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Gerichtsurteil : Doping-Opfer erhält Rente

Will eine Beratungsstelle einrichten: Ines Geipel, Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfeverein Bild: dpa

Trainer verabreichten ein Doping-Mittel und behaupteten, es handele sich um Vitamine. Das Sozialgericht Berlin sieht darin einen „vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriff“.

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          Die staatliche Rente für ein Doping-Opfer, wie sie das Sozialgericht Berlin der ehemaligen Kanutin Kerstin Spiegelberg am Freitag zugesprochen hat, ist ein weiterer Impuls für die Unterstützung von Doping-Opfern – nicht nur aus der DDR. Im kommenden Jahr werde der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOHV) mit Unterstützung des Bundesinnenministerium (BMI) eine Beratungsstelle einrichten; der Staat wird eine halbe Stelle finanzieren. Das kündigten am Wochenende die Vorsitzende der Hilfsorganisation, Ines Geipel, sowie der Abteilungsleiter Sport des BMI, Gerhard Böhm, an. Womöglich noch in diesem Jahr soll ein gemeinsames Projekt begonnen werden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Beratungsstelle soll nach der Vorstellung des Vereins auch aktiven Sportlerinnen und Sportlern zur Verfügung stehen, dürfte aber in erster Linie von denjenigen in Anspruch genommen werden, die von den Spätwirkungen des Dopings Jahrzehnte nach den Manipulationen betroffen sind. „Es ist unglaublich, was im Hintergrund passiert“, sagte die Berliner Professorin Ines Geipel: „Die Leute sind jetzt um die fünfzig. Oft wissen sie gar nicht, was mit ihnen passiert ist.“ Ständig meldeten sich Opfer des staatlichen Dopings in der DDR. Als Beispiel nennt sie eine Frau, die um Hilfe gebeten habe, weil sie als dreizehnjährige Turnerin eine Spritze ins Rückenmark bekommen habe und heute unter Lähmungserscheinungen leide. Sie sei bisher sicher gewesen, nie gedopt worden zu sein. Auch Trainer meldeten sich mit der Bitte um Rat. Viele Betroffene seien arbeitsunfähig durch die Folgen des Dopings; sie litten an chronischen Schmerzen und finanzieller Not.

          Unter den Betroffenen herrschen Unwissenheit und Ahnungslosigkeit. Auch dafür ist die ehemalige Kanutin Kerstin Spiegelberg ein Beispiel. Ihr verabreichten die Trainer das Doping-Mittel Oral-Turinabol und behaupteten, es handele sich um ein Vitaminpräparat. Das Sozialgericht Berlin sieht darin einen „vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriff“, welcher nun erstmals eine Opferrente für ein Doping-Opfer rechtfertige. Die Betroffene wurde auf Ursache und Vorgeschichte ihrer Erkrankungen erst durch einen Anruf von Brigitte Berendonk und Werner Franke aufmerksam; sie hatten die Geschichte der als Minderjährige gedopten Kanutin wie viele andere in Geheimakten der DDR entdeckt.

          Der DOHV sieht in der Entscheidung des Sozialgerichts Berlin einen Präzedenzfall. Insgesamt seien rund vierzig ähnliche Verfahren anhängig; es sei von bis zu tausend Opfern allein des DDR-Dopings auszugehen. Sie fordern schon lange, Doping-Opfern eine Rente zu gewähren. Seit Jahren fordert der Verein darüber hinaus ein Gesundheitsregister, in dem Schädigungen und Therapien gesammelt und Patienten und Ärzten zur Verfügung gestellt werden.

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