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Menschenrechtlerin Worden : „In Saudi-Arabien herrscht Geschlechter-Apartheid“

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„Diskriminierung ist nicht hinzunehmen“: Mädchen und Frauen dürfen in Saudi-Arabien nur in Privatklubs Sport treiben – wie hier in Dschiddah Bild: AP

Leichensäcke aus Qatar, Verhaftungen in Baku: Menschenrechtlerin Minky Worden spricht im F.A.Z.-Interview über Sportverbände, Funktionäre und Sponsoren, die Macht nicht gegen Unrecht einsetzen.

          11 Min.

          Die Amerikanerin Minky Worden ist Direktorin für weltweite Initiativen bei der in New York beheimateten Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Seit 2006 beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der Vergabe von Sportgroßveranstaltungen auf die Menschenrechtslage in den Gastgeberländern, vor allem von Olympischen Spielen. Vor Olympia 2008 in Peking veröffentlichte sie das Buch „China’s Great Leap: The Beijing Games and the Olympian Human Rights“. HRW stellt an diesem Donnerstag die neue Ausgabe ihres Berichts zur Menschenrechtslage vor.

          Freuen Sie sich, freut sich Human Rights Watch auf das Sportjahr 2015?

          Es ist kein Zufall, dass in unserem neuen Jahresbericht ein Kapitel zu Sportgroßveranstaltungen steht. 2015 wird ein Jahr, an dem der Weltsport sich wird messen lassen müssen. Nach dem abgerechnet wird. Die Wahl des Fifa-Präsidenten steht an, wie sie nur einmal pro Generation vorkommt, Ende Mai.

          Was meinen Sie? Es wird alle vier Jahre gewählt beim Internationalen Fußballverband.

          Fifa-Präsident Blatter will zum fünften Mal gewählt werden. Jacques Rogge war beim IOC zwölf Jahre im Amt. Durchschnittlich werden öfter Päpste gewählt als neue Vorsitzende in internationalen Sportverbänden. Diese Wahl ist eine seltene Gelegenheit, die Fifa und ihre Politik von außen und durch die Medien zu durchleuchten. Am 12. Juni beginnen die European Games in Aserbaidschan – während die Regierung dabei ist, die Zivilgesellschaft in einer Art und Weise zu unterdrücken, wie man sie in der jüngeren Vergangenheit nicht gesehen hat. Ende Juli wird in Kuala Lumpur der Gastgeber der Winterspiele 2022 vom IOC bestimmt: China oder Kasachstan. Zwei Staaten, in denen Menschenrechte schwerwiegend verletzt werden. Wir wissen, dass sportliche Mega-Events die Menschenrechtslage in den Ausrichterländern verschärfen. Wir haben das in Peking 2008 gesehen, wir haben es in Sotschi gesehen. Die Frage ist: Hat die Olympische Bewegung die Lektionen aus Peking und Sotschi gelernt? Und wir sind in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Das Thema der Gleichberechtigung im Sport ist völlig offen. Saudi-Arabien hat als einziges Land der Welt keinen Sportunterricht für Mädchen an staatlichen Schulen, keine Frauensportverbände, keine Frauenvertretung im Nationalen Olympischen Komitee.

          Wird Saudi-Arabien deshalb von den Olympischen Spielen ausgeschlossen?

          Die Haltung von Human Rights Watch ist klar: Wenn es in diesen drei Feldern keine Veränderung gibt, dann kann man sie mit dem Apartheidsregime in Südafrika vergleichen. Und Südafrika durfte jahrzehntelang nicht teilnehmen. In Saudi-Arabien herrscht Geschlechter-Apartheid. Mit dem Ausschluss von Afghanistan unter den Taliban hat das IOC ein Beispiel gesetzt. Das Warten auf Reformen in Saudi-Arabien hat jetzt ein Ende. Der Machtwechsel verkompliziert die Lage vielleicht, darf aber kein Freifahrtschein sein. Die zwei saudischen Frauen, die in London dabei waren, wurden 14 Tage vorher rekrutiert und mussten gegen Frauen antreten, die sich ihr ganzes Leben auf die Wettkämpfe vorbereitet haben. Das ist wirklich unfair. Und Saudi-Arabien sendet bislang das Signal, dass sie Drohungen nicht ernst nehmen. Wie ist sonst zu erklären, dass 199 Männer bei den Asienspielen an den Start gingen und keine einzige Frau? Es hieß, die Frauen seien „nicht bereit“. Das ist wirklich dreist.

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