https://www.faz.net/-gtl-71hqt

Hassan Moustafa : Eiserne Hand

Hassan Moustafa Bild: F.A.Z.

          1 Min.

          Er wird salopp „Pharao“ genannt, was schon einiges aussagt über seine Position als Sportfunktionär und sein Verständnis von Macht. Hassan Moustafa, der ägyptische Präsident des Internationalen Handball-Verbandes (IHF), gilt als unbeugsamer Alleinherrscher, er führt die IHF mit eiserner Hand.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und er wird deswegen immer wieder mit dem Schweizer Joseph Blatter verglichen, dem führenden Strippenzieher im Fußball. Man ist sich ja auch räumlich relativ nahe: Die IHF residiert in Basel, Moustafa soll ein Haus in Rheinfelden besitzen. Der Ägypter, Jahrgang 1945, hält sich seit dem Jahr 2000 im Amt - und er trotzte seitdem vielen Stürmen.

          „Ihr habe Europa verkauft“

          Immer wieder hatte der Funktionär der alten Schule, der - wie Kritiker behaupten - einen Hofstaat aus Jasagern um sich geschart habe, Verbündete gefunden, die ihm halfen, sich aus heiklen Situationen zu befreien. Zuletzt hatte der Luxemburger Jean Kaiser versucht, Moustafa vom Sockel zu stoßen.

          Doch bei den Wahlen beim IHF-Kongress 2009 in Kairo war er dem umstrittenen Ägypter, der einst in Leipzig Sportwissenschaften studiert hatte, deutlich unterlegen. Kaiser fühlte sich vor allem von den Europäern enttäuscht: „Ihr habt Europa verkauft.“ Es ist in der Ära Moustafa häufig um mögliche Manipulationen gegangen.

          Den Handball muss man polieren

          Um angeblich gekaufte Spiele, um angeblich bestechliche Schiedsrichter, um angeblich fragwürdige Finanztransaktionen, auch um einen nachlässigen Anti-Doping-Kampf - inmitten aller Turbulenzen stellte sich Moustafa stets als Ehrenmann dar. Betrug, Korruption, Untreue, merkwürdige Vergabe von Fernsehrechten? Moustafa, der sich staatsanwaltlichen Ermittlungen ausgesetzt sah und Durchsuchungen am IHF-Sitz, wies alle Anschuldigungen entrüstet zurück und sprach unter anderem von Racheakten.

          Moustafa kämpft. Nein, niemand soll ihn, der mit dem früheren ägyptischen Präsidenten Mubarak befreundet war, wirklich in die Enge treiben können. Ausgerechnet ihn, der so gerne von der „Handballfamilie“ spricht. Und den Handball an sich als einen Diamanten bezeichnet, den man nur polieren müsse, damit er zu einem Brillanten werde. Notfalls schafft der glänzende IHF-Chef das bestimmt auch allein.

          Lamine Diack: Vater und Sohn (von Michael Reinsch)
          Tamás Aján: Pillen-King (von Evi Simeoni)
          Hassan Moustafa: Eiserne Hand (von Rainer Seele)
          José Sulaimán: Gott macht Fehler (Hans-Joachim Leyenberg)
          Bernie Ecclestone: Der arme Pate (von Anno Hecker)
          Kirsan Iljumschinow: Böse Züge (von Stefan Löffler)

          Topmeldungen

          Der Angeklagte im Landgericht in Ellwangen

          In Rot am See : 15 Jahre Haft für Angeklagten nach Sechsfachmord

          Eine Familie kommt in einem Haus in Rot am See zur Trauerfeier zusammen. Dann knallt es plötzlich im Obergeschoss, immer wieder fallen Schüsse. Am Ende sind sechs Menschen tot. Auf den 27 Jahre alten Schützen wartet nun eine lange Haftstrafe.

          Gesichtserkennungs-Software : Jeder kann gefunden werden

          Die Gesichtserkennung wird immer besser. Jetzt sorgt das Angebot eines polnischen Start-ups mit 900 Millionen gespeicherten Gesichtern für Wirbel. Politiker fordern strengere Regeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.