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Peking und Qatar : Der Preis der Sportspektakel

Bei den Mega-Sportevents 2022 geht es auch um Machtmissbrauch und Menschenrechte. Bild: Niklas Wesner

Inhaftierte Uiguren und vom Erdboden verschwundene Sportler in der Volksrepublik China, entrechtete Arbeiter auf Baustellen in Qatar: Wie sehr dürfen die beiden Mega-Sportevents des Jahres 2022 die Realitäten im jeweiligen Gastland ausblenden?

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          Für Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes, hat das neue Sportjahr schon vor Silvester begonnen – in dem Land, an dem Ort, auf den sich ein Teil der Sport-Diskussionen 2022 konzentrieren wird: in Qatar. Der FIFA-Chef besuchte das Land vor zwei Wochen, auf den Tag genau 365 Tage bevor dort die Weltmeisterschaft angepfiffen wird. Das Emirat hatte sich, zum ersten Mal, die Formel 1 nach Lusail bestellt. Dort, vor den Toren der Hauptstadt Doha, wird am 18. Dezember 2022, dem vierten Advent, das Endspiel der Fußball-WM ausgetragen werden, im Lusail Iconic Stadium. Es wird der Schlusspunkt eines Sportjahres werden, in dem die Weltöffentlichkeit so genau wie selten zuvor auf das Geschehen abseits der Wettkämpfe und Sportstätten, auf Macht, Missbrauch und Menschenrechte blicken wird. In Qatar, bei der Fußball-Weltmeisterschaft, und Monate zuvor, bei den Olympischen Winterspielen in Peking.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die Qatarer nutzten beim Formel-1-Rennen die günstige Gelegenheit zur Crossvermarktung ihrer Veranstaltungen. Also hatte Infantino den WM-Pokal dabei. Auf den Bildern funkelte der World Cup noch ein bisschen heller, weil der Start des Rennens wohlweislich in die arabische Nacht gelegt wurde. Es wird das Prinzip dieser Fußball-Weltmeisterschaft sein: Was glitzert, glitzert in der qatarischen Dunkelheit noch ein bisschen schöner. Und was nicht glitzert, wird nicht so schnell entdeckt.

          Das Leid derer, die das Turnier ermöglichen

          Am gleichen Abend, an dem Infantino den WM-Pokal in die Kameras hielt, präsentierte die ARD-Sportschau ein Dokument aus der qatarischen Bauplanungsbehörde Ashghal, in dem es heißt, „alle überflüssigen Gastarbeiter“ sollten das Land zwischen 21. September 2022 und 18. Januar 2023 verlassen. Bis zum Beginn der WM wird kaum ein Tag vergehen, an dem nicht die Lage und das Leid derer besprochen wird, die dieses Turnier erst möglich machen: die Arbeitsmigranten aus den ärmeren Teilen Asiens und aus Afrika. Die Sponsoren der dänischen Nationalmannschaft etwa haben angekündigt, ihre Schriftzüge nicht auf die Trainingskleidung drucken zu lassen, die von den Spielern in Qatar getragen wird – der freie Platz soll für kritische Botschaften genutzt werden.

          Nur wenige Stunden nachdem Gianni Infantino sich mit seinem Pokal ablichten ließ, machten sich zwei norwegische Journalisten nach getaner Arbeit aus Qatar auf dem Weg nach Hause. Am Flughafen in Doha wurden sie in Gewahrsam genommen. Die Behörden warfen ihnen Hausfriedensbruch bei einem Dreh vor, nach 30 Stunden wurden sie freigelassen. Die norwegische Regierung, der norwegische Fußballverband und fünf nordeuropäische Fußballverbände drückten ihr Entsetzen gegenüber der FIFA aus. Man vertraue darauf, dass die FIFA ihr Äußerstes tun werde, ihre Versprechen zur Achtung der universellen Menschenrechte einzuhalten. „Wir hatten gehofft, dass die FIFA stärker reagiert“, sagte der finnische Verbandspräsident Ari Lahti.

          Infantino hatte dem qatarischen Sportsender BeIN Sports an der Rennstrecke erzählt, es sei schon ein Jahr vor der WM alles so emotional. „Es ist so wichtig, dass dieses Land zeigt, wie gastfreundlich es ist, wie großartig es wird, hier gemeinsam zu feiern.“ Einige Tage später, als die Festnahme der Norweger die diplomatischen Kreise erreicht, teilt Qatars Botschafter in Berlin mit, der Vorfall sei „recht bedauerlich und vermeidbar“ gewesen. Und in ebendiesen Tagen blamiert sich die Chefetage des FC Bayern München beim Versuch, die von den eigenen Fans angestoßene Debatte um das Sponsoring durch die staatseigene Qatar Airways aus der Jahreshauptversammlung herauszuhalten.

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