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Spitzensportförderung : Viel Geld für Lieblinge und Stiefkinder

Mehr Geld: Malaika Mihambo Bild: Imago

Im Entwurf für den Bundeshaushalt in diesem Jahr sind 103 Millionen Euro zur Spitzensportförderung vorgesehen. Nicht viel mehr als im Olympiajahr 2021. Rund ein Zehntel bekommen die Leichtathleten.

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          103,2 Millionen Euro können die Sportfachverbände in diesem Jahr zur Spitzensportförderung aus dem dafür zuständigen Bundesinnenministerium (BMI) erwarten. Das ist unwesentlich mehr als im Olympiajahr 2021 mit 102,0 Millionen, fast doppelt so viel allerdings wie 2013. Damals gab es 53,5 Millionen für die Verbände. Die am stärksten geförderte Sportart ist die Leichtathletik mit 10,6 Millionen, gefolgt von Schwimmern mit 6,2 und Radfahrern mit 5,9 Millionen Euro allein in den olympischen Disziplinen. Der Bob- und Schlittenverband soll 5,4 Millionen erhalten, Rudern 5,0 und Kanu 4,6 Millionen. Für den Skiverband sind 4,1 Millionen Euro vorgesehen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dies geht aus dem Entwurf für den Haushalt 2022 hervor, den die Regierung an diesem Dienstag in den Bundestag einbringen wird. Insgesamt sinkt das Volumen des Titels Sport im Etat des Ministerium für Inneres und Heimat von 490,773 Millionen auf 373,284 Millionen Euro. Dies ist auch darin begründet, dass das Ressort Bauen wieder von einem eigenen Ministerium vertreten wird; in dessen Etat sind für die Sanierung kommunaler Einrichtungen für Sport, Jugend und Kultur 90 Millionen Euro ausgewiesen. Das Innenministerium weist in seinem Budget für Sportstätten 19 Millionen aus plus weitere fünf Millionen für Bauten der Ski-WM in Oberstdorf 2021, für die Biathlon-EM im Bayerischen Wald 2022 und die Biathlon- und Rodel-WM in Oberhof 2023.

          Der Posten für Zentrale Maßnahmen im Spitzensport sinkt von 191,5 Millionen im Vorjahr auf 183,8 Millionen Euro. Das Ziel des BMI, zur Professionalisierung des Spitzensportmanagements so etwas wie eine Spitzensport GmbH zu gründen, welche die Fördermittel an die Verbände und Einrichtungen des Sports vergibt, bildet sich im Entwurf des Haushalts noch nicht ab. Ein internes Papier beschreibt die „Erarbeitung eines übergreifenden Steuerungsmodells zur zielgenauen und professionellen Steuerung des Spitzensports“ als prioritäres Vorhaben der Abteilung Sport im Ministerium.

          Geschäftsstelle für nichtolympische Sportarten kommt

          Das Verteidigungsministerium weist im Haushalt keine Kosten für 850 Förderstellen für Spitzenathleten plus 75 Dienstposten in 15 Sportfördergruppen der Bundeswehr aus. Diese wurden bislang auf gut 30 Millionen Euro geschätzt. „Sonstige Ausgaben zur Förderung des Sports“ in der Truppe werden mit 9,8 Millionen angegeben, eine deutliche Steigerung. Auch Bundespolizei und Zoll unterhalten Sportfördergruppen. Die 17 Olympiastützpunkte und knapp 200 Trainingszentren fördert das BMI mit 54,1 Millionen Euro.

          Für die Entlohnung von Leistungssportpersonal sind 53,7 Millionen Euro vorgesehen. Die Teilnahme von Olympia- und Perspektivkadern an Wettkämpfen und Lehrgängen soll mit 47,7 Millionen Euro unterstützt werden. Athletenförderung ist laut Haushaltsentwurf mit 11 Millionen veranschlagt. Dazu gehören sieben Millionen Euro unmittelbare Athletenförderung über die Stiftung Deutsche Sporthilfe sowie 2,7 Millionen für die Altersversorgung von Sportlerinnen und Sportlern, die nicht im Staatsdienst stehen. Athleten Deutschland wird weiterhin mit 450.000 Euro unterstützt.

          Noch in diesem Jahr soll die Geschäftsstelle für die nichtolympischen Sportarten kommen, das Stiefkind der Sportförderung. Die dafür vorgesehenen 800.000 Euro stehen zwar seit Jahren im Haushalt, doch konnten sich DOSB und die Verbände nicht auf die Einrichtung verständigen. Nun dringt der Bund darauf.

          Die Corona-Überbrückungshilfe für Profiklubs sinkt nach je 200 Millionen in den beiden Vorjahren auf 60 Millionen Euro. Die European Championships 2022 in München unterstützt der Bund in diesem Jahr mit 23,3 Millionen Euro, die Special Olympics World Games 2023 in Berlin mit 13 Millionen Euro. Die Universiade 2025 in Rhein-Ruhr kann mit knapp sieben Millionen rechnen, das Kulturprogramm der Fußball-Europameisterschaft 2024 mit 4,3 Millionen. Dopingbekämpfung schlägt im Haushalt mit 8,9 Millionen Euro zu Buche; davon gehen 6,5 Millionen Euro an die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn, 2,2 Millionen für Analytik an die Institute in Köln und Kreischa.

          Weitere 1,1 Millionen sind für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Montreal vorgesehen. Das Budget des Bundesinstituts für Sportwissenschaft wird mit 4,8 Millionen Euro veranschlagt. Darüber hinaus stehen für Forschung und Sportwissenschaft laut Haushalt bis 2026 6,4 Millionen Euro zur Verfügung. Der Haushaltsentwurf zeigt auch, dass der Sport nicht alle Fördertöpfe ausschöpft. Bis Ende 2020 seien Selbstbewirtschaftungsmittel in Höhe von 33 Millionen Euro nicht verbraucht worden.

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