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Die Fifa hält still : Infantino bleibt trotz Strafverfahren Präsident

Gianni Infantino: Strafverfahren gegen ihn läuft, suspendiert wird er nicht. Bild: AP

Gegen Gianni Infantino läuft in der Schweiz ein Strafverfahren. Laut Regelwerk könnte der Fifa-Chef sofort für 90 Tage provisorisch suspendiert werden. Doch der Fußball-Weltverband tut wie so oft: erstmal nichts.

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          Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hat sich bisher nicht zur Frage geäußert, ob seine Ethikkommission nach der Eröffnung eines Strafverfahrens der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen seinen Präsidenten Gianni Infantino selbst eine Untersuchung aufnehmen wird. Laut Regelwerk könnte der Fifa-Chef sofort für 90 Tage provisorisch suspendiert werden. Auf Anfrage wollte die Fifa in Zürich dazu keinen Kommentar abgeben.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Schweizer Anti-Korruptions-Experte und frühere Governance-Beauftragte der Fifa, Mark Pieth, sagte dieser Zeitung, die Logik der Ethikregeln sei, dass Funktionäre der Fifa, gegen die ein Strafverfahren laufe, in den Ausstand müssten. So war Infantinos Vorgänger Joseph Blatter im Herbst 2015, als öffentlich wurde, dass die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn aufgenommen hatte, von den damaligen Fifa-Kontrolleuren zunächst für drei Monate seiner Aufgaben enthoben. Später erhielt Blatter eine sechsjährige Sperre.

          Vieles hängt von den Vorwürfen gegen Infantino ab. Der Sonderstaatsanwalt der Schweizer Ermittlungsbehörde, die aufgrund der Fußballverfahren selbst mit einem Justizskandal konfrontiert ist, beschuldigt den Fifa-Chef der Anstiftung zu Amtsmissbrauch und Verletzung von Amtsgeheimnissen. Hintergrund sind geheime und nicht protokollierte Gespräche, die der Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, und mindestens ein weiterer Oberstaatsanwalt zu Fifa-Korruptionsverfahren mit Infantino geführt haben. Lauber steht ebenfalls vor einem Strafverfahren.

          Die Fifa verschickte derweil eine Aussage ihres Präsidenten: „Lassen Sie es mich noch einmal klarstellen: Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen. Zum damaligen Zeitpunkt waren über zwanzig Verfahren gegen ehemalige Fifa-Mitglieder anhängig. Dieser wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der Fifa bin ich nachgekommen und werde dies auch weiter tun.“ Der Deutsche Fußball-Bund und der europäische Fußballverband wollten auf Nachfrage keine Stellungnahme zum Strafverfahren gegen Infantino abgeben.

          Kurz nach seiner Wahl im Jahr 2016 hatte sich der Weltverbandschef schon einmal wegen fragwürdiger Flüge in Privatjets einer Untersuchung der damaligen Fifa-Ethiker stellen müssen, die jedoch eingestellt wurde. Nach einem großangelegten Austausch der früheren Kontrolleure, hinter dem maßgeblich Infantino gestanden haben soll, zweifeln Governance-Fachleute am Aufklärungswillen und an der Schlagkraft der aktuellen Ethikkommission.

          Die Ermittlungskammer wird von der Kolumbianerin Maria Claudia Rojas geleitet, sie war früher Präsidentin des Staatsrats ihres Heimatlandes. Die Rechtsprechung leitet der frühere Präsident des Europäischen Gerichtshofes Vassilios Skouris (Griechenland). Nicht nur ihnen ist immer wieder Untätigkeit vorgeworfen worden. Auch der Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, Tomaž Vesel aus Slowenien, tritt kaum in Erscheinung.

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