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DFB und DFL : Harmonie in der Kampfzone

Spitzenmann ganz leger: Fritz Keller kommt mit Rucksack zur Generalversammlung der DFL. Bild: EPA

Der designierte DFB-Präsident Fritz Keller erfährt überwältigende Zustimmung von den Profis und den Amateuren. Aber die Kleinen im Profifußball setzen den Großen zu.

          4 Min.

          Der Ort, den die Deutsche Fußball Liga (DFL) für ihre Generalversammlung in Berlin ausgewählt hatte, hätte angesichts der Graben- und Stellungskämpfe im deutschen Profifußball kaum passender sein können: gegenüber dem Verteidigungsministerium. Die Präsentation des designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller wenige Stunden später wiederum hätte in der Halle der Harmonie stattfinden können. So unterschiedlich waren die Stimmungsbilder im deutschen Fußball an einem Tag jedenfalls selten. Doch nach den DFL-Wahlen am Mittwoch und vor der Kür des neuen Präsidenten im Deutschen Fußball-Bund (DFB) im September steht eines jetzt schon fest: Der deutsche Fußball wird nach den jüngsten Personalrochaden und den kühl kalkulierten und tiefgreifenden Strukturveränderungen ein anderer sein. Einer mit erheblichen Macht- und Akzentverschiebungen, vermutlich auch mit neuen Machtkämpfen am gar nicht so fernen Horizont.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zwei Tendenzen zeichnen sich ab: Während sich die Blicke der Öffentlichkeit zuletzt vor allem auf den designierten DFB-Präsidenten Keller richteten, der sich nun auch als gemeinsamer Kandidat des Amateur- und Profifußballs offiziell zur Wahl stellen wird, haben die Organisatoren der neuen Machtverhältnisse im DFB um Vizepräsident Koch (und Generalsekretär Curtius) ihren Einfluss nach dem Rücktritt von Grindel im April offenkundig weiter gestärkt – ebenso wie DFL-Geschäftsführer Seifert, dem nun alleinigen Mann an deren Spitzen. Koch und Seifert demonstrierten bei der Vorstellung von Keller als gemeinsamem Kandidaten auch demonstrative Einigkeit zwischen den beiden oftmals rivalisierenden Verbänden – doch gleichzeitig droht in der DFL nach den internen Wahlen sowie dem Rückzug des stets integrierend wirkenden Liga-Präsidenten Rauball ein alter Konflikt aufzubrechen: zwischen den Topklubs FC Bayern und Borussia Dortmund sowie den mittleren und kleineren Profiklubs, die in Berlin einen Sieg bei der Postenverteilung feierten.

          Keller betont Gemeinsamkeit

          Doch der Reihe nach, zunächst zum künftigen DFB-Präsidenten. „Es war zunächst ein kleiner Schock“, sagte Keller über seine erste Reaktion auf die Frage der Findungskommission nach einer Kandidatur. „Doch wenn die alle glauben, dass ich etwas verbessern und mich einbringen kann, dann mache ich das“, sagte der langjährige Präsident des SC Freiburg bei seiner Vorstellung. Er blicke nach überwältigender Zustimmung von Profis und Amateuren auf eine überzeugende Findungsphase zusammen mit dem DFB und der DFL zurück – und stellte fest: „Nur gemeinsam geht’s.“

          Stehend dargebrachte Ovationen für den Ehrenpräsidenten: Die  Generalversammlung würdigt Reinhard Rauball.

          Keller hat sich vorgenommen, die neue DFB-Struktur mit großem Einsatz operativ mitbestimmen zu wollen. Er stelle sich seine Arbeit in dieser Beziehung dann aber irgendwann so vor wie beim SC Freiburg, mit viel Freiraum für einzelne Abteilungen. „Der DFB ist keine One-Man-Show. Sie können Menschen nur mitnehmen, wenn Sie ihnen Freiräume geben.“ Der designierte DFB-Präsident, der am 27. September mit großer Mehrheit gewählt werden dürfte, sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit eindeutig im „nationalen Bereich“. Der Frage nach möglichen Veränderungen des finanziell bedeutenden und teilweise umstrittenen Grundlagenvertrags wegen angeblich gedeckelter Zahlungen an den Profifußball zwischen DFB und DFL wich er aus.

          Eindeutig war Keller in einem anderen zentralen Punkt: Die internationale Vertretung des DFB in der Uefa und Fifa soll, falls die Chance dazu besteht, künftig Vizepräsident Koch übernehmen. Der könnte dann als DFB-Vizepräsident und internationaler Delegierter auf europäischer oder globaler Ebene zum wohl einflussreichsten deutschen Fußballfunktionär aufsteigen – und dies mit Segen der DFL-Führung. Ob in diesen Gremien Keller, Koch oder Seifert sitze, sei nicht entscheidend, behauptete Seifert. Es gehe vielmehr darum, den deutschen Einfluss, der in den vergangenen Jahren international geschwunden sei, wieder zu stärken. Er halte diese Arbeitsteilung zwischen Keller und Koch daher für sinnvoll.

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