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Hall of Fame : Die guten Geister

Gretel Bergmann-Lambert: Von den Nazis und deren Rassenwahn aus dem Rennen genommen Bild: Bildarchiv Pisarek / akg-images

Vorhang auf für ein neues Stück: Die Hall of Fame öffnet sich und nimmt fünf „Antihelden“ auf, an deren Brust kaum Lametta hängt. Das hätten viele dem deutschen Sport nicht zugetraut. Und die guten Geister, die die Sporthilfe damit rief, wird sie nicht mehr los.

          Was bringt in Schulden? Harren und dulden! Was macht gewinnen? Nicht lange besinnen! Was bringt zu Ehren? Sich wehren! Johann Wolfgang von Goethe

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wer sind die deutschen Sporthelden? Menschen, die uns unvergessliche Glücksmomente beschert haben. Schmeling in New York beim Sieg über Joe Louis, Rahns Tor zum Wunder von Bern, Sparwassers Sieg-Treffer gegen die BRD, Beckers erster Wimbledon-Coup, Kati Witts goldene Kür in Calgary: Bilder, Gesichter, Namen, Szenen, Triumphe, die unter die Haut gingen. Man wuchs damit auf, man weiß genau, wo man war, als es geschah. Das sind unlöschbare Standbilder im kollektiven Gedächtnis, die Generationen parat haben und die diese Nation verbinden. Weißt du noch?

          „Der Sport ist das letzte Refugium für Heldentum“, sagt der Philosoph Gunter Gebauer. Politiker kommen schon lange nicht mehr für die Rolle in Frage, der letzte Wirtschaftsheld, Mark Zuckerberg, verliert seit dem Börsengang von Facebook dramatisch an Wert. „Generäle haben bei unserer Vergangenheit kaum eine Chance“, sagt Gebauer, „aber auf dem Sportfeld blüht die Verehrung.“ Weltweit ist das so. Die Amerikaner pflegen für fast jede Sportart eine Heldengedenkstätte. Seit 2006 gibt es nun eine „Hall of Fame“ in Deutschland, von der Stiftung Deutsche Sporthilfe ins Leben gerufen.

          Die Athleten sollen auch nach der Karriere eine größere Rolle spielen, immer wieder präsent sein. Ein, zwei Klicks, und sie stehen vor dem Betrachter in einer virtuellen Walhalla. Mit der Einrichtung der Ruhmeshalle - die nun 72 Mitglieder hat - zielt die Sporthilfe auf eine Stärkung der gesellschaftspolitischen Akzeptanz des Sports, auf eine größere Unterstützung. Deshalb wurden in den ersten Jahren bekannte Größen gewählt, viele Wessis, wenige Ossis. Manche sind mit Doping oder politischen Verfehlungen belastet. Aber fast alle eint bedeutender Erfolg in der Kampfbahn. Gold am Hals verschaffte ihnen Eintritt.

          „Der Sport war mein Leben, sie haben es mir genommen“

          Am Freitag aber sind in Berlin fünf ehemalige Sportler in die Hall of Fame aufgenommen worden, an deren Brust kaum Lametta hängt. Nicht die typischen Helden, die berühmten Figuren, eher Unbekannte: Gretel Bergmann-Lambert? Als eine der besten Hochspringerinnen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin von den Nazis und deren Rassenwahn aus dem Rennen genommen, in die Flucht geschlagen, für immer der Heimat entwurzelt: „Der Sport war mein Leben, sie haben es mir genommen.“

          Wolfgang Lötzsch? Auf dem Weg zum Radstar der DDR brutal ausrangiert, ausgebremst, von 50 Stasi-Schergen beobachtet und verfolgt, ins Gefängnis geworfen. Hunderte von Siegen konnten sie nicht verhindern. Hans Lenk? Auf dem Weg zum wichtigsten Nachdenker des deutschen Spitzensports der vergangenen Jahrzehnte überhört und in die geistige Emigration getrieben, weg vom „Systemzwang dieser Ellenbogenwettbewerbsgesellschaft“.

          Wolfgang Lötzsch: Auf dem Weg zum Radstar wurde er brutal ausrangiert und ausgebremst

          Antje Misersky und ihr Vater Henrich? Auf ihrem Weg eines sauberen Spitzensports von Doping-Systematikern hart bedrängt, davongejagt, gedemütigt. Die Schmähungen halten an. Vor ein paar Wochen noch hat der Thüringer Misersky einen anonymen Brief erhalten. Er kämpft gegen Doping, seit er in den sechziger Jahren von Aufputschmitteln als Beschleunigern erfuhr: „Ich war der Meinung, dass meine Sportkameraden im Westen sauber seien. Ich wollte fair bleiben.“

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