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Kommentar : Hörmanns Hammer

Im Bierzelt-Modus: Hörmann (Mitte, neben Innenminister de Maiziere und Hamburgs Regierendem Bürgermeister Scholz) attackiert die Politik Bild: dpa

Alfons Hörmann bringt den Sport hinter sich mit einer wuchtigen Rede - und fordert die Politik heraus. Aber er schießt im Bierzelt-Modus übers Ziel hinaus.

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          Es klang wie Lob, was Thomas de Maizière auf die Rede von Alfons Hörmann erwiderte. Starken Führungsanspruch habe der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes gezeigt, konstatierte der Innenminister, als er zum zweiten Mal bei der Mitgliederveranstaltung in Hannover ans Rednerpult trat. Er freue sich, dass es gerade Hörmann sei, der diesen Führungsanspruch gerade jetzt erhebe.

          In der Jubelstimmung, in die Hörmann die Delegierten mit markigen Worten und plakativen Vorwürfen sechs Tage nach dem Scheitern des Hamburger Volksentscheids zu Olympia versetzt hatte, ging unter, dass dies eine Warnung war, vielleicht sogar eine Herausforderung. Zum einen sah sich der Minister genötigt, Kritik an seinem Kabinettskollegen Wolfgang Schäuble zurückzuweisen. Zum anderen schien er Pläne für die straffe Führung des Spitzensports durch ein Bundesamt zurücknehmen zu müssen. Das tat de Maizière mitnichten.

          Hörmann schießt übers Ziel hinaus

          Zwar nannte er deren Veröffentlichung Blödsinn. Doch inhaltlich bleibt die Drohung bestehen, dass sein Ministerium die Führung des Spitzensports verstaatlicht. Gut, dass Hörmann sich vehement gegen die Vorstellung wehrte, dass von Amts wegen bestimmt wird, welche Sportarten und Disziplinen an der Spitze wie zu fördern seien - und welche nicht. Doch leider sprach der Bayer in Hannover rhetorisch im Bierzelt-Modus. So unterband er Kritik an seiner Person und machte aus der Enttäuschung von Hamburg ein „Jetzt erst recht!“.

          Womöglich hat er den deutschen Sport so einhellig hinter sich gebracht. Doch Hörmann schoss weit über das Ziel hinaus. Neben Schäuble bekam auch die Kanzlerin - [...] - ihr Fett weg. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages erfuhr, dass Hörmann getönt habe, sie schanze einem Studienfreund Millionen zu; in der Sache geht es um die Förderung eines sportwissenschaftlichen Projektes, das Hörmann ablehnt, für das aber der Haushaltsausschuss des Bundestages Geld locker gemacht hat.

          Regierung und Parlament, die größten Förderer des deutschen Sports, empfinden die Angriffe des DOSB-Präsidenten als Respektlosigkeit. Demonstrativ dankte de Maizière im Namen der Regierung dem Parlament für dessen Engagement: So hätte es der Sport machen sollen. Doch in dem Maße, in dem Hörmann die Delegierten der Verbände und Sportbünde vereinte und hinter sich brachte, hat er das politische Berlin vereint gegen sich aufgebracht.

          Statt Verbündete zu gewinnen im Kampf gegen die Anmaßung des Ministeriums, hat er die Parlamentarier verprellt. Sportpolitiker und Haushälter, einerlei welcher Couleur, werden den Führungsanspruch des DOSB und seines Präsidenten als Herausforderung nehmen. De Maizière konnte gelassen mahnen, dass der Sport die Verbündeten, die er in der Politik habe, als solche behandeln möge. Denn er wusste: Dieser Rat kam zu spät.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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