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Generalsekretär Curtius : Machtkampf im DFB

Die Vertrautheit täuscht: Oliver Bierhoff muss sich Kritik von DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius (r.) erwehren Bild: Picture-Alliance

DFB-Generalsekretär Curtius bekämpft die „Verselbständigung“ der Nationalelf unter Bierhoff. Den Bau des Leistungszentrum in Frankfurt sieht er als Chance, um seinem Widersacher im Verband Einfluss zu nehmen.

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          Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Friedrich Curtius, hat der verstärkten Eigenständigkeit sowohl der deutschen Nationalmannschaft als auch der von Oliver Bierhoff entwickelten und verantworteten DFB-Akademie den Kampf angesagt. Die neue Akademie, die derzeit mit geschätzten Kosten von rund 130 Millionen Euro als neue Heimat auch des DFB in Frankfurt entstehen soll, könne nur dann erfolgreich sein, „wenn sie mit dem Rest des Verbandes vernetzt ist“, sagte Curtius in einem Interview der jüngsten Ausgabe der „Zeit“: „Der große Glanz der DFB-Elf allein ist verführerisch. Da muss ich dagegenhalten und sagen: nein!“

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Bierhoff habe sich sein Standing über seine Spielerkarriere und seine Tätigkeit als Nationalelf-Manager erarbeitet, und er sei auch selbst zu einer Marke geworden, erklärte Curtius. Die Weiterentwicklung des DFB durch die Integration eines Akademie-Konzepts sei zwar Bierhoffs Baby, das er gegen viele Widerstände durchgeboxt habe. „Trotzdem bin ich gegen eine Verselbständigung der Nationalelf oder der Akademie. In dieser Frage muss ich immer das Gesamtwohl des Verbandes im Blick haben, der an der Spitze besonders stark ist, wenn ein starkes Fundament ihn trägt.“

          Kampf um Verantwortung

          Curtius machte klar, dass die Verantwortung für die Akademie letztlich in seinen, nicht in Bierhoffs Händen liege. „Oliver Bierhoff ist in erster Linie als Manager für die Nationalmannschaft verantwortlich, seit 2015 soll er zudem das Projekt der Akademie-Gründung entwickeln und verantworten. Mein Aufgabenbereich geht mit Blick auf die Sponsorenpflege darüber hinaus“, fügte der DFB-Generalsekretär hinzu. „Wir profitieren alle davon, wenn wir die tägliche Arbeit eng mit dem Profisport vernetzen. Umso wichtiger ist mir, dass wir die Akademie nicht getrennt von, sondern gemeinsam mit der DFB-Organisation entwickeln.“

          Curtius kritisiert in dem Gespräch mit der „Zeit“ auch die gesamte sportliche Führungsstruktur des DFB, die im Zuge der WM 2006 entstanden war und sich bis heute nicht veränderte. „Wir haben kurz vor der WM 2006, als es sportlich nicht besonders gut lief, sicherlich auf öffentlichen Druck hin Funktionen geschaffen, die eigentlich nicht wirklich in die Organisationsstruktur des Verbandes passten. Dazu gehört der Sportdirektor, dazu gehört auch der Manager der Nationalmannschaft.“

          Für den Nachfolger des zurückgetretenen Sportdirektors Hansi Flick, dessen Posten der frühere Nationalspieler und erfolgreiche Juniorenauswahl-Trainer Horst Hrubesch derzeit kommissarisch führt, soll bis Herbst ein neues Profil erstellt werden. „Konzeptionelles Denken, Spielphilosophien entwickeln, das sind Dinge, die im Zentrum stehen müssen, da gibt es nach meinem Eindruck einen Bedarf. Bevor wir jetzt einen Leiter Akademie oder einen neuen Sportdirektor ernennen, werden wir genau diese Profilschärfung vornehmen.“

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