität. Dabei muss die Lösung des Falles nicht unbedingt zum Beweis eines Stimmenkaufs führen. Es könnte ja auch sein, dass sich jemand am Fiskus vorbei eine Provision sichern wollte für eine Arbeit, die Deutschland immerhin ein – unbezahlbares– Sommermärchen bescherte.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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