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Olympiabewerbung 2024 : Hamburg ist mehr Feuer und Flamme als Berlin

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch für Hamburg: Innensenator Michael Neumann (SPD) dürfte sich heute genauso freuen wie auf dem Bild aus dem Dezember Bild: dpa

Im Kampf um die deutsche Olympiabewerbung ist Hamburg Berlin einen kleinen Schritt voraus. Bei Umfragen in beiden Städten sprachen sich mehr Hanseaten als Haupstädter für eine Kandidatur aus. Die Entscheidung ist damit aber noch nicht gefallen.

          Hamburg hat auf dem Weg zu seiner Nominierung als deutscher Olympiabewerber für die Sommerspiele und die Paralympics 2024 und 2028 einen großen Sprung gemacht. Bei der Umfrage durch das Institut Forsa votierten 64 Prozent der befragten Hamburger für das Olympiaprojekt. Unter den 1500 befragten Berlinern stimmten 55 Prozent für eine Bewerbungskampagne der Hauptstadt. Das Umfrageergebnis war vor der Bekanntgabe als sehr wichtiges Kriterium für die Wahl des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bezeichnet worden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Es hätte Konstellationen gegeben können, dass man eine Vorentscheidung auf der Hand liegen hat. Das Ergebnis lässt aus unserer Sicht eine Entscheidung für beide Städte zu. Die Befragung müssen wir nun in das große Gesamtbild einbetten“, sagte DOSB-Präsident Hörmann am Dienstag nach der Präsidiumssitzung in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Sein Präsidium wird am kommenden Montag, nach der Anhörung der Fachverbände am Sonntag und der Beratung durch Honoratioren aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur seine Empfehlung bekannt geben.

          Daran dürfen sich nur neun der zehn Mitglieder beteiligen, weil sich Gudrun Doll-Tepper für befangen erklärt hat. Sie ist Vize-Präsidentin des Landessportbundes Berlin. Alle anderen Präsidiumsmitglieder hätten ihre Unbefangenheit „nachgewiesen“, fügte Hörmann hinzu. Das Votum des DOSB-Präsidiums soll von der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB am 21. März in Frankfurt bestätigt werden.

          Neben den Ergebnissen der Bürgerbefragung werden im Findungsprozess weitere zwölf Kriterien bewertet. Dazu gehört unter anderem die Begründung der Städte für ihre Bewerbung mit Blick auf das Ausland, die Stadtentwicklung, ökologische und soziale Nachhaltigkeit und nicht zuletzt die Finanzierung der Bewerbung (geschätzt 50 Millionen Euro) sowie der Spiele. Eine private Finanzierung, wie unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefordert, ist voraussichtlich nicht umsetzbar.

          Hamburg galt schon vor der Bekanntgabe der Forsa-Umfrage als favorisiert. Bei einer Befragung im vergangenen September hatte die Hansestadt (53 Prozent) die Kapitale Berlin (48) „geschlagen“. Auch die Wachstumsrate (11:7 Prozent) spricht in dieser Kategorie für die Norddeutschen. Entsprechend groß ist der Unterschied bei den Ablehnungen. In Berlin fiel die Zahl von 49 auf 39 Prozent, in Hamburg von 44 auf 32.

          Auch Berlin brennt auf Olympia - aber etwas weniger als Hamburg

          Hörmann stimmte der Bewertung, Hamburg läge in der Kategorie vorne, zu: „Jede andere Interpretation wäre falsch. Aber Berlin hat sich erkennbar auf den Weg gemacht. Es ist keine Vorentscheidung gefallen. Es wird keine leichte Entscheidung werden.“ Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller betrachtet die Abstimmung als Schub: „Die Zahlen belegen, was in den letzten Wochen immer stärker an Rückenwind für das Projekt Olympia und Paralympics in Berlin zu spüren war: eine klare Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner will die Spiele.“ Dagegen glaubt Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus, nicht an den Erfolg: „Der Senat hat die Berliner wenig überzeugt. Die Menschen treibt die Sorge um, ob sich unsere Stadt Olympia leisten kann“ (Weitere Reaktionen zu den Umfrage-Ergebnissen lesen Sie hier.)

          Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz gab sich dagegen zuversichtlich. „Die heute vorgelegten Zahlen sind ein Schritt hin zu einer deutschen Olympia-Bewerbung. Sie sind auch ein großes Kompliment für alle, die den Traum von Spielen an Alster und Elbe wahr machen wollen und dafür hart arbeiten“, sagte der SPD-Politiker. Auch der Sport glaubt, dass die Stimmung in Deutschland wieder reif ist für Olympia nach der Pleite mit Münchens Bewerbung um die Winterspiele 2022: „Die Athleten würde es freuen“, sagte Ole Bischof, Olympiasieger im Judo und inzwischen Vize-Präsident für Leistungssport: „Egal, welche Stadt es wird.“

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