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Gescheiterte Olympia-Bewerbung : Prominent vernachlässigt

Als strahlendes Gesicht für Olympia an bayerischen Grantlern gescheitert: Maria Höfl-Riesch ist ratlos Bild: dpa

Was bei der Fußball-WM 2006 noch als Konzept durchging, reicht heute nicht mehr. Nur auf prominente Trommler wie Maria Höfl-Riesch oder Franz Beckenbauer zu setzen, überzeugt keine kritischen Bürger mehr.

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          Die anderen haben die besseren Argumente gehabt. Das ist okay so.“ Als feststand, dass es nichts werden würde mit einer weiteren Bewerbung Münchens um Olympische Winterspiele, und damit auch seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen, blieb Christian Neureuther gefasst. Er freue sich darauf, sagte Neureuther dem Bayerischen Rundfunk noch, in Zukunft mit den Olympiagegnern zusammenzusitzen und Garmisch weiterzuentwickeln.

          90 Kilometer nordöstlich, im Münchner Kreisverwaltungsreferat, gab Maria Höfl-Riesch etwa zur gleichen Zeit dem BR ein Interview. Für sie war das Nein der Bayern zu Olympia 2022 auch eine persönliche Niederlage – bei einer Zustimmung der Bürger wäre die zweimalige Olympiasiegerin von Vancouver als Gesicht der Münchner Bewerbung präsentiert worden. Gewissermaßen als Nachfolgerin von Katarina Witt, die für die erfolglose Bewerbung für 2018 stand. „Ich kann mir die Niederlage nicht erklären“, sagte Höfl-Riesch in München, und auf die Frage, wie denn die Stimmungslage in Garmisch war, ihrem Heimatort, sagte das verhinderte Gesicht der Münchner Bewerbung: „Ich habe gar nichts mitbekommen, weil ich schon lange nicht mehr in Garmisch war. Ich lebe in Kitzbühel, aber ich dachte, gerade Garmisch wäre nun gar kein Problem.“

          Nun war Maria Höfl-Riesch in Vorbereitung auf ihre letzte Olympiasaison tatsächlich seit langem unterwegs, auf Gletschern, im Training. Und doch bringen ihre Aussagen die Schwäche des organisierten deutschen Sports auf den Punkt: Sein Bewerbungskonzept beim Bürger ist mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Prominente wie Höfl-Riesch oder der von ihrem Ehemann gemanagte Franz Beckenbauer hatten für Olympia getrommelt, ohne das Konzept über strahlende Gesichter und versprochene Jubelstimmung hinaus eingehend zu erläutern.

          Man musste den Eindruck gewinnen, dass Olympia nach München kommen sollte, wie – vermeintlich – die Fußball-WM 2006 nach Deutschland gekommen war: von Kaiser Franzens Gnaden, und mit publizistischer Unterstützung vor allem durch die „Bild“-Zeitung. Dass seither 13 Jahre vergangen sind, dass sich die Bürger seither eine ganz andere, weitaus informiertere Meinung zu Sportgroßereignissen gebildet haben – es hat in den Überlegungen der Olympia-Befürworter offenkundig keine allzu große Rolle gespielt, auch wenn es bedächtige, in ihrem Naturell zurückhaltendere Menschen wie Christian Neureuther längst erkannt hatten. Auch deshalb steckt im vierfachen Nein der Bürger eine durchaus gute Nachricht: So einfach ist es nicht mehr. Wer überzeugen will, braucht gute Argumente abseits der Sportbegeisterung. Das müssen jetzt nur noch Deutschlands Sportfunktionäre verstehen.

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