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Hilfe für deutsche Bäder : Goldener Rettungsring

Nicht überall sieht es so gut aus: Deutsche Schwimmbäder sind sanierungsbedürftig. Bild: Michael Kretzer

Die DLRG warnt, dass die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland weiter zunehmen könnte. Der Sanierungsbedarf in Schwimmbädern ist enorm. Bei den Zahlen schwimmen die Experten – klar ist: Die Bäder brauchen schnell und viel Geld.

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          Deutschland, Land der Nichtschwimmer – alarmierend läutete die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages die Anhörung zur Situation der Schwimmbäder ein. Von diesem Zustand seien wir nicht weit entfernt, warnte DLRG-Präsident Achim Haag. Ohne Umstände forderte er, zur Rettung der Bäder, des Schwimmens und der wachsenden Zahl der Nichtschwimmer im Kindesalter den Goldenen Plan umzusetzen, den Innenminister Horst Seehofer im Dezember dem Sport versprochen hat.

          Alle anderen Experten stießen ins selbe Horn, ob sie gekommen waren, um eine effektive Nutzung von Wasserflächen und Bäderzeiten zu beschreiben, wie die Stuttgarter Schwimmschule und das Berliner Netzwerk Schulschwimmen. Oder ob sie dem Begriff des Bädersterbens entgegen treten wollten, wie der Deutsche Städtetag.

          Schwimmen als Daseinsfürsorge

          In Anspielung auf die fünfzehn Milliarden Euro, die Finanzminister Olaf Scholz gerade als Überschuss verbucht hat, forderte Klaus Hebborn vom Städtetag: Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Experten besangen, selbstverständlich und zu Recht, die Badekultur und das Kulturgut Schwimmen als Daseinsfürsorge, für die staatliche Zuschüsse mehr als gerecht sind. Denn sehr viel Geld wird nötig sein, wie die Reaktion auf das mit 750 Millionen Euro vom Bund ausgestattete Programm zur Sanierung kommunaler Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen zeigte: Zwanzig Mal so viele Anträge gingen ein wie bedacht werden konnten.

          Ständig klang durch, was Thema werden wird, wenn sich Seehofer und die Vorsitzende des Sportausschusses, die SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag, mit ihrem gemeinsamen Plan von der Milliardenhilfe für den Sport durchsetzen. Bei den Zahlen schwimmen die Fachleute für Bäder und Schwimmsport. Es gibt nicht einmal eine Bestandserhebung. Auf sechseinhalbtausend Schwimmbäder in Deutschland einigten sich die Experten; die Gesellschaft für Badewesen nennt diese Zahl. Schätzungen des Sanierungsbedarfs belaufen sich auf fünf Milliarden Euro. Für die Sanierung der übrigen Sportanlagen in Städten und Gemeinden, um die es beim Goldenen Plan gehen wird, stehen zwanzig Milliarden Euro im Raum. Oder doch dreißig?

          Jeder im Raum wusste, dass die Diskussion, die sie gerade begonnen hatten in Saal 3101 des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses an der Spree, über kurz oder lang auch die Frage aufwerfen wird, wie eigentlich hoffnungslos verschuldete Kommunen, womöglich unter Zwangsverwaltung, die Förderung für ihre maroden Sportstätten in Anspruch nehmen sollen, wenn sie selbst keinen Anteil daran leisten können. Und wie mit Anlagen umzugehen sein wird, die Vereinen gehören, sich also in Privatbesitz befinden. Dies alles dürfte noch zu schmerzhaften Auseinandersetzungen führen. Zunächst aber, und das ist das Wichtigste, haben Sportausschuss und Experten deutlich gemacht, dass die Erwartungen nicht geringer sind als der Bedarf.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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