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Konkurrent von Hamburg : So plant Paris für Olympia 2024

Auf dem Champ-de-Mars soll Beachvolleyball gespielt werden Bild: Picture-Alliance

Hamburgs Konkurrent Paris wird derzeit als Favorit auf Olympia 2024 angesehen. Nun zeigen sich erste Konturen, wie die Spiele aussehen sollen. Helfen soll ein Berater, der schon an Qatars Fußball-WM-Bewerbung beteiligt war.

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          Schon die Adresse des Ereignisses atmet Geschichte: 1 avenue Pierre de Coubertin im 13. Arrondissement von Paris. Hier residiert direkt neben dem Stadion Sébastian Charléty das Nationale Olympische Komitee (NOK) Frankreichs, und hier sind am Dienstag unter einer Bronzestatue des Begründers des modernen Olympias 150 Sportler und Offizielle zusammengekommen, um die Kandidatur von Paris für die Spiele von 2024 auf den Weg zu bringen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Über den Termin der Veranstaltung war eine Weile debattiert worden. Wäre nicht der Nationalfeiertag des 14. Juli das bessere Datum? Doch die Kandidatur soll möglichst wenig Staatstragendes haben. „Beim letzten Mal stand die Politik zu sehr im Vordergrund. Sportler waren auch dabei, doch die wurden kaum wahrgenommen“, sagte der ehemalige Ruder-Olympiasieger Sébastien Vieilledent.

          Zu viel Geschichte wäre hinderlich. Denn die Vergangenheit brachte drei gescheiterte Bewerbungen – 1992, 2008 und 2012. Heute blickt man nach vorne und gibt sich locker und fröhlich statt steif und feierlich wie damals. Die Eröffnungsveranstaltung war daher wenig durchgeplant, sondern hatte, begleitet von einer gutgelaunten Fernsehmoderatorin, eher spontanen Charakter. „Ich finde, wir sollten jetzt alle gemeinsam einen Tweet zur Unterstützung von Paris rausschicken“, rief sie irgendwann ins Mikrofon, und fast alle tippten auf ihren Handys herum. Politiker sprachen nur ganz kurz. Bald darauf klirrten die Champagnergläser.

          Im Pool der anderen Kandidaten Hamburg, Boston, Rom und Budapest wird Paris heute als Favorit angesehen. Dass Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das Angebot von Paris kürzlich als „sehr, sehr stark“ beschrieb, haben die Franzosen aufmerksam registriert.

          Stade de France im Zentrum der Veranstaltungen

          „Paris liegt einen Schritt vorne“, meint das Nachrichtenmagazin „Le Point“ und weist darauf hin, dass die Pariser Spiele voraussichtlich nicht so teuer kämen wie die anderen, denn viele Anlagen seien schon da. Zudem stehe die Bevölkerung hinter der Bewerbung. In der Tat haben sich nach einer Umfrage 79 Prozent der Einwohner des Großraums Paris für eine Kandidatur ausgesprochen. Schon fast vergessen ist, dass die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo erst gegen eine Bewerbung war und von Präsident François Hollande umgestimmt werden musste.

          Auf der Facebook-Seite einer Protestinitiative wurde nur 286 Mal auf „Gefällt mir“ geklickt. Nach einer anderen Umfrage sollen sogar 40 Prozent der Franzosen bereit sein, jeweils einen Euro zu spenden. Damit könnten die auf 60 Millionen Euro geschätzten Kosten der Kandidatur schon zu einem großen Teil abgedeckt werden. Wenn Paris dann den Zuschlag bekommen sollte, entstünden nach Schätzungen der Organisatoren rund 6 Milliarden Euro an Kosten.

          Stadt der Liebe – Stadt der Spiele? Paris eröffnet die Bewerbungskampagne

          Rund die Hälfte soll dabei für neue Infrastruktur ausgegeben werden, vor allem den Bau des Olympischen Dorfes und einer neuen Schwimmhalle. „Wahrscheinlich käme das Olympische Dorf nach Seine-Saint-Denis“, das soziale Brennpunkt-Departement nördlich von Paris, wie der sozialistische Regionalratspräsident Jean-Paul Huchon sagte. Dem Olympischen Komitee gefällt der Wohnungsbau in problembehafteten Gegenden, weil er zumindest das Potential hat, Spannungen abzubauen.

          Bis September wollen die Pariser ihre Kandidatur noch präziser ausgestalten. Heute zeichnen sich aber schon die Konturen ab. So würde das Stade de France im Zentrum der Veranstaltungen stehen, zumindest für die Leichtathletik und die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung. Fußball könnte zudem im Prinzenparkstadion gespielt werden, der Heimat von Paris-Saint-Germain.

          Eine Beachvolleyball-Kulisse für Fotografenherzen

          Tennis käme selbstverständlich in die Anlage von Roland-Garros, und das Hallen-Radfahren in einen Neubau in Saint-Quentin-en-Yvelines westlich von Paris. Fechten dürfte im ebenso stilvollen wie traditionsreichen Grand Palais stattfinden und Bogenschießen auf der großen Wiese vor dem Invalidendom. Auch für Beach-Volleyball stellen sich die Pariser eine Kulisse vor, welche die Fotografenherzen höher schlagen lassen dürfte: Das Champ-de-Mars am Eiffelturm.

          Gerüstet mit solchen Trümpfen, zieht Paris selbstbewusst in den Wettbewerb. Niemand will jedoch den Eindruck von Siegesgewissheit vermitteln. Auch bei der Kandidatur um die Spiele von 2012 galt die französische Metropole als Favorit und unterlag dann London. Man habe damals durch Arroganz gesündigt, sagt ein Teilnehmer des damaligen Organisationsteams.

          Auch die Jugend von heute will die Spiele von morgen

          Kurz vor der Eröffnung wurde bekannt, dass Paris sich diesmal die Dienste des britischen Spin-Doktors Mike Lee gesichert hat, der damals für den Sieger London arbeitete. Lee führte als Berater auch Rio 2016 und Pyeongchang 2018 zum Erfolg. Und auch am Gewinn der Fußball-WM 2022 durch Qatar war Lee beteiligt. Vergleiche mit den Wettbewerbern wollte in Paris niemand ziehen. „Dafür ist es viel zu früh,“ sagte der Präsident des NOK, Denis Masseglia. „Außerdem wäre es falsch, wenn wir unsere Kandidatur nach der anderer Städte ausrichteten“.

          Auch er will nicht lange reden, sondern schiebt lieber die zwei Galionsfiguren der Pariser Kandidatur nach vorne: den früheren Kanuten Tony Estanguet und den Rugby-Funktionär Bernard Lapasset. Letzterer hat nach eigenen Worten alle Parteien, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften getroffen. Er glaubt, dass die Gewerkschaften, anders als im Fall 2012, nicht gerade dann wieder streiken, wenn das IOC zu Besuch ist: „Als wichtigstes Ziel sehe ich es an, alle Franzosen hinter die Kandidatur zu bringen. Dabei kommen wir gut voran.“

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