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Hamburgs Olympia-Pläne : Ein Stadion mit Blick auf die City

Die Vision: Ein Olympia-Stadion mit Blick auf die Elbe Bild: dpa

Hamburg stellt seine ersten Pläne für die Olympischen Spiele 2024 vor. Nachnutzung ist das Leitmotiv. Der „Sprung über die Elbe“ findet sogar Respekt bei Olympia-Gegnern. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

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          Ein Olympia-Stadion mit Blick auf die Elbe, die lebendige Hafencity und die Silhouette der Innenstadt. Dazu eine Schwimmhalle direkt am Hamburger Elbufer. „Das unterscheidet Hamburg von seinen Wettbewerbern“, sagt Nikolaus Goetze vom Sportstätten-Planer gmp international. Hamburg will sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Vier Varianten für die Anordnung der Sportstätten auf der Insel Kleiner Grasbrook mitten im Hafen der Stadt hat Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) mit Vertretern der Planungsbüros am Dienstagabend in Hamburg vorgestellt. „Die Hamburger Olympiabewerbung verfolgt ein Konzept, das die Bewerbung auch im internationalen Vergleich zu etwas sehr Besonderem macht“, sagte die Senatorin. „Es ist schon einmalig, mit den Spielen so im Herzen der Stadt zu liegen, dass man in wenigen Minuten zu Fuß von Sportstätte zu Sportstätte laufen könnte.“

          Das Herzstück von Hamburgs olympischen Idee: „Olympic City“ auf dem Kleinen Grasbrook

          Tatsächlich haben die Entwürfe, die vorgestellt worden sind, sogar manchem Olympiagegner unter den gut 650 Hamburgern Respekt abgenötigt, die zur Präsentation der Entwürfe gekommen waren. So erlauben Entwürfe des möglichen Olympiastadions mit seinen 70.000 Plätzen den freien Blick der Zuschauer in Richtung Elbe, Innenstadt und Elbphilharmonie, wenn es nicht – wie in einem der anderen Entwürfe - mit einem imposanten Dach überspannt wird.

          Nach den Spielen soll das Olympia- zu einem reinen Leichtathletik-Stadion mit rund 20.000 Plätzen zurückgebaut werden. Möglich ist dabei, die oberen Ränge ganz abzutragen. Es wurden aber auch Pläne vorgestellt, die Tribünen zu modernen Terrassen-Wohnungen umzubauen und aus dem Innenraum des Stadions einen Sportpark zu machen.

          Die drei wichtigsten Sportstätten – Olympiastadion, Olympiahalle und Schwimmstadion – werden nach den Plänen alle auf dem Kleinen Grasbrook gebaut. Dazu kommt das Olympische Dorf. Heute wird das Gelände von der Hafenwirtschaft genutzt. Es dient auch als Verladeterminal für Autos. Vor allem Vertreter der dort ansässigen Unternehmen äußerten deswegen bei der Vorstellung auch Skepsis an den Plänen. Sport-Staatsrat Christoph Holstein sicherte den Unternehmen Ausgleichsflächen zu. Der Hafen sei das wirtschaftliche Herz Hamburgs, sagte er.

          Nachnutzung der Olympiastätten als Leitmotiv

          Kritische Fragen nicht nur der Hafenwirtschaft zeigten aber deutlich, dass der für den 29. November angesetzte Volksentscheid über die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024 kein Selbstläufer wird. „Konsensfindung ist ein anspruchsvolles Unterfangen“, sagte Holstein.

          Kamaraperspektive inklusive: Der Sprung über die Elbe als städtebauliche Grundidee

          Stapelfeld und die Planungsbüros bemühten sich deswegen auch sehr, den Hamburgern zu zeigen, wie der Kleine Grasbrook nach Olympischen Spielen weiter genutzt werden soll. „Nachnutzung ist das Leitmotiv“, sagte Kees Christiaanse vom holländischen Entwurfsbüro für Architektur und Städte-bau KCAP. „Wir machen das nicht nur für die drei Wochen Olympiade, sondern für die Nachnutzung.“

          Der Kleine Grasbrook soll dabei ein neuer, lebendiger Stadtteil werden, der gleichzeitig eine Brücke über die Elbe von der Innenstadt und der pulsierenden Hafen-City in die benachteiligten Stadtteile Wilhelmsburg und Veddel im Südosten der Hansestadt bilden soll. Dieser „Sprung über die Elbe“ ist seit langem schon eine Idee der Hamburger Stadtplaner. Die „Olympic City“ auf dem Kleinen Grasbrook solle diesen Sprung über die Elbe bekräftigen, sagte Nikolaus Goetze vom Sportstättenplaner gmp international. 

          Die Gegner: Angst vor Gentrifizierung und Verdrängung der Bewohner

          Neben innerstädtischen Wohnung soll es auf der Insel – die über Brücken mit anderen Stadtteilen verbunden ist – mit nah gelegenen U-Bahnen auch Gewerbe geben. Die Olympia-Halle soll nach den Spielen zu einem neuen Terminal für Kreuzfahrtschiffe umgebaut werden und Platz für zwei Schiffe bieten. „Der Anspruch an Fläche ist fast identisch“, sagte Goetze und wies darauf hin, dass sich die Hansestadt immer stärker zu einer „Stadt des Kreuzfahrtgeschehens“ entwickle. Nicht für alle waren das gute Nachrichten. Olympia-Gegner, die vor der Halle protestierten, warnten vor steigenden Mieten und einer Gentrifizierung und Verdrängung der Bewohner in Veddel und Wilhelmsburg.

          Stapelfeld sagte, Hamburg wolle eine „moderne Bewerbung“ beim Internationalen Olympischen Komitee abgeben, die auch Entwicklungsperspektiven für einen neuen Stadtteil inmitten Hamburgs zeigt und dabei auch den Fortbestand des Hafens sicherstellt. Oberbaudirektor Jörn Walter sagte, diesen neuen Stadtteil jetzt so zu planen, „dass er gleichzeitig auch hervorragend geeignet ist, Olympische und Paralympische Spiele zu beherbergen ist unsere Herausforderung und Ansporn.  Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, war zwar nicht bei der ersten öffentlichen Präsentation der Pläne für Olympia, er ließ aber wissen: „Das sind interessante erste Ansätze, die Vorfreude und Emotionen wecken. Durch diese Bilder wird die Bewerbung er-lebbar“.

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