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Gastbeitrag von Robert Harting : Das Ende des Vertrauens

  • Aktualisiert am

Ich halte mich mit öffentlicher Kritik an bestimmten Personen im internationalen Leichtathletik-Verband zurück. Denn wer positive Proben vertuschen kann, ist auch imstande, negative Proben zu manipulieren. Ich weiß, dass ich sauber bin. Doch wie soll ich in einem solchem System reagieren? Ein Doping-Anschlag ist sehr leicht auszuführen. Da hat ein Athlet kaum eine Chance sich zu schützen. Der Name ist sofort tot - all die Tränen, all der Schweiß, all diese ungeheuren Schmerzen nutzlos, nur weil man einem nicht passt. Das alles ist anscheinend möglich und verängstigt mich enorm. Ich habe keinerlei Belege dafür, dass so etwas schon geschehen ist. Aber es liegt doch nahe: Mit den einfachsten Manipulationen können Mitkonkurrenten oder missliebige Athleten ausgeschaltet werden.

Wir brauchen einen internationalen Anti-Doping-Fonds

Das System ist nicht in der Lage, solche unschuldigen Opfer zu schützen. Im Gegenteil: Je länger ein Verfahren dauert, desto mehr ist das System gegenüber dem einzelnen Athleten im Vorteil. Wer kann sich schon jahrelange Prozesse leisten, während er gleichzeitig auch noch gesperrt ist? Verbände könnten, sie sind ja Verfahrensgegner, allein dadurch siegen, dass sie Verfahren in die Länge ziehen. Ich glaube, in einer solchen Situation ist man der einsamste Mensch der Welt.

Sportlerinnen und Sportler, die ihr ganzes Leben in den Dienst ihrer Sportart stellen, die viel einbringen, um Deutschland international repräsentativ zu vertreten, haben es verdient, sich verteidigen zu können. Perikles Simons Forderung nach einer Gewerkschaft scheitert allein schon am Fördermodell in Deutschland. Achtzig Prozent der Athleten sind in einem gegenwartsorientierten Fördersystem - sie müssen weitermachen, Leistung bringen, um nicht von ihren nachdrängenden Konkurrenten ersetzt zu werden und ihren Platz im Kader zu verlieren. Unter solchen Umständen gibt es kaum Solidarität. Wer für seine Rechte eintritt, riskiert seine Karriere.

Was wir brauchen, ist ein internationaler Anti-Doping-Fonds. Länder sollten nicht nur freiwillig die Kontrollen und Analysen bezahlen - und sich ihnen selbstverständlich auch unterwerfen. Meine Idee ist, dass weltweite Kontroll-Ringe gebildet werden. Zum Beispiel einer aus China, Frankreich, Brasilien, Kanada und der Ukraine. Alle Kontrolleure in diesem Ring bekommen einen Diplomatenpass für die Länder, die sie kontrollieren. Dann würden etwa chinesische Kontrolleure ohne Formalitäten nach Frankreich reisen und die Athleten dort testen, während die französischen Kontrolleure in Brasilien testen. Die Brasilianer wiederum testen in Kanada, die Kanadier in der Ukraine und die Ukrainer in China, randomisierend eben. Vor allem sollten Verbände nicht selbst kontrollieren. Genauso sollten die Labore nicht einer nationalen Führung unterliegen. Diese Kontroll-Ringe würden alle zwei Jahre geändert, damit sich keine Seilschaften bilden. Länder, die nicht mitmachen, werden gesperrt. Wenn russische Athleten nur noch russische Meisterschaften austragen können und sonst nichts, versteht sogar ein Putin, dass er das Kontrollsystem unterstützen muss.“

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