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Fußballweltverband Fifa : Einfach abschaffen!

  • -Aktualisiert am

Zu dunkel für die Zukunft: Die Fifa steht vor ihrem Ende Bild: dpa

Unter Joseph Blatter hat sich in der Fifa jahrelang eine Bestechungskultur etabliert. Um diese zu beenden braucht es ein richterliches Urteil. Und am Ende womöglich die Gründung eines neuen Verbands.

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          Es gilt die Unschuldsvermutung! Das hat die Schweizer Bundesanwaltschaft unter ihre Presseerklärung über die Vernehmung des „Beschuldigten“ Fifa-Chefs Blatter am Freitag geschrieben. Noch ist nicht bewiesen, ob der Schweizer Gelder veruntreut hat zu Lasten des Fußballs. Aber man muss die Antwort auf diese Frage nicht abwarten. Man kann auch ohne richterliches Urteil längst zu einer Bewertung kommen: Schon lange, schon seit Jahren ist bekannt, dass sich unter Blatters Führung in der Fifa eine Bestechungskultur entwickeln und durchsetzen konnte.

          Der Präsident ist dafür wenigstens politisch verantwortlich. Er hat die Struktur für seinen Machterhalt genutzt. Und trotzdem ist es ihm gelungen, seinen Rücktritt zu dehnen bis zur Neuwahl auf neun Monate. Das war und ist nur möglich, weil die Kräfte in der Fifa kein Interesse haben, sich zu reformieren. Das ist sogar verständlich. Die Funktionäre, die in diesem System ihren Platz eingenommen und sich darauf bequem gemacht haben, würden sich mittelfristig selbst abschaffen.

          Alltagskorruption in Bananenstaaten

          Diese Situation lässt zwei Schlüsse zu: Erstens lassen sich alte Strukturen nur mit neuen, unabhängigen, von der herrschenden Unternehmenskultur unbefleckten Menschen überwinden. Und zweitens ist die Blockadepolitik ein untrügliches Indiz für eine tiefgreifende Verflechtung nicht nur im fernen Südamerika oder in der Karibik, wo man zur Distanzierung gerne schulterzuckend von Alltagskorruption in Bananenstaaten spricht.

          Dass Blatter ausgerechnet Platini, seinem Intimfeind, zwei Millionen Euro zu Lasten des Fußballs überwiesen haben soll, wird nun Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung. Dabei wird zumindest herauskommen, dass die beiden einst ganz gut miteinander konnten. Dass Blatter Platini sogar als eine Art Ziehsohn und Nachfolger betrachtet hatte.

          Deshalb auf krumme Geschäfte zu schließen, ist zu früh. Die Gerichte werden den Fall klären. Nur auf diesem Weg lässt sich offenbar erreichen, was der Dachverband nicht will: Eine radikale Reform. Und wenn es die Gründung eines neuen Verbandes ist unter redlicher Führung.

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          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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