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Seehofers Investment für Sport : Code Gold-Plan

Horst, der Starke? August, der Gleichnamige, setzte aufs Pferd, Seehofer auf eine goldene Zukunft für und mit dem Sport. Bild: dpa

Bundesinnenminister Seehofer überrascht mit dem Angebot, die Sportstätten im ganzen Land modernisieren zu wollen. So ein Milliardenprojekt soll der Gesellschaft dienen.

          4 Min.

          Die Dinge müssen von Herzen kommen, sagte der Minister: „Damit sie gelingen können.“ Applaus für Horst Seehofer von einem Plenum, das ohne Herzblut bei der Organisation des Sports in Deutschland längst auf der Strecke geblieben wäre. Der Bundesinnen- und Sportminister von der CSU traf den Nerv der meisten Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auf der Mitgliederversammlung am Samstag in Frankfurt, als er mit leichter Hand und lockerer Zunge eine große Perspektive anbot. Nein, nicht zuerst die Aussicht auf ein nationales Programm für Olympische Spiele in der Heimat. Nice to have, das wäre ganz schön. Seehofer scheint etwas anderes am Herzen zu liegen. Etwas größeres, neudeutsch „Nachhaltigeres“ für die Seele der (aktiven) Sportfreunde: einen goldenen Plan.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Etwa den Goldenen Plan? Altgediente Sportfunktionäre, nicht die kleinste Gruppe unter den Gestaltern, leuchteten die Augen. Der „Goldene Plan“ ist das Code-Wort für die Entwicklung der jungen Bundesrepublik zur Sportnation. Dahinter steckte nicht Olympiagold, nicht das Drama von Sieg oder Niederlage im kollektiven Gedächtnis, sondern zuerst ein Sportstättenförderprogramm: der Sportplatz auf dem Dorf, das Schwimmbad um die Ecke, die Turnhalle, mit Segen von Kanzler Konrad Adenauer selig, 1953 von der Deutschen Olympischen Gesellschaft initiiert, von 1960 an umgesetzt. 37,4 Milliarden Deutsche Mark investierten die Steuerzahler und brachten sich damit segensreich in Bewegung. Von 1993 profitierten die fünf neuen Bundesländer vom Goldenen Plan Ost mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 300 Millionen Euro.

          Geber: Bundesinnenminister Horst Seehofer, hier bei der DOSB-Mitgliederversammlung in Frankfurt

          „Sie wissen“, rief Seehofer in den Saal, „zweimal hatten wir einen Goldenen Plan, das waren ganz erfolgreiche Operationen. Wir überlegen im Bundesinnenministerium, gemeinsam mit Ihnen einen neuen Goldenen Plan aufzulegen. (...) Ich bin bereit, in sehr überschaubarer Zeit, eine Konzeption zu entwickeln, wie so ein Plan realisiert werden kann.“ Und weil des Ministers Wunsch, wie er launig vortrug, in seinem Ministerium als Auftrag verstanden werde, entstand eine Bindung zwischen denen da oben in Berlin und jenen, die unten täglich sehen, wo der Schuh drückt. „Das wäre ein Ding, wenn eine Goldner Plan durchgesetzt werden könnte“, sagte Rolf Müller, Präsident des Hessischen Landessport-Bundes, und seit mehr als fünfzig Jahren im Vorstand eines Vereines: „Die (Vereine) haben ganz andere Sorgen als Olympia.“

          Es gingen Herzen auf im Saal des Kap Europa. Weil Funktionäre mit intensivem Basis-Wissen von der Wirkung selbst kleiner Gaben auf die Stimmung in den Kernzellen des Sports überzeugt sind. „Sie glauben gar nicht, wie dankbar ein Vereinsvorsitzender schon für 1000 Euro ist“, erzählt Christoph Niessen, Vorstand des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Der Goldene Plan als brillanter Schachzug, Lethargie, Verdruss und Protestwählern mit einem Aufschwung zu begegnen? Seit vielen Jahren verweist der organisierte Sport auf marode Sportstätten, bittet um Hilfe bei Modernisierungen, skizziert die veränderten Interessen der Mitglieder vor dem Hintergrund anderer Bewegungsformen und die dringend nötige Anpassung.

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