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Hamburgs Sportsenator Neumann : „Ohne die Spiele erleben wir eine Monokultur“

Haben Sie dafür die „Allympics“ erfunden? Eine hübsche Idee, der zufolge ein paar Stunden vor dem Sprint-Finale auf der Bahn des Olympiastadions die Bundesjugendspiele stattfinden.

Das war überspitzt formuliert. Aber das ist die Grundidee. Wenn man dem Anspruch der olympischen und paralympischen Bewegung gerecht werden will, nur in Städte zu gehen, in denen man gewollt ist, und nicht wie ein Ufo einzuschweben und weiße Elefanten zurückzulassen, muss man über solche Dinge sprechen. Ich fände es faszinierend, wenn Hamburger Schulen am Tag nach den Leichtathletik-Wettbewerben im Olympiastadion ihre Bundesjugendspiele feiern.

Ist Schulkindern Olympia schnuppe?

In Hamburg ist das jedenfalls nicht so. Wir haben unsere Pläne vor ein paar Tagen den Hamburger Schülerzeitungen vorgestellt. Da waren einige übrigens besser informiert als manche ihrer älteren, professionellen Kollegen. Da kam natürlich die Frage: Ist schulfrei während der Spiele? Die Antwort war einfach: Wer heute anfängt zu trainieren, hat die Chance, in zehn oder vierzehn Jahren bei den Spielen in seinem Heimatland Deutschland zu vertreten. Dafür gibt’s garantiert frei. Auch mit dieser Perspektive kann man Kinder für die Spiele einnehmen.

Feuer und Flamme: Hamburgs Innensenator Michael Neumann

Was glauben Sie, wie viele Hamburger beim Endlauf über 100 Meter oder - vielleicht werden Athleten aus Hamburg mitspielen - beim Hockey-Endspiel überhaupt leibhaftig dabei sein können?

Ein Hockey-Endspiel ohne Hamburger Beteiligung kann ich mir nicht vorstellen. Aber in Wahrheit ist die Frage gar nicht entscheidend. Die Fußball-WM war in Hamburg eine große Party, obwohl die Hamburger Vereine nicht in Jogi Löws Kader vertreten waren. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war ja vor allem außerhalb der Stadien ein Sommermärchen. Das Gefühl, Gastgeber der Welt zu sein, hängt nicht davon ab, ob jemand im Stadion ist oder nicht. Und selbst im Stadion Usain Bolt oder, wie in meiner Jugend, Ulrike Meyfarth mit eigenen Augen zu sehen ist richtig schwierig, je nachdem, wo man sitzt. Unter objektiven Gesichtspunkten verfolgt man viele Sportarten am besten im Fernsehen. Das Stadion schafft das Gefühl der Gemeinsamkeit, Teil der 70.000 zu sein, die gerade Mittelpunkt der Welt sind. Wir wollen deshalb neben der Hardware Stadion die Software schaffen, mit der die Zuschauer im Stadion und außerhalb bestimmen können, wen sie sehen, was sie verfolgen.

Verlangt das IOC nicht ein bisschen viel, wenn es Steuerfreiheit vom Gastgeber der Spiele verlangt und dass der Ausrichter das finanzielle Risiko trägt?

Als Kaufleute haben wir Hamburger lange Erfahrungen mit Handelspartnern in der ganzen Welt. Das bekommen wir ordentlich hin. Alles wird nach unserem Transparenzgesetz öffentlich sein.

Das muss die größte Show auf Erden Hamburg und Deutschland wert sein?

Olympische Spiele finden nicht nur statt, damit wir zugucken können. Sie finden in erster Linie statt, damit die besten Sportlerinnen und Sportler sich treffen und messen. Wir haben das Glück, zuschauen zu dürfen. Wir zeigen Freude, Respekt und Dankbarkeit gegenüber den Athleten, indem wir sie mit einem Fest in der ganzen Stadt willkommen heißen.

Sie streben eine Machtverschiebung im Unterhaltungskonzern IOC an hin zum Ensemble?

Ich teile Ihre Bewertung des IOC nicht. Wenn Deutschland die Gelegenheit bekommen sollte, dieses Konzept zu realisieren, werden die Mitglieder des IOC begreifen, welches Potential das hat.

Berlin hat mit reihenweise Sportveranstaltungen überzeugt, von der Leichtathletik-WM 2009 und der Schwimm-EM 2014 - die ursprünglich nach Hamburg vergeben war bis zur Basketball-Europameisterschaft und dem Endspiel der Champions League in diesem Jahr. Hat Hamburg da nicht ein Defizit?

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